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696 BD ee N = a = PRACHT-ALBUM PHOTOGRAPHISCHER AUFNAHMEN DER UND DER SEHENSWÜRDIGKEITEN BERLINS UND DES TREPTOWER PARKS ALT-BERLIN, KOLONIAL- AUSSTELLUNG, KAIRO ETC. HERAUSGEGEBEN AUF GRUND DER ALLEINIGEN AUTOTYPIE-VERVIELFÄLTIGUNGSRECHTE SÄMMTLICHER PHOTOGRAPHIEEN DER GEWERBE- AUSSTELLUNG TEXT VON PAUL LINDENBERG UNTER MITWIRKUNG VON DE H. LICHTENFELT, PROF. LUDWIG PIETSCH, GEH.-RATH PROF. DE €. SCHEIBEER, JOH. TROJAN, BRORSDESERSVESVOGEFSR WALLE, ERNST WICHERT, DE B, ZINTERAFR ETC, ETC, VERLAG: THE WERNER COMPANY. BERLIN.

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Geschichte unserer Stadt behalten wird!

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verlästert, war es das wenig beachtete Stiefkind unter den werdenden übrigen Weltstädten und selbst den

as sorgsam vorbereitete Werk im Treptower Parke ist nun fertig unermüdlich wurde seit Jahren

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an der Verwirklichung des grossartigen Planes gearbeitet und geschafft, rastlos waren Kopf und and zahlloser Menschen dafür thätig, immer schönheitsvoller und glänzender gestaltete sich die ursprüngliche

ee aus, und nun, wo sie verkörpert vor uns steht, in fesselnd-imposantem Gewande, da dürfen wir mit

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berechtigtem Stolz sagen, dass das Werk der neuen deutschen Kaiserstadt würdig ist, dass Berlins Industrie

und Gewerbe, Kunst und Wissenschaft sich werth ihres Rufes gezeigt haben und mit dieser Ausstellung

was Ganzes, etwas Grosses schufen, das als weithin sichtbarer Merkstein immerdar seinen Platz in der

Schwer hat sich Berlin ja seine heutige, noch immer vielbeneidete, aber doch auch vielgerühmte

ellung auf dem Erdenbilde erringen müssen; noch vor wenigen Jahrzehnten oft bespöttelt und noch öfter

deutschen Residenzen. Berlin es besagte wohl Straffheit und Manneszucht, Fleiss und Thätigkeit, aber

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Stadt theils mit überhebender Ironie, theils mit einem gewissen Mitleid herab, man versprach sich von der

an sah doch im Allgemeinen auf die inmitten des »heiligen römischen Reiches Streusandbüchse« gelegene

Zukunft des Ortes nicht viel, man suchte ihn, zumal aus den südlicheren Provinzen, nur gezwungen auf und

war froh, wenn man den Staub der wenig reizvollen Stadt wieder von den Kleidern schütteln konnte.

Berlin selbst bekümmerte sich freilich wenig um all’ die Gehässigkeiten und Verdächtigungen, im

Stillen arbeitete und schuf es weiter, ahnend, dass die Zeit kommen würde, wo die Augen einer ganzen

Welt hierher gerichtet wären, wo man zeigen müsse mit Anspannung aller Kräfte, was man gelernt mit

Emsigkeit und Zielbewusstsein, was man vermöge im Gefühl seines Könnens, was man vollbringe als

Stadt der Arbeit und des Wissens, des Handels und des Wandels, die unter langer friedlicher Regierung

thätige Fortschritte gemacht, weniger bemerkt nach aussen wie nach innen hin.

Und die Zeit kam, es kamen die sechziger und siebziger Jahre mit ihren ungeahnten, ungeheuren

politischen Erfolgen, einen kühnen, einen hohen Flug nahm der preussische Aar, und als er heimkehrte,

da trug er die schimmernde Kaiserkrone auf dem Haupte und durfte seine Fittige schirmend ausbreiten

über dem neugeeinten deutschen Volk, über einem durch Eisen und Blut unlösbar zusammengeketteten

grossen deutschen Vaterlande!

Aus dem einstigen kleinen Fischerdorfe war die deutsche Kaiserstadt geworden. Ueber Nacht fast

waren ihr damit neue Ziele, neue Aufgaben erwachsen, nach allen Seiten hin reckte und streckte sich die

Stadt aus, im Umsehen verdoppelte sich ihre Einwohnerschaft, wüste Aecker verwandelten sich in volkreiche

Stadttheile, was verjährt und morsch war, wurde niedergerissen und erstand glanzvoll aufs neue, das bis-

herige, alte, etwas enge und fadenscheinige Berlin, wie wir es noch auf einigen der Abbildungen unseres

Buches sehen, verschwand mehr und mehr und machte dem neuen, glänzenden Platz, das bald mit seinen

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viel älteren Schwestern an der Seine, der Themse, der Donau den Wettkampf aufnahm und sie hierbei binnen kurzem in vieler Beziehung schlug.

Aber nicht auf Aeusserlichkeiten allein legte man Werth, durch eine Fülle gesundheitsfördernder Ein- richtungen, durch Gründung neuer Unterrichtsanstalten, durch Förderung von Kunst und Wissenschaft hob man die Stadt in erheblicher Weise, auch Gewerbe und Industrie und Handel hielten gleichen Schritt und eroberten sich theilweise in machtvoller Art den Weltmarkt. Seit langem schon war das Bestreben zum

Durchbruch gelangt, einmal öffentlich zu zeigen, was sie vermögen, was sie leisten, was Berlin in dieser 5 SC gen, gen, J

Hinsicht bedeutet, immer lauter wurden die Wünsche, immer stärker das Begehr, und so fand der Plan einer grossen Berliner Ausstellung einen lauten und sympathischen Widerhall. Wohl fehlte es nicht an

gewichtigen Stimmen, die gern auf Berliner Boden gezeigt hätten, was ganz Deutschland, was andere

befreundete Staaten auf den erwähnten Gebieten zu leisten vermögen, aber bei aufmerksamer Erwägung aller hier in Betracht gelangenden Factoren kam man doch auf die Berliner Ausstellung mit weitgezogenen Grenzen zurück.

Und nun hat sie uns ihre Pforten geöffnet, und Staunen und Bewunderung erfüllt uns ob ihres farben-

prangenden Gewandes und ihres reichen Inhaltes. Von beidem sollen die nachfolgenden Blätter eingehend erzählen. Heute aber darf man schon behaupten, dass diese Ausstellung gelungen ist, wie selten eine, dass sie überraschend wirkt durch ihre Grösse und Gediegenheit und dass sie noch späteren Geschlechtern zum Sporn und zur Anregung dienen wird als stolzes Wahrzeichen, was Berlin am Ende des neunzehnten

Jahrhunderts zu schaffen vermocht!

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iner der anmuthigsten und idyllischsten Punkte nahe Berlins, so verdient mit vollem Recht der Treptower Park bezeichnet zu werden. Nicht zwei Jahrzehnte ist es her, da sah es hier wüst und öde aus; braches, mit niederem Buschwerk bestandenes Feld erstreckte sich zu beiden Seiten der Treptower Chaussee, pfad- und weglos lagen Aecker und Wiesen da, und mit Vorliebe suchte die Jugend der südöstlich gelegenen Quartiere unserer Stadt diese Gegend auf, um hier

ungestört ihren Indianer- und Ritterspielen nachzuhängen.

Als das gewaltige Wachsthum Berlins kam, als sich die steinernen Arme der Residenz immer weiter ausstreckten und Ländereien in ihr Gebiet zogen, auf denen noch vor kurzem die Pflugschaar die Erde aufgeworfen und der Sommerwind die goldenen Aehren meerartig hin- und herbewegt hatte, da war es Pflicht der Stadtverwaltung, an gewissen Stellen dieser ungeheueren baulichen Ausbreitung ein Halt zu bieten, um dem mächtigen Häusermeere neue „Lungen“ zu schaffen, neue Parkanlagen, in denen die Be- völkerung nach schwerem Tagewerk, wie an den Sonn- und Festtagen Erholung und Erfrischung, und die Jugend einen Tummelplatz für ihre frohsinnigen Spiele finden sollte. Diesem Bedürfniss verdankt auch der Treptower Park seine Entstehung, der sich heute würdig dem Thiergarten, den er an Grösse übertrifft, an die Seite stellt, und der sich im Umschen die Sympathien eines beträchtlichen Theiles unserer Einwohnerschaft erworben. Es war ein theures Kind für unsere Stadtverwaltung, diese neue Parkanlage, die vielziffrige Summen verschlungen, aber kein Schmerzenskind, denn auf dem bis dahin mehrfach sumpfig gewesenen Terrain sprosste und grünte es frisch und kräftig empor, die hierher verpflanzten Baumpartieen fassten schnell Wurzel und breiteten ihre Laubkronen immer weiter aus, mit schönstem, sammetartigen Naturteppich be- deckten sich die Wiesen, über die man zu den fernen Büschen und Hecken köstliche Fernblicke geniesst, hier und da unterbrochen durch seeartige Gewässer, von Schwänen und schnatterndem Entenvolk belebt, während vom Ufer her die Nachtigall ihre süssen Weisen erschallen lässt und tausende anderer gefiederter Sänger ihre fröhlichen Freikonzerte zum Besten geben.

Kein Wunder, dass dieser Park gern von Alt und Jung, von Arm und Reich, von nah und fern aufgesucht wurde. Mit jubelnden Gesängen zogen an schönen Tagen in langen Zügen die Schüler und Schülerinnen der städtischen Schulen heran, um sich hier auf rasigem Grunde auszutollen, lächelnd sahen ihnen Eltern und Verwandte von lauschigen Ruheplätzen aus zu, Kranke und Sieche nahten, um in friedlicher Stille den Lärm und die Unruhe der gewaltigen Stadt zu vergessen, auf den weichen Pfaden längs der Chaussee tummelten Reiter ihre munteren Rösslein und in hellen Schaaren ergossen sich Spaziergänger und Spaziergängerinnen über alle Theile des Parkes, der namentlich an den festlichen Tagen von frohsinnigem Leben und Treiben wiederhallte.

Dann plötzlich, im vergangenen Frühling war es, erschienen in einzelnen Gruppen Männer, die mit

bedächtigen Mienen hier und da und dort Messungen anstellten, Grundrisse entrollten und sie mit den Park-

landschaften verglichen, immer häufiger kamen sie und in ihrem Gefolge brachten sie schliesslich ein Heer

von Arbeitern mit, die Pfähle einrammten, Gitter zogen, Zäune errichteten und die durch Pflöcke lange Strecken bezeichneten, auf denen alsbald Architekten und Baumeister immer neue Ausmessungen vornahmen und mit Bauführern und Künstlern lange Berathungen hielten war es doch endlich nach schweren Kämpfen, welche gedroht hatten, das ganze Unternehmen in lrage zu stellen, entschieden worden, dass hier im Treptower Park die Berliner Ausstellung ihren Platz finden sollte.

Und von nun an war es mit dem Treptower Idyll vorbei! Schwerfällige Wagen rollten heran und

liessen breite Spuren auf ihren Pfaden zurück, ganze Stein- und Zimmerplätze entstanden, Schaufel und Spitz: hacke wurden überall in Bewegung gesetzt, hier rodete man aus, dort pflanzte man an, da, wo sich bisher die Jugend umhergetummelt, grub man einen breiten See, Terrassen wurden aufgeworfen, Eisenbahnschienen wurden gelegt, auf denen flinke Miniaturlokomotiven zierliche Wagen, mit Sand und Geröll und Bau- materialien beladen, nach allen Richtungen hin beförderten, weit über die Bäume ragten plötzlich die schon

an anderem Orte fertiggestellten eisernen Rippen der Haupt-Ausstellungshallen empor und zwischenhinein

fügten sich die breiten Glasfächen, Thackeray’s Verse von neuem bewahrheitend, in denen er das Entstehen

der ersten Londoner Weltausstellung geschildert:

S8 „Noch gestern wüst und öde lag

Jie Gegend, die der muntren Schaar,

Der Reiter Tummelplatz nur war,

Und jetzt mit einem Mal!

Als wär's durch einen Zauberschlag,

Srhebt ein Bogen sich von Glas

Gleich einem Springquell aus dem Gras

Und glänzt im Sonnenstrahl!

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Während auf diesem Treptower Gebiet hunderte fleissiger Hände tagein tagaus beschäftigt waren,

um das äussere Gewand der Ausstellung fertigzustellen, herrschte in den Ausstellungsbureaus der Stadt die gleiche fieberhafte Thätigkeit, um das Werk zum Gelingen zu bringen, von dem in der ganzen weiten Welt das Plakat mit dem Hammer. in der nervigen Faust, andeutend, wieviel schwere Arbeit zum Gedeihen der harten märkischen Erde beigetragen, die Kunde bereits verbreitet hat, unterstützt von der wirk-

samen Arbeitskraft des Presse-Bureaus, welches seine, das mählige Fortschreiten der Ausstellung schildernden

Mittheilungen als gedruckte Sendapostel in alle Lande geschickt. Und das Echo blieb nicht aus, neue An- meldungen liefen in Fülle zu den bisherigen ein, und bald schon musste man besorgt einem »Zuviel« vor-

beugen, um die Ausstellung, deren lokaler Rahmen sowieso schon weit genug gesteckt war, nicht ins Endlose

wachsen zu lassen. Zugleich aber mehrten sich vom In- und Auslande die Sympathiekundgebungen für das grossangelegte Werk, und mit wachsender freudiger Zuversicht durften seine Unternehmer dem erfolgreichen Gelingen desselben entgegensehen.

Von wem geht nun diese Ausstellung aus, was will sie bedeuten, mit wessen Hülfe wird sie errichtet? Wie oft mögen diese Fragen von den ungezählten Tausenden der Besucher, die im Laufe der letzten Monate mit reger Wissbegierde das Fortschreiten der Ausstellungsarbeiten persönlich in Treptow oder auch nur aus der Ferne beim Lesen ihrer Zeitungen verfolgt, gestellt worden sein, ohne die richtige Antwort zu finden. Diese Berliner Gewerbe-Ausstellung ist einzig und allein aus der Bürgerschaft unserer Reichshauptstadt heraus entstanden, die auch die erforderliche materielle Grundlage dazu, mit Ausnahme eines verhältnissmässig sehr winzigen Zuschusses der Stadt, gegeben.

Ehe wir auf die Entstehung des Planes und seine Verwirklichung näher eingehen, ist es nöthig, einen kurzen Rückblick auf die bisher in Berlin veranstalteten gewerblichen Ausstellungen zu werfen, die

ädte. Die

grösseren deutschen Provinzs

geringer an Zahl’ und selbst Bedeutung sind, wie in manchen der

erste derartige Berliner Ausstellung fiel in das Jahr 1822 und war, wie ihre Nachfolgerin, vom preussischen

Staat angeregt worden; sie wurde in einer Reihe von Sälen und Zimmern des in der Klosterstrasse

Kaiser Wilhelm Il.

Nach einer Photographie von E. Bieber, Berlin.

zu

Gesammtansicht des Ausstellunc

Nach einer Zeichnung

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s-Perrains aus der Vogelschau

von Ewald Thiel.

gelegenen Gewerbehauses abgehalten und war nur von 176, meist. aus den Provinzen stammenden Aus-

stellern mit kaum tausend Gegenständen beschickt. Eine ähnliche geringe Betheilisung wies die zweite

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Ausstellung vom Jahre 1827 im Akademiegebäude Unter den Linden auf, an der sich wenig über 200 Aus-

10 fe} steller betheiligten. Man war in den weitesten Kreisen des Ausstellens noch ungewohnt und vermochte keine Vortheile darin zu erblicken. Viele scheuten die Kosten, Andere waren mit dem Absatz ihrer Waaren zu- frieden und es lag ihnen bei ihrem kleinbürgerlichen Horizont garnichts an einem grösseren Wirkungskreise,

wieder Andere hüteteten sich ängstlich, den Konkurrenten ihre Muster und Fabrikate zu zeigen. Weit

resultatreicher war die erste allgemeine deutsche Gewerbe-Ausstellung vom Jahre 1844, die in den Räumen

des Zeughauses 3000 Aussteller, davon viele aus den Provinzen und den deutschen Staaten, auch den

süddeutschen, vereinte, und die während ihres zweimonatlichen Bestehens von einer Viertelmillion Menschen besucht wurde. Der materielle Ertrag stand allerdings nicht im Verhältniss zu diesem allgemeinen Interesse, denn der Staat musste einen Fehlbetrag von zehntausend Thalern decken, der aber bei dem guten Erfolge eicht verschmerzt werden konnte. Den allgemeinen Eindruck jener „deutschen“ Ausstellung in Berlin schildern die Worte eines »gefeierten preussischen Staatsmannes«, die in der Vorbemerkung zu dem amt- ichen Bericht ihre Stelle gefunden: »Unser Zeughaus, sonst nur gewohnt im Schmuck der Waffen und Trophäen zu prangen, es sieht mit freudigem Erstaunen seine weiten Hallen überfüllt mit Erzeugnissen Deutschen Gewerbefleisses, welche von keiner Zollschranke gehemmt, aus allen Gauen unseres schönen grossen Vater- andes herbeigeströmt sind, als stumme, aber dennoch beredte Zeugen Deutschen Fortschritts in den Künsten des Friedens, Deutscher Einigkeit, Selbstständigkeit und Beharrlichkeit. Seine alte Inschrift: ‚terrori hostium, utelae suorum‘, sie hat einen neuen weiteren Sinn gewonnen. Denn wo es noch Feinde gäbe Deutscher Grösse, sie würden erschrecken, wenn sie hier gewahrten, wie gut das Deutsche Volk die vor dreissig:

Jahren mit Strömen seines Blutes wieder errungene politische Selbstständigkeit benutzt hat, um sich auch in

jeder anderen Beziehung frei zu machen von fremder Bevormundung und Willkür, wenn sie sich überzeugten,

wie wir, fest auf eigenen Füssen stehend, auch den Kampf der materiellen Interessen nicht mehr zu ver- meiden, uns nicht mehr zu scheuen brauchen, unsere Häfen, Ströme und Märkte überall dorthin zu öffnen, wo man Gleiches mit Gleichem redlich zu vergelten bereit ist, oder auch uns abzuschliessen, wo man nur eine societas leonina uns bieten wollte!«

Die Hoffnungen und Erwartungen jenes Staatsmannes aber sollten nicht so schnell in Erfüllung gehen,

denn, wenn wir von einer kleinen lokalen Berliner Ausstellung im Kroll’schen Theater 1849 absehen, folgte

eine lange ausstellungslose Zeit, bis uns erst das Jahr 1879 auf dem neu entstandenen Landesausstellun

Platze am Lehrter Bahnhofe die Berliner Gewerbe-Ausstellung brachte, die 60000 Quadratmeter bedeckte und die gewerblichen Erzeugnisse von 1800 Ausstellern veranschaulichte.. Die Ausste lung bedeutete einen vollen Triumph der Berliner Industrie und machte die Schlappe der letzteren, welche diese zugleich mit der deutschen Industrie auf der 76er Philadelphiaer Ausstellung erlitten, in erfreulicher Weise vergessen. Nicht minder gut war der materielle Erfolg, da ein Ueberschuss von einer halben Million Mark erzielt wurde,

der mit seinen Zinsen unserer jetzigen Ausstellung zu Gute gekommen ist. Aber auch sonst wirkte jene

Ausstellung fördersam nach; die bei ihr betheiligt gewesenen gewerblichen und industriellen Kreise wandten

sich mit wiederbelebtem Eifer und frischem Muth neuen und grösseren Aufgaben zu, in welch’ gedeihlicher

und glücklicher Weise, das zeigte die Vertretung der Berliner Industrie und des Gewerbes auf Chicagoer Weltausstellung.

der letzten

Der eigenen Kraft nun wohlbewusst wurden in Berlin nach dem 1879er Treffer schon während der

ersten Hälfte der Soer Jahre die Wünsche nach einer grossen deutschen oder gar Welt-Ausstellung im

Bannkreise unserer Hauptstadt immer dringlicher und hatte man das Jahr 1888 dafür in Betracht gezocen: Sligete) I auch die »Vereinigung von 1879«, seitens jener Industriellen gebildet, welche die besagte obige Berliner

Ausstellung so erfolgreich durchgeführt hatten, trat mit ihrer bedeutsamen Stimme für den Plan ein, der

10

dann aber durch die traurigen Ereignisse, von denen unser Kaiserhaus betroffen wurde, in weitere Ferne rückte. Nun nahm man das Jahr 1896 in Aussicht, das Jubeljahr, das uns nach blutigem Kampfe des

deutschen Reiches neue Herrlichkeit geboren, und von neuem erhoben sich die erregten Rufe im Streite,

ob nur eine Berliner Ausstellung, eine deutsche oder eine Welt-Ausstellung zu veranstalten sei, und an allen

nur möglichen Vorschlägen war kein Mangel. Schon drohte die Uneinigkeit alles zu zerstören, da trat im

Dezember 1892 das Präsidium des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller mit einem fester gegliederten

Vorschlage in die Oeffent- lichkeit, den wir hier in

seinem Wortlaut folgen lassen, da er zuerst der Ausstellung bestimmte Wege wies: »Alle sind

wir darin einig, dass wir

eine deutsche Auss ellung lieber sehen würden als eine Berliner Ausstellung. Wir haben dies für kun- dige Männer und für die- jenigen, die es angeht, verständlich dadurch aus- gedrückt, dass wir uns nicht für eine Berliner Ausstellung, sondern für eine Ausstellung in Berlin erklärten. Diese vor- zubereiten, verlangt auch das uns ertheilte Mandat. Von uns aus können wir indessen nur die Berliner Industrie, das Berliner Gewerbe etc. einladen, wobei allerdings der Rah- men so weit gespannt werden kann, dass auch alle in Berlin irgendwie vertretenen Firmen Raum

finden. Was darüber hin-

neck Be.

Prinz friedrich loeopold von Preussen

Protector der Berliner Gewerbe-Ausstellung

Nach einer Photographie von E. Bieber, Berlin.

ausgeht, das ist nicht

ohne Mitwirkung der Reichsregierung thunlich. Doch glauben wir, dass die Berliner Ausstellung auf der von uns ange- gebenen Grundlage sich kaum mehr als dem Na- men nach von einer deut- schen Ausstellung unter- scheiden würde. Immer- hin verkennen wir die

moralische Bedeutung

dieses Unterschiedes nicht und würden glücklich sein, wenn es uns vergönnt

Werk

auch

wäre, an einem mitzuarbeiten, das schon durch den Namen sich als ein nationales

präsentirt. Dies lässt sich

jedoch nicht allein von hier aus erreichen, das muss in der Hauptsache durch die Initiative der Handels-

korporationen in den Pro-

und Gewerbe-

vinzen und im Reiche her- beigeführt werden. Wenn diese, jede für sich, ein-

dringlich und lebhaft und

nachhaltig gehörigen Orts vorstellig werden, so werden sie sicherlich an massgebender Stelle geneigtes

Gehör und entgegenkommende Bereitwilligkeit finden, und dann wäre der Weg zur Erlangung einer noch

breiteren Basis für die Ausstellung nicht mehr weit.«

Die im zweiten Theile des Schreibens vorgeschlagene Agitation für eine allgemeine grosse deutsche Aus-

stellung ward bald hinfällig, nachdem die deutsche Reichsregierung wie preussische Staatsregierung die bündige Er-

klärung abgaben, dass sie einer nationalen Ausstellung nicht fördersam gegenüber stehen. Sokam man mehr und

mehr zu dem Entschluss, eine erweiterte Berliner Ausstellung im Frühjahr 1896 ins Leben zu rufen, und nachdem

derselbe erst gefasst war, ging man mit aller Energie daran, ihn so grossartig wie möglich zu verwirklichen.

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Drei Männer waren es vor allem, die ihre ganze Kraft und Hingebung dem grossen Werk, dessen Protectorat der Vetter unseres Kaisers, Prinz Friedrich Leopold von Preussen, und dessen Ehren-Präsidiuni der preussische Minister für Handel und Gewerbe, Freiherr von Berlepsch, übernommen, widmeten: Com-

merzienrath Fritz Kühnemann, dem schon die 79er Ausstellung viel ihres Gelingens verdankte, Geh.

Commerzienrath L. M. Goldberger und Baumeister Bernh. Felisch, welche den Arbeits-Ausschuss, gewissermassen den Kopf des gewaltigen Unternehmens, bilden, dem sich als Rumpf der geschäftsführende Ausschuss, aus siebzehn Verfügung und bewilligte den verschiedensten Stän- = sechs Millionen Mark, die den angehörenden Herren, indirekt Pflasterung anschliesst, während der von nach der Ausstellung Gesammt-Vorstand aus führenden Strassen, Neu- über hundert Mitgliedern resp. Umbauten von

besteht, zu denen sich Brücken, Bau des Pa-

noch die Vorsitzenden der villons der Stadt Berlin

dreiundzwanzig Gruppen, und Anschaffung der

in welche die Ausstellung Ausstellungsgegenstände

zerfällt, angliedern, und etc. mit der Ausstellung

unter jedem Gruppen- in Verbindung stehen, wie

Vorsitzenden soundsoviel auch die Eisenbahn 2'/, Millionen Mark für

Erweiterung des Verkehrs

Herren, welche auf dem speziellen Gebiete der be-

treffenden Gruppe erfah- zur Ausstellung und Er-

ren sind, ihre Thätigkeit richtung eines besonderen

entfalten. Bahnhofes ausgeworfen

Die finanzielle Grund- hat.

lage der Ausstellung bil- Hierzu gesellen sich

det der vier und eine halbe Million Mark betra-

an Einnahmen: aus Pacht-

verträgen (feste Einnah-

gende Garantiefond, der men und voraussichtliche in Antheilscheinen zu Erträge) ı 297 000 Mk., tausend Mark schnell in an Plakatmiethen den Berliner gewerblichen 870000 Mk., (ausser und industriellen Kreisen - dem Gewinn bei dem Ver- aufgebracht wurde. Freiherr von Berlepsch kauf von Loosen und zu- 350000 Mark stellte un- Königlich Preussischer Minister für Handel und Gewerbe züglich des Beitrages

Ehren-Präsident der Berliner Gewerbe-Ausstellung

sere Stadtverwaltung dem der Stadt Berlin mit Nach einer Photographie von E. Bieber.

Ausstellungscomite zur 300 000 Mk.) Beitrag des 1ı87ger Ausstellungsfonds 52 000 Mark so dass, um den Ausgleich der Ausgaben und Einnahmen zu erzielen, mit einem Tagesbesuch (auf 150 Tage) von ungefähr 50 000 Personen gerechnet werden muss; denn die Aus- gaben beziffern sich auf fast 6'» Millionen Mark und zwar: Hauptgebäude ı 559 000 Mark, Chemiege- bäude 290000 Mk., Fischereigebäude 322 000 Mk., Gebäude für die Schule (Wohlfahrtseinrichtungen) 132 000 Mk., Gartenbau 15 000 Mk., Gebäude für Gasindustrie 26 000 Mk., Verwaltungsgebäude 78 000 Mk Einzäunungen 35 000 Mk., Ausschmückung des Parks 221 000 Mk., Wegeüberbrückungen 100000 Mk Teichanlage und Wasserthurm 289 000 Mk., Be- und Entwässerung, Gas- und Wasserleitungen 250 000 Mk.,

Architekten, Baubüreau 200 000 Mk., Terrainpachtungen 75 000 Mk., Subventionirungen (Beiträge zur

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Pflasterung an die Gemeinden Treptow, Rixdorf, zur Herstellung des Eisenbahn-Bahnhofes an die Eisen- bahn-Verwaltung, an die verschiedenen Gruppen und Innendekorationen) 510 000 Mk., Propaganda, Plakate, Plakatbilder incl. Inserate etc. 350 000 Mk., Uniformen, Möbel 100 000 Mk., Feuerwehr 80 000 Mk., Musik 100 000 Mk., elektrische Beleuchtung und Kraft: a) Gesammtkosten der elektrischen Beleuchtung der Hauptindustriehalle 215 000 Mk., b) Restliches; Maschinen und Kesselfundamente und Einmauerung,

Kohlen, Wasser, Bedienung etc. 535 000 Mk. bis 750 000 Mk., Wege, gärtnerische Anlagen, Springbrunnen

160 000 Mk., diverse kleine Gebäude 87 000 Mk., Kesselhaus und Schornsteine 60 000 Mk., Versicherun-

gen 80000 Mk., Personal etc. 300000 Mk., Wiederherstellung des Parkes 100000 Mk., Allgemeines

und Unvorhergesehenes ır0o 000 Mk., in Summa 6 379 000 Mark.

Nun aber nach diesem kurzen Ueberblick begleitet uns hinaus nach dem Ausstellungsplatz, lasst uns schauen, was dort in emsiger Arbeit mit unermüdlicher Thatkraft geschaffen wurde, lasst uns eingehend jenes grosse, glänzende Werk betrachten, das nicht nur Berlin, das nicht nur unserem engeren Heimathlande,

das ganz Deutschland zum Ruhme, zur Ehre, zum Vortheil gereichen soll und wird!

14

DIE ERÖFFNUNG.

j as war ein denkwürdiger Tag für Berlin, dieser 7. Max 1896,

an welchem das grosse Werk im Treptower Parke feierlich

eröffnet ward! Ein Tag, der mit seinem fröhlichen und würdigen Glanze noch lange nachleuchten und einen

Markstein in der Geschichte unserer Reichshauptstadt bedeuten wird, ein Tag des Triumphes werkthätiger

Arbeit, ernsten Könnens, grossen Erreichens!

Ganz Berlin prangte im Flaggenschmuck an diesem ı. Mai, festlich flatterte und wehte es von den

Dächern, den Balconen, den Fenstern herab, in allen Farben unserer deutschen Bundesstaaten, und auch

die Fahnen befreundeter Nationen mischten sich dazwischen, jener Nationen, die uns Monate manche Beweise der Sympathie für unsere Ausstellung gegeben. Besondere

Zufahrtsstrassen zur Ausstellung angelegt; hochragende Flaggenmasten säumten in k

im Laufe der letzten n Schmuck hatten die

urzen Zwischenräumen

die Fahrwege ein, an mehreren Hauptverkehrspunkten erhoben sich Guirlandenthore sowie massive Obelisken,

mit Trophäen geziert und mit frischen Blattpflanzen in den sie krönenden Vasen, und auch hier auf dem

endlos weiten Wege Fahne an Fahne, Banner an Banner, vielfach auch Kränze und Gu

Decorationen, welche die freudige Theilnahme der Bevölkerung zum Ausdruck brachten.

ürlanden und sonstige

Selbst der uns vordem wenig gnädig gewesene Himmel hatte sein liebenswürdigstes Gesicht auf-

gesteckt. Goldiger Sonnenschein fluthete hernieder und hüllte in sein sprühendes Strahlengewand die Aus-

stellung ein, die, zumal in dieser blendenden Gewandung, einen überraschend stolzen und gefälligen Eindruck

8)

machte. Mit geradezu übermenschlichen Kräften war in den letzten Tagen auf das emsigste geschafft und

gewirkt worden, um die Fertigstellung möglichst zu vollenden, und woran man noch zwanzig, noch zwölf

Stunden vorher gezweifelt, es war gelungen: im Grossen und Ganzen stand die Auss

ellung fertig da, und

wenn auch hier und da noch etwas fehlte, das Gesammtbild konnte dadurch nicht beeinträchtigt werden!

Das war auch die Ueberzeugung all’ der Tausende, deren Zielpunkt vom frühen Morgen an die

Ausstellung gewesen, Damen und Herren in festlichen Toiletten, welche die Pfade und

Ausstellungsgebietes mit flottem Leben und Treiben erfüllten und sich besonders auf

Plätze innerhalb des

dem Rondel vor dem

Hauptgebäude zusammendrängten, um der Ankunft des Kaiserpaares beizuwohnen, durch dessen Anwesenheit

dieser Eröffnungstag wesentlich an Glanz und Bedeutung gewann. Wie hübsch und

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festfreudig sah dieser

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Ansichten aus dem alten Berlin.

Das Königliche Palais. Domkirche.

Charlottenburger Chaussee.

Die alte Börse Hinter den Zelten.

Opernplatz Gendarmenmarkt.

Berlin vom Tempelhofer Berg aus. Akademie, Unter den Linden.

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Ansichten aus dem alten Berlin.

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Pariser Platz

Wilhelmsplatz.

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Vorplatz aus mit seinen duftenden Blumenbeeten, seinen durch weissschimmernde Kunstwerke verzierten Springbrunnen-Anlagen und der bewillkommnend sich ausbreitenden Wandelhalle, auf welcher sich allmälig die zur Feier im Kuppelsaale Geladenen versammelten, während unten am Bassin eine Ehrencompagnie des 3. Garde-Regiments Aufstellung genommen, deren dunkle Uniformen sich lebhaft von dem frühlingshellen lintergrund abhoben.

Das Kaiserpaar hatte den Wasserweg gewählt und hierzu den aus Potsdam herbeorderten schmucken kaiserlichen Dampfer »Alexandria« benutzt. Was war das für ein Jubel, als das schlanke Schiff auf der Oberspree erschien, an seinem Mast die purpurne Kaiserstandarte führend, während am Bug die Kriegsfahne wehte! Zahllose zierliche Ruderboote mit ihrer farbig costumirten Bemannung, flotte Segler, kleine und grössere buntbewimpelte Dampfer, bis auf das letzte Plätzchen menschenüberfüllt, belebten die Wasserfläche, und immer neue Hochs und Hurrahs erschollen von ihnen aus und fanden ihr Echo an den Ufern, wo gleichfalls tausende von Menschen standen und mit jubelnden Zurufen das Kaiserpaar begrüssten, das auf dem Vorderdeck des schneeigen Schiffes stehend, freundlich nach. allen Seiten hin dankte und von diesen begeisterten Huldigungen sichtlich überrascht schien. Ueberall von den Ufern her erscholl Musik, überall wehten Fahnen, in ein einziges Flaggengewand schienen die Bootshäuser der Ruder- und Segler-Klubs ge- hüllt, vor denen in langen Reihen die Vierer- und Achter-Boote lagen, welche auf ein gegebenes Zeichen an der »Alexandria« vorüberschossen.

Kurz nach dreiviertel elf Uhr landete das kaiserliche Schiff, für das nahe dem gewaltigen Lloyddampfer »Bremen« ein langer, bekränzter Steg in die Spree gebaut war, in Treptow; von dem Lloyddampfer her erdröhnten einundzwanzig Salutschüsse, in welche sich das »Heil Dir im Siegerkranz« der Militaircapelle und der stürmische Jubel der Anwesenden mischte, die auch mit Tücher- und Hüteschwenken ihrer freudigen Erregung Ausdruck gaben. Vor einem weissen, innen roth ausgeschlagenen und auf seiner Spitze fliegende goldene Adler aufweisenden Festzelte, vor welchem ein Marine - Doppelposten die Ehrenwache hielt, wurde

das Kaiserpaar, dem P

rinz Friedrich Leopold als Protector und Handelsminister von Berlepsch als Ehren- präsident der Ausstellung entgegengeschritten war, von den Herren des Arbeitsausschusses empfangen und von ihnen sodann nach dem Hauptpalaste geleitet, auf dem ganzen Wege mit donnernden Hochs begrüsst. Der Kaiser trug die Uniform des I. Garde-Regiments, seine Gemahlin eine duftige, meergrüne Toilette mit reichen Perlen- und Silberstickereien, die auch der leichte Umhang zeigte; beide sahen frisch und wohl aus

und liessen in froher Stimmung das sich ihnen darbietende festfrohe Bild auf sich einwirken.

Im Kuppelsaale

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es Hauptgebäudes hatten sich unterdessen die zur Feier Geladenen versammelt;

alles, was Berlin an Namen und Rang enthält, war hier vertreten, die höchsten Reichs- und Staatsbeamten in ihren goldüberladenen, ordensbesäeten Uniformen, darunter die Staatsminister Miquel und von Boetticher sowie der Staatssecretair des Auswärtigen, Freiherr Marschall von Bieberstein, auch der greise Delbrück, welchem die deutsche Handelspolitik so viele fruchtbare Anregungen. verdankt, tauchte auf und neben ihm

der ehemalige Kultusminister von Gossler, dann die fremden Botschafter und Gesandten, unter ihnen die-

jenigen Russlands, Englands, Italiens und der Türkei, ferner hohe Offiziere, unsere ersten Gelehrten, Künstler

und Schriftsteller, denen sich unsere verdienstvollsten Industriellen und Gewerbetreibenden, die Deputirten des Magistrats und der Stadtverordneten-Versammlung mit ihren goldenen Amtsketten, die Architecten und Commissions-Mitglieder der Ausstellung u. s. w. anschlossen.

Eindrucksvoll wirkte der hochragende Saal, durch dessen buntbemalte Glasfenster die Sonne ihre schimmernden Strahlen scheinen liess, die mit einer Aureole den unter der Figur der weisheitsvollen Athene errichteten Thron-Baldachin aus Purpursammet, in welchen goldene Adler gemalt waren, umwogten. Während

man von draussen her den Präsentirmarsch der Ehrencompagnie vernahm, erschien der Gast des Kaiserhauses,

Fürst Ferdinand von Bulgarien, in der Uniform eines bulgarischen Infanterie-Generals und unterhielt sich

angelegentlich mit dem russischen und türkischen Botschafter, darauf auch andere Herren in die Unterhaltung

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ziehend. Der Fürst, von kräftiger, dabei nicht unschlanker Figur, mit gebräuntem Gesicht, dem der kurze Spitz- bart und die scharfen, klugen Augen einen energischen Ausdruck verleihen, sah sehr sympatisch aus und erregte in hohem Grade das Interesse der Anwesenden, die ihn sich nach den vorhandenen Bildern wesentlich anders vorgestellt.

Erwartungsvolle Stille jetzt, vom Orgelchor herab ertönt Richard Wagner’s von der Berliner Liedertafel gesungene Hymne »Heil dem Kaiser«, weit öffnen sich die Thüren, und als erstes Paar erscheint die Kaiserin mit dem Prinzen Friedrich Leopold, darauf der Kaiser mit der Prinzessin Friedrich Leopold, hinter ihnen viele Fürstlichkeiten, darunter der Fürst Ferdinand von Bulgarien, der Erbprinz von Sachsen-Coburg-Gotha, der Erbprinz von Hohenzollern, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, Prinz Max von Baden und andere mehr. Der Kaiser trat sofort auf den Fürsten von Bulgarien zu, ihm herzlich die Hand drückend und ihn mit warmen Worten hier in der Ausstellung bewillkommend, dann schritt er mit der Kaiserin die

wenigen Stufen zum Podium empor und nahm unter dem Baldachin links von seiner Gemahlin Aufstellung.

Zum Wort gelangten die drei Mitglieder des Arbeits-Ausschusses, die sich mit unermüdlichem Eifer

und nie rastender Arbeitskraft die grössten Verdienste um die Ausstellung erworben. Als erster Redner sprach Herr Kommerzienrath Kühnemann zum Kaiser gewandt:

»Das Werk, dem die gesammten Gewerbe unserer Stadt in opferfreudigem Wirken jahrelang ihre

besten Kräfte geweiht das Werk, das selbstlose Bürger zu fördern suchten mit deutschem, hingebendem Fleiss das Werk, das da künden sollte weit über die Grenzen unserer Heimath hinaus von der jugend-

Und hat

gen Augenblick durch die

frisch emporgeblühten Stadt, ihrer Schaffenslust und thätigen Kraft: das Werk, es ist vollende

es auch manche Stunde heisser Mühe gekostet, reich fühlen wir uns in dem jetz

Gnade belohnt, dass Ew. Majestät uns beehrt haben, in höchsteigener Person der Eröffnung beizuwohnen. Der Enkel ist erschienen, um dem Werk seine Weihe zu geben, welches das Gedächtniss seines hochseligen Grossvaters feiern soll, jenes ruhmgekrönten Herrschers, der die Sehnsucht der Besten der Nation erfüllte, der uns ein grosses, ein freies, ein starkes Deutschland schuf. 235 Jahre sind vergangen seit jenen welt- geschichtlichen Ereignissen, Kaiser Wilhelm der Grosse weilt nicht mehr unter uns; doch wie man seiner gedenkt, das zeigten in ergreifender Weise die Jubelfeste, welche die Deutschen in ihrer Heimath und allüberall, wo die deutsche Zunge klingt, sich eins haben fühlen lassen in der Liebe zu dem grossen Dahingeschiedenen. Als Alldeutschland nur von dem einen Gedanken durchdrungen schien, seiner Freude über die wiedererlangte Einheit Ausdruck zu geben, so einmüthig, so überwältigend-grossartig, wie es die Welt noch nicht gesehen, da entstand auch in Berlin der Gedanke, jene Tage hoher Weihe nicht ohne würdige Feier vorübergehen zu lassen, Ihm, der gelobte: ‚Allzeit ein Mehrer des Reiches zu sein an den Gütern und Gaben des Friedens‘ sollte ein Friedensdenkmal errichtet werden, um Zeugniss abzulegen von

em Dank seiner Nation.

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Nichts kleines ist es, wenn ein Volk solches seinem ersten Kaiser bekunden will. Verlockend schien

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aher der Plan, zu friedlichem Wettstreit die Völker der Welt zu laden, auf dass es offenbar würde, wie das junge Deutsche Reich sich nicht nur den Lorbeer des Sieges gepflückt, dass es auch die Palme des Friedens errungen doch es sollte nicht sein. Und wieder hoffte man, die geeinten deutschen Lande möchten sich die Bruderhand reichen, gemeinsam den fremden Nationen ihr eigenes Können zu zeigen das Geschick hat es anders gewollt.

Da besann Berlin sich seiner selbst. Nicht umsonst macht es Anspruch darauf, die erste Industrie-

stadt der Welt zu sein, die ihre Grösse nicht der Gunst der Verhältnisse verdankt, sondern der Einsicht,

der Arbeitskraft und dem Fleiss ihrer Bürger. So that Berlin sich denn zusammen, Gewerbe und Industrie

vereinten sich mit Kunst und Wissenschaft, und ihrer Bemühung Lohn ist dieses Werk, das als strahlendes

Symbol rastlosen Bürgerfleisses gelten kann, berufen, den Ruhm der Stadt zu mehren, die sich mit Stolz

Ew. Majestät Residenz- und Hauptstadt nennt.

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Und da auf Berlin als solche die Augen der Welt sich richten, erweiterten wir nach Möglichkeit den beschränkten Rahmen einer Lokalausstellung, um höheren Zwecken zu dienen. Gern boten wir Raum der deutschen Fischereiausstellung, die glanzvoll bei uns vorgeführt in die weitesten Kreise den un- endlichen Schätzen des Meeres Eingang verschaffen und sie zur wahren Volksnahrung erheben soll. Mit Freuden begrüssten wir die deutsche Kolonial-Ausstellung, von der wir Erweiterung und Vertiefung ihrer hohen patriotischen Aufgabe erhoffen. Noch anderen Zweigen deutschen Gewerbelebens öffneten wir unsere Pforten, sobald Berlin ihr Sitz war.

Wer ein hohes Ziel erstrebt, darf vor keinem Hinderniss zurückschrecken, und gar viele galt es bei diesem unserem Werk zu überwinden. Doch es war ein freudiges Ringen und der Geist froher Zuversicht

durchwehte die Reihen der mannhaften Kämpfer. Fühlten wir alle uns doch getragen von dem Hochgefühl:

!w. Majestät will uns wohl. Haben schon zu allen Zeiten, in Kriegsnoth und Friedensglück, die Hohenzollern

ihre mächtige Hand schirmend über unsere Stadt gebreitet, so haben Ew. Majestät der Ahnen Ueberlieferungen bewahrt, und in dem jetzigen Augenblick fühlen wir doppelt und dreifach die Verpflichtung ehrerbietigsten Dankes und tiefster Ergebenheit. Ew. Majestät geruhten unserem Werk sein gnädigstes Wohlwollen zu spenden, bewiesen uns oft und wiederholt die gütigste Theilnahme, verschafften uns den Beistand der Verwaltung und 3chörden, dass der Weg zum Erfolg uns erleichtert wurde. Ja, mehr noch als dies. Unter die Zahl der Aussteller ist Ew. Majestät getreten, und verschiedene unserer Gruppen zeugen von der Allerhöchsten Huld.

Unverzagt und froher Hoffnung schaut unser Blick der Zukunft entgegen, und nicht erschreckt uns, was sie

ringen wird. Denn sicher vertrauen wir unserem Herrn, dessen Friedenspolitik allen Zweigen der Gewerbe für

ange Zeit hinaus blühendes Gedeihen und stete Fortentwickelung verheisst. Drum spricht hier die Stimme des

Volkes; drum dankt sie ihrem kaiserlichen Herrn; drum soll sie laut verkünden in jubelndem Widerhall: Se. Ma-

jestät Kaiser Wilhelm er lebe hoch!« Jubelnd stimmten die Anwesenden dreimal in den Ruf ein und sangen den

ersten Vers der Nationalhymne, den das philharmonische Blas-Orchester von der Galerie herab angestimmt. Als zweiter Redner drückte Herr Baumeister Felisch den Dank der Aussteller an den Prinzen

Friedrich Leopold, den Protector der Ausstellung, aus:

»Se. Kaiserliche Majestät haben die Gnade gehabt zu gestatten, dass ich Ew. Königliche Hoheit den

Dank der Aussteller darbringe für die hohe Huld, mit der Ew. Königliche Hoheit das Protectorat über unser

schönes Kulturwerk, hervorgediehen aus dem Gewerbfleiss der Stadt Berlin, übernommen haben. Königliche Hoheit! In unserem Vaterlande wird jedes grosse Werk unter den mächtigen Schutz und Schirm unseres allezeit geliebten und erhabenen Herrscherhauses gestellt. Dann erst empfängt es die rechte Weihe. Und so durften auch wir hoffnungsfreudig in die Zukunft schauen, als am 18. Oktober 1894 die frohe Botschaft eintraf, dass Ew. Königliche Hoheit mit Genehmigung Sr. Majestät geruht hätten, das Pro- tectorat zu übernehmen.

Der 18. Oktober ist in Preussens Geschichte ein hoher Gedenktag; gab uns Gott doch an ihm einst den

Kaiser Friedrich, jene lichte Heldengestalt, dessen Gedenken in deutschen Herzen nicht in Aeonen erlöschen wird. Königliche Hoheit sind der erlauchte Sohn des ruhmgekrönten Kriegshelden, der auf Frankreichs

Erde die deutschen Söhne von Sieg zu Sieg geführt hat.

Und Ew. Königliche Hoheit stehen heut an der Spitze eines gewaltigen Friedenswerkes und bethätigen damit wieder die Huld und Zuneigung, welche das erhabene Hohenzollernhaus stets dem vaterländischen Gewerbfleiss erwiesen hat. Wir aber erblicken darin ein glückverheissendes Zeichen, ein Zeichen, in dem wir siegen werden; ich bitte Ew. Königliche Hoheit dafür unseren ehrerbietigsten Dank entgegen zu nehmen.«

Der dritte Redner war Herr Geheimer Kommerzien-Rath Goldberger, welcher den Dank an den Ehrenpräsidenten der Ausstellung, Staatsminister von Berlepsch, und die Stadt Berlin übermittelte:

»Mit Ew. Majestät, unseres geliebten Kaisers und Königs huldvoller Genehmigung, die eine Aus-

zeichnung ist für uns, wie für die, denen unser Wort gilt, damit ihnen Ehre werde, da sie Ehre verdienen:

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Ein Fest der Arbeit ist es, das wir feiernd beginnen. Möge unser Werk vor dem Urtheil der Welt bestehen. Eine arbeitsfreudige und leistungsfähige Industrie, ein tüchtiger und zuverlässiger Kaufmanns- und Gewerbestand gehören zu den Grundpfeilern eines jeden Staats- und Stadtwesens, das gedeihen soll. Das hat das ruhmreiche Geschlecht der Hohenzollern und, dem erlauchten Beispiel nacheifernd, Berlins Stadt- verwaltung erkannt und der wirthschaftlichen Thätigkeit verständnissvollste Unterstützung angedeihen lassen. Dadurch, dass Preussens Minister für Handel und Gewerbe das Ehren- Präsidium der Ausstellung übernahm und überall fürsorglich fördernd uns zur Seite stand, war dem Werke freier Selbstverwaltung das

Wohlwollen des Staates gesichert die Stadt Berlin hat uns hochherzig den Boden gegeben, darauf wir stehen.

Des Himmels Segen ruht seit Jahrhunderten auf den mit Weisheit begnadeten Fürsten dieses Landes und auf dem ausdauernden Fleisse seiner Bewohner.

Was Berlin geworden und aus welchen Anfängen es hervorgegangen, das zeigt dieses Gelände in der Gegenüberstellung von Jetzt und Einst in lebendigem Bilde. Mit stolzer Genugthuung dürfen wir auf das Erreichte schauen, und vor Ueberhebung schützt uns die Erinnerung an der Vorfahren Verdienst, die in Noth und Drang und karger Zeit zu unserer mächtigen Gegenwart den Grund zu legen verstanden. So wurde des Reiches Mark zum Mark des Reiches, zu seinem Mittelpunkt, Berlin zu des Reiches erster Stadt.

Berlins Vertretung ist den Verpflichtungen, die diese Grösse auferlegt, mit edler Freigebigkeit nach- sckommen. In unserem Werke zeige sich unsere Erkenntlichkeit.

Im Namen der Ausstellung bringe ich dem Ehren-Präsidenten und der hochherzigen Stadt freudigen Sinnes innigsten Dank!«

Jetzt trat der Minister von Berlepsch vor und bat den Kaiser um die Erlaubniss, die Ausstellung

für eröffnet erklären zu dürfen. Der Monarch verneigte sich leicht und Minister von Berlepsch's Worte erklangen laut im Saale: »Im Namen Seiner Majestät des Kaisers erkläre ich die Berliner Gewerbe -Aus- stellung für eröffnet! «

Der Chor stimmte Beethovens erhebende Weise »Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre« an, die Feierlichkeit war zu Ende.

Das Kaiserpaar, von seiner nächsten Umgebung gefolgt, durchwanderte mit dem Fürsten von Bul- garien unter Führung der Herren des Arbeits-Ausschusses die Haupthalle und wandte sich dann dem malc- rischen Kairo zu, dasselbe mit hohem Interesse besichtigend und einer arabischen Fantasia beiwohnend. »Ich werde dem Khedive telegraphiren, wie sehr mir die Copie seines Kairo gefallen hat!« äusserte der Kaiser beim Abschied. Mit gleicher Theilnahme besuchten die hohen Herrschaften die Kolonial- Aus- stellung, von dem Innern der einzelnen Bauten Kenntniss nehmend, dann einem Kriegstanze der Massai

zuschauend und den Bau eines Hauses seitens eines Trupps Kameruner Neger verfolgend. Ueber eine

Stunde verblieb der Kaiser hier und meinte beim Fortgehen: »Zur Kolonial-Ausstellung können sich die Herren gratuliren, sie wird eine Hauptzugkraft werden.« Hieran schloss sich ein kurzer Besuch des Fischerei- gebäudes, des Pavillons der Stadt Berlin, wie des Gebäudes für Chemie, worauf sich das Kaiserpaar, dem

überall stürmische Huldigungen dargebracht worden waren, nach dem Lloydschiff begab, um in dessen

luxuriösen Salons das Frühstück einzunehmen. Mehrfach hier wie schon vorher äusserte der Kaiser seine

grosse Befriedigung über das gelungene Werk und wie sehr er hoffe, dass es der Stadt wie ihren Bürgern

zum Nutzen und Segen gereichen möchte.

Ganz Berlin aber schliesst sich freudig diesem kaiserlichen Wunsche an, ganz Berlin, das in allen

Theilen und Gliedern der Riesenstadt seine innigste Theilnahme an der Eröffnung der Ausstellung gezeigt,

durch welch’ letztere sich die Residenz ein Ehrendenkmal von weittragender Bedeutung gesetzt hat!

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o ist der Anfang, wo ist das Ende? Wie oft mag

diese Frage zweifelnd und besorgt gestellt werden

von vielen Jener, die zum ersten Male das Ausstellungs- Gebiet be- <

treten, deren Blicke bewundernd und forschend zugleich umher-

schweifen und deren Schritte zögernd inne halten, da sie nicht wissen,

wohin sie dieselben zuerst lenken sollen. Ueberall ragen zwischen den dichten Baumgruppen mächtige und stolze Gebäude empor, hier wieder öffnen zahllose zierliche Pavillons ihre Pforten, da säumen Verkaufsstände aller Art die Wege ein, breite Wasserflächen dehnen sich aus und kreuz und quer ziehen sich an ihnen hin und von ihnen aus viele Pfade entlang. So Mancher, der sich im rauschenden Weltstadt-Getümmel sicher und behaglich fühlt, wird hier sich zunächst einer Empfindung des Fremd- und Verlassenseins nicht erwehren können und wird rath- und planlos umherirren, bald diese, bald jene Sehenswürdigkeit besuchend, um ermüdet inne zu halten und vielleicht das Wichtigste nicht gesehen zu haben.

Begleite er uns auf unserem flüchtigen Rundgange durch das gewaltige Ausstellungs-Terrain, es soll nur ein kurzer orientirender Spaziergang sein, um zu erforschen, was alles es hier zu beschauen giebt. Eine eingehende Beschreibung zu unseren vielseitigen, die Ausstellung in jeder Hinsicht erschöpfenden Abbildungen folgt ja später und wird auf das gründlichste diese erste Wanderung, die sich zunächst auf die eigentliche Ausstellung selbst beschränkt und dann an sie anschliessend die Neben-Ausstellungen berühren wird, ergänzen in Wort und Bild.

Der Haupt-Eingang zur Ausstellung erfolgt von der Treptower Chaussee her, welche das grosse Gebiet in zwei Theile zergliedert, einen linken kleineren, der auf der anderen Seite durch die Spree begrenzt wird, und einen rechten grösseren, welcher seinen Abschluss durch die Köpenicker Landstrasse erhält.

Diese Chaussee, für jeden nicht zur Ausstellung gehörenden Verkehr selbstverständlich gesperrt, erleichtert

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sehr das Auffinden der einzelnen Gebäude, da man von ihr aus nach rechts und links jedes Ziel bequem

erreicht, wenn man nicht die Benutzung der kleinen elektrischen Bahn vorzieht, welche in weiten Kreisen das umfangreiche Gebiet durchmisst. Von weitem schon kennzeichnet den Haupt-Eingang markig und freundlich zugleich das nach dem

Entwurf Karl Hoffacker’s, der sich um die bauliche Zusammensetzung der Ausstellung die anerkennens-

werthesten Verdienste erworben, aufgeführte

CENTRAL-VERWALTUNGS- GEBÄUDE, welches die erwähnte Chaussee überspannt. Die Form ist die eines alterthümlichen Portalbaues, der wuchtig ansteigt und oben neben der schlanken, von breitem Ziegeldach unterbrochenen Giebelfläche eine luftige

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Krönung durch zwei achteckige Thürmchen erhält, die keck und flott zum Himmelszelt emporragen. Durch eine laubenartige Vorhalle gelangt man zu dem einladenden Aufgang, von dem der Blick in den malerischen Innenhof fällt, und weiter in die einzelnen Räumlichkeiten, die drei Stockwerke füllen. Die nach der Stadt zu gelegene Front des Gebäudes hat von Max Seliger einen reichen, farbigen künstlerischen Schmuck erhalten, der den Triumph der Industrie darstellt; auch die anderen Seitenflächen sind mit ornamentalen Verzierungen

geschmückt, die aus Wappen, Sprüchen u. s. w. bestehen. In diesem von Hoffacker entworfenen Gebäude

sind die wichtigsten Ausstellungs-Bureaus untergebracht, wie die Platz-Inspection und das Propaganda-Bureau,

die Räume der Architecten und Electrotechniker, der Betriebs-Inspection, der Kassen-Verwaltung, der Ge-

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schäftsstelle u. s. w. Die oberen Stockwerke enthalten den Sitzungssaal des Arbeitsausschusses, die Zimmer der einzelnen Mitglieder desselben und auch mehrere Privatgemächer, welche, falls nöthig, den Ausschuss- Mitgliedern, die oft bis zu später Stunde durch ihre Arbeiten hier festgehalten sind, einen Nacht-Aufenthalt gewähren. In umfassender Weise steht das Gebäude durch den Telegraphen und Fernsprecher mit allen wichtigen Punkten der gesammten Ausstellung in Verbindung, und es kann sich jeden Augenblick hierher und von hier aus eine Fülle von Nachrichten ergiessen.

Von diesem Eintrittsgebäude, an dessen beiden Seiten Kassenschalter angebracht sind, gelangt man, etwa hundert Meter die Chaussee verfolgend und dann nach rechts abbiegend, in kürzester Frist zu dem mächtigen

HAUPT-INDUSTRIEGEBÄUDE,

das, wie schon in der Einleitung erwähnt, eine Grundfläche von 50000 Quadratmetern bedeckt und dem

Architekten Bruno Schmitz seine ebenso gefällige wie zweckmässige Errichtung verdankt. Durchweg aus Eisenconstruction mit Drahtwandbekleidung hergestellt, macht es mit seinen drei stattlichen Kuppeln einen soliden, imposanten Eindruck; der Fussboden besteht aus Cement-Estrich, das Dach aus Holzbelag mit Pappe, das Oberlicht und die seitlichen Fenster werden von Eisengerippen gehalten, während die Wandelhalle und die Kopfbauten aus Holz mit Drahtputz bestehen. Dieser gewaltige Industriepalast setzt sich aus einem

Lang- und Querschiff zusammen, über deren Vierung sich eine mit Aluminium bedeckte Kuppel in 50 m

Höhe erhebt, flankirt von zwei 60 m hohen Thürmen, deren Dächer oleichfalls mit Aluminiumplatten ein- o-

gedeckt sind. Die Vorderfront dehnt sich in einer Breite von über 200 m aus, die seitlichen Längsschnitte

betragen 245 m, die Länge des Mittelgebäudes 220 m.

Vom Haupteingang erstreckt sich in leichtem Halbbogen nach rechts und links die äusserst practische

Wandelhalle, die originelle Kopfbauten mit decorativ besonders reich verzierten Eingangsportalen an beiden Enden aufweist; diese Halle birgt neben Erfrischungsstätten jene Räume, wie Post, Auskunftsbureau, Wechsel- stube, Leschalle u. s. w, die zur Erledigung geschäftlicher Dinge bestimmt sind. Von dieser Wandelhalle gelangt man in die etwas tiefer liegende Mittelhalle, längs der sich je ı3 Seitenhallen von je 45 m Länge und 15 m Breite hinziehen, und an die sich wieder zwei grössere Seitenhallen von je 95 m Länge und 25 m Breite schliessen, von denen man endlich zwei grosse, quadratförmige Umbauten erreicht. Die Construction ist kühn und graziös, im Ganzen wie im Einzelnen von trefflichster Wirkung, über den ver- schiedenen Seitenhallen deuten kunstvolle Friese auf die gewerblichen und industriellen Schätze hin, die allein in diesem einen Gebäude einige tausend Aussteller zur Schau und Prüfung gebracht haben. Ueberall ist für Licht und Luft gesorgt, und an ersterem fehlt es auch Abends nicht, da dann etwa achthundert Bogen- und Glühlampen ihren hellen Schein verbreiten.

Durch einen Vorraum mit hübschem romanischen Brunnen gelangt man in den hochragenden Kuppel-

saal, in welchem die weiter vorn geschilderte Eröffnungsfeier stattgefunden. Der weiss gehaltene Saal zeigt

reichen figürlichen Schmuck in meist moderner Auffassung von August Vogel; in den Nischen sehen wir die Kunst, Wissenschaft, Industrie und Handel durch vier Götter- und entsprechende Nebenfiguren dar-

gestellt, während sich oberhalb derselben von baumartigem Geäst in kerniger dekorativer Umrahmung die

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\Vappen der Gewerke abheben, über welchen der Reichsadler schützend seine Fittige ausbreitet. Je zwei mächtige Relieffiguren, Fleiss und Treue, Friede und Stärke verkörpernd, sieht man zu beiden Seiten dieses Adlers, und hoch von der Kuppelwölbung leuchtet in goldenen Buchstaben der Spruch herab: »Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis.«< Die von einer decorativen Galerie umgebene Wölbung der Kuppel ist lichtblau abgetönt und mit allegorischen Malereien versehen, welche im Verein mit den weissen Bildhauerarbeiten ein erfreulich-lebhaftes Ganzes bilden, in das sich passend die bunten Glasgemälde der Fenster oberhalb der Orgel fügen.

In schneeiger Weisse, nur von den rothen Ziegeldachungen unterbrochen, glänzt auch dieser Haupt-

Palast in seiner Vorderfront, deren Mitte die wuchtige Kuppel krönt, welche gleich den beiden Seiten-

thürmen, mit schimmerndem Aluminium bedeckt ist. Schmucke Gartenanlagen, halbkreisförmig vor dem ge-

waltigen Springbrunnen-Bassin zur Wandelhalle sich erstreckend, breiten sich vor dem Eingange aus, von

dem man einen wundervollen, abwechslungsreichen Blick auf den von Gondeln und Motorbooten belebten, künstlich angelegten See (den bisherigen Hauptspielplatz im Park) geniesst, zu dessen Seiten sich schattige Alleen entlangziehen und an dessen anderem Ende sich das Haupt-Restaurant mit seinem stattlichen Wasser- und Aussichtsthurme erhebt, eingerahmt von prächtigen Parkpartieen, die das von dem Betrachten all’ der

Schätze des Hauptpalastes müde Auge freundlich erquicken.

Denn es giebt viel, sehr viel im Innern des riesigen Gebäudes zu betrachten: gleich links vom

Kuppelsaal die Kostbarkeiten, die der Kaiser als Sportpreise verliehen und hier zur Ausstellung gebracht

hat, rechts die herrlichen Erzeugnisse der Berliner Königlichen Porzellan-Manufactur. Schreiten wir den Mittelweg weiter, so finden wir vor uns ausgebreitet die Reichthümer der in Berlin sehr entwickelten Textil_Industrie mit herrlichen Seidenstoffen und Teppichen, Shawls und Tüchern, denen sich diejenigen der in höchster Blüthe stehenden Bekleidungs-Industrie anschliessen, welche über 500 Aussteller zusammen- getragen haben. Hier öffnet sich den Damen ein modernes Paradies, wie leuchten die Augen, wie glühen die

Wangen beim Betrachten all’ der tausendfachen Mode-Herrlichkeiten, die sich hier in eleganten Schränken

in staunenswerther Abwechslung ausbreiten, in einzelnen Theilen wie in ganzen Costumen, in Stoffen und Stickereien, in zarten Spitzen und wärmenden Pelzen, in Blumen und Federn, Schuhen und Handschuhen, und noch vielen anderen Dingen, welche die Evastöchter für unumgänglich »daseinsnöthig« halten. Eine sehr fesselnde und auch culturhistorisch interessante Unterabtheilung bildet die historische Trachtenausstellung,

welche in zierlichen Modellen uns die Launen der Mode im Laufe dieses Jahrhunderts veranschaulicht, ob

nun jene capricieuse Göttin ihr Scepter in Paris, in London, in Wien oder Berlin schwang.

Setzen wir unsere Wanderung fort, so berühren wir die Gruppe des Dau- und Ingenieurwesens mit ihrer Fülle wichtiger Modelle, denen sich Proben von Baumaterialien sowie Bauinstrumente anschliessen, während uns an anderer Stelle die verschiedenartigsten Pflasterungen veranschaulicht werden, für die Strasse wie für den Bedarf der Häuser. Auch des Kirchenbaues ist gedacht worden und ferner, was das moderne Kunst-Handwerk für Wohnungseinrichtungen leistet, während das Hauptgebäude dieser Gruppe in mittel-

alterlichem Stil Wand- und Springbrunnen, Statuen etc. vereinigt. Eine der sehenswerthesten Gruppen

ist diejenige der Aolz-Iudustrie mit ihren vielen geschmackvollen, bald äusserst luxuriösen, bald ein- facher gehaltenen Wohnungs-Einrichtungen, sowie den hunderterlei dazugehörigen Einzelleistungen, die oft in schöner decorativer Umrahmung vorgeführt werden. Man erreicht diese Gruppe vom Kuppelsaale aus links, aber auch rechts von letzterem ist noch ein kleinerer Theil untergebracht worden, in der Nach- barschaft der Gruppe für Porzellan-, Chamotie- und Glas-Industrie, die trotz ihrer vielen musterhaften Er- zeugnisse doch ihre Krönung durch die schon vorhin erwähnte Ausstellung der Königlichen Porzellan-Manu- factur erhalten hat, welche zu den blendendsten Schaustücken der gesammten Ausstellung gehört. Weiter

berühren wir noch die Gruppe der Aurz- und Galanteriewaaren mit schönen kunstgewerblichen Arbeiten

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auf den Gebieten der Lederwaaren-, der Elfenbein-, der Holz- und Bronce-Industrie wie der Buchbinderei, und die vielumfassende Gruppe der Metall.Industrie, die allein sechs Seitenhallen einnimmt; was aus Gold und Silber, aus Eisen und Stahl, aus Kupfer und Zinn, aus Bronce und Aluminium herzustellen ist, ist hier vertreten, die herrlichsten Schmucksachen und schönheitsvollsten Tafelaufsätze, kunstreich getasste Edelsteine von sprühendem Feuer und blitzende Ordenssterne, dann wieder zahllose kunstgewerbliche und Gebrauchs- gegenstände aus den verschiedensten Metallen, mächtige Gruppen aus Bronce, von denen sich der Kunst- freund kaum zu trennen vermag, und schmiedeeiserne Thüren aber man darf gar nicht erst in's Auf- zählen gerathen, man findet sonst leicht hier kein Ende. Erwähnen wollen wir nur noch der vielen Be- leuchtungsgegenstände, die in ebenso practischer wie decorativ wirksamer Art auf all’ die neueren Beleuch- tungsmethoden Rücksicht nehmen und die ihre Ergänzung in den sinnreichen Anlagen zur Zuführung des

Gases und elektrischen Stromes finden.

Wie würdig der Berliner Buch- und Kunsthandel zu repräsentiren versteht, zeigt uns die Gruppe der graphischen und decorativen Künste und des Buchgewerbes mit seinen kostbaren Schaustücken auf dem Gebiete der Gravirungen und Ciselirungen, mit seinen Bücherschätzen, seinen musterhaften Arbeiten der Holzschneidekunst, des Farbendrucks aus unseren ersten Buchdruckereien, welche erfolgreich mit den viel- gerühmten Leipzigs den Wettkampf aufgenommen haben. Stark beschickt wurden sodann die Gruppen der Musik-Instrumente, der Leder- und Kautschuk-Industrie, letztere mit stattlichen Gefährten aller Art, und der Papier-Industrie, deren einzelne Zweige uns in ihrer Herstellung auch practisch gezeigt werden. Dass Berlin seinen Ruf, die erste Industriestadt der Welt zu sein, mit Recht verdient, geht aus der von fast dreihundert Ausstellern beschickten Gruppe für Maschinenbau, Schiffsbau und Transportwesen hervor, welche auch die an das Hauptgebäude angeschlossene Maschinenhalle nebst zwei benachbarten halboffenen Hallen und einen grösseren, im Freien gelegenen Raum beschlagnahmt hat Alles, was zum Maschinenbau gehört, ist hier vertreten, von den unscheinbarsten Schrauben an bis zum pustenden Dampfkoloss, der viele hundert Pferdekräfte in seinem gigantischen Innern birgt, von der schmalen Eisenbahnschiene bis zur ge- waltigen Locomotive, von dem elektrisch betriebenen Pfluge bis zum kraftverkörpernden Wasserhebewerk, vom

Putzlappen bis zur Pulsometer-Anlage zum Betriebe der grossen Fontaine vor dem Hauptpalaste. Und das

dröhnt und stöhnt und braust und rauscht und tobt und wogt und surrt und schnurrt am uns herum, dass man sein eigenes Wort nicht verstehen kann, denn eine grosse Zahl der Maschinen befindet sich in emsiger Thätigkeit, und es heisst oft Achtung geben, um nicht mit einem der eisernen Ungethüme in unliebsame Berührung zu kommen. Nehmen wir nun noch Kenntniss von der Gruppe der Elektrotechnik mit den

staunenswerthen neuesten Errungenschaften dieser modernsten der Wissenschaften, so ist unser Spaziergang

durch dieses Hauptgebäude zu Ende und wir haben uns die Ruhe unter den Bogen der Wandelhalle bei

irgend einer Erfrischung wohl verdient.

Wie hübsch sitzt es sich hier draussen mit dem Blick aut den Park und seinen See! Melodisch plätschert der Springbrunnen, heitere Concertweisen erschallen ‘und frohgemuthes Leben umgiebt uns in stets abwechselnder Fülle. Wie das an uns vorüberwogt und -treibt, immer neue Gestalten erscheinen, fremde Sprachen klingen an unser Ohr, und eines stolzen Gefühls kann man sich nicht erwehren, dass, wenigstens für diesen Sommer, Berlin den Mittelpunkt der cultivirten Welt bildet und sein Lob überall er- schallt, jenseits der eisstarrenden Gebirge und jenseits des brandenden Weltmeeres, das Lob der einst so verachteten nnd verhöhnten kleinen Königsresidenz an der Spree!

Doch nicht zu lange dürfen wir unsere Rast ausdehnen, es giebt ja noch so Vieles zu sehen und

zu besuchen. Also neugestärkt nun wieder vorwärts und zwar biegen wir von der Wandelhalle rechts

hinüber, eine kurze Strecke den Wandelgang durchmessend, der, wie sein Seitenstüick auf der rechten Seite, bei regnerischem Wetter gute Dienste thut. Kurz rechter Hand liegt das

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GEBÄUDE FÜR GESUNDHEITSPFLEGE UND WOHLFAHRTSEINRICHTUNGEN, ERZIEHUNG UND UNTERRICHT,

nach Hoffacker’s Entwurf errichtet und auf einem Raum von 3400 Quadratmetern eine breite Haupthalle

und zwei grosse Querschiffe umfassend; das Gebäude wird in seiner Mitte von der electrischen Aus-

Kairo: &ukkarijeh-Ötrasse.

stellungsbahn durchschnitten und stellen oberhalb der letzteren breite Emporen die Verbindung her. Die Vorderfront ist in nordischem Holz- stil gehalten und endet in einem hübschen Giebelbau, welcher von zwei Ihürmen flankirt ist, die durch eine zierliche Galerie miteinander ver- bunden sind. Die über dem drei- theiligen Hauptportal befindlichen grossen Rundfenster lassen das Licht durch alterthümliche Malereien in das Innere fallen, das theilweise hübsche ornamentale Wandmalereien erhalten hat. Schon vor dem Eintritt in die Halle erläutern uns ihren theil- weisen Zweck die auf dem Vorplatze ausgestellten Zelte und Baracken der Charite zur Aufnahme Kranker und Verwundeter; im Innern sind die IVohlfahrts - Einrichtungen, unter ihnen die Special-Ausstellungen des Reichs-Versicherungsamtes und der Berufsgenossenschaften mit ihren Vor- richtungen zur Verhütung von Un- fällen und zur Errettung aus Le- bensgefahr, sowie des Reichsgesund- heitsamtes, in der zweiten Quer- halle untergebracht, ebenso die Aus- stellung zahlreicher Wohlthätigkeits- Vereine und der Feuerwehr; die vorderen Räume enthalten die Aus- stellungen der Lehranstalten, der ersten wissenschaftlichen wie der für die breiten Volksklassen berechneten,

auch Normalschulklassen, ein Zeichen-

saal und Schulbäder sind nicht vergessen worden. Von grossem Interesse sind die Ausstellungen der Schüler

des Kunstgewerbe-Museums und der Kunstschule mit trefflichen kunstgewerblichen Arbeiten, darunter das

wohnliche Ministerzimmer, sowie des Vereins für Handfertigkeits-Unterricht, dessen practische Ziele in den

Berliner Schulen aufmerksame Berücksichtigung finden.

54

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Von diesem Gebäude setzen wir unsern Weg am .Karpfenteich entlang, von dessen Ufer wir viele Ausblicke auf die Hütten der Negerdörfer der Kolonial-Ausstellung und des nebenan sich alterthümlich aufbauenden früheren Berlin geniessen, fort, an der malerischen Spreewaldschänke vorbei nach dem Haupt- Restaurant, das sich, nach den Plänen von Bruno Schmitz errichtet, am Neuen See gegenüber dem Haupt- gebäude erhebt; halbrunde Hallen schliessen den beinahe achtzig Meter emporstrebenden kräftigen Thurm ein, dessen höchster Theil nicht nur als

= . . | Aussichtsstätte dient, sondern der auch | |

practischen Zwecken gewidmet ist und

| zwar den Wasserkünsten der zu seinen

Füssen liegenden Fontänen.

Hinter dem Restaurant und zwar seitlich des Theaters Alt-Berlin ist nach den Plänen des Baumeisters Fritsche vom Verein für Feuer-

bestattung ein KREMATORIUM

erbaut worden, das von ernsten Baum- gruppen umgeben ist. In dem Vor- raum, in welchen man zunächst durch das schön ausgestaltete Portal ge- langt, deuten in Nischen aufgestellte Urnen die Ruhestätte an. Stimmungs- vollen Eindruck macht die Haupthalle mit ihrem eigenartigen künstlerischen Schmuck; vor dem Altar steht auf der in den unterirdischen Raum füh- renden Einsenkung ein Sarg, der nur zur Hälfte sichtbar ist, da sein all-

mäliges Verschwinden angedeutet wer-

den soll. Nahe diesem Krematorium hat das

RIESEN-FERNROHR

seinen Platz erhalten, welches von dem Astronomen F. S. Archenhold aus-

gestellt wurde und seinen Namen

durchaus verdient, denn es übertrifft

in Bezug auf die Brennweite alle Fern-

rohre der Welt. Das Fernrohr ragt

Kairo: Moschee Kait-Bey.

nicht, wie man es gewohnt ist, aus einem Kuppelraum hervor, sondern hat nur eine metallische Schutzhülse erhalten, die sich mit ihm bewegt. Das Fernrohr ruht auf einer sogenannten Polarachse, welche die Richtung der Weltachse hat und sich durch ein Uhrwerk im Laufe von vierundzwanzig Stunden um ihre eigene Mittellinie dreht; ist nun das Fernrohr auf diesen oder jenen Himmelskörper gestellt, so folgt es genau dem Laufe desselben, kann selbst- 5* 35

verständlich aber auch durch eine leichte Handbewegung jede andere beliebige Richtung erhalten. An dem Fernrohr selbst finden erläuternde Vorträge und Demonstrationen statt, in einem Saale des Gebäudes werden den Besuchern die durch das Fernrohr aufgenommenen Bilder der einzelnen Himmelskörper veranschaulicht.

Nicht weit brauchen wir zu gehen und wir haben den Platz der fo}

MARINE-SCHAUSPIELE

erreicht, welche auf einer Wasserfläche von etwa 10,000 qm stattfinden und zwar seitens eines Dutzend ca. vier Meter langer Fahrzeuge, welche auf das Getreueste den neuesten Schiffen unserer Kriegsmarine nachgebildet sind. Zur Bedienung jedes derselben genügt ein Mann, sie werden durch Electricität bewegt, besitzen electrische Scheinwerfer, lassen Raketen- und Leuchtkugelsignale steigen, verständigen sich gegen- seitig durch Flaggenhissung und können ein weniger mörderisches wie dröhnendes Feuer eröffnen, da einzelne dieser Miniatur-Panzer vierhundert Schüsse hintereinander abzugeben vermögen. Die Wasserfläche wird auf der einen Seite durch die Nachbildung eines Küstenforts und einer Hafenanlage abgeschlossen,

auf der anderen erheben sich die terrassenförmigen Tribünen, die sich an eine halb coulissenartige Nach-

ahmung der »Hohenzollern« anlehnen, deren weissleuchtender, hundert Meter langer Rumpf mit den beiden

gewaltigen helibraunen Schornsteinen schon weithin sichtbar ist. Das Innere dieser Nachahmung dient Restaurationszwecken und zerfällt in einen grossen, im Barockstil prächtig gehaltenen Speisesaal, von dem aus man direkt auf das mit Takelage, Sonnensegel und Rettungsbooten versehene Deck gelangen kann,

und in einen nicht minder formvollendet ausgestatteten Restaurationssaal, der an Luxus freilich durch den

Kaiser-Salon, welcher für einen eventuellen Besuch des Monarchen bestimmt ist, noch bedeutend über-

troffen wird.

sse Gebiet des

Sehr schön und stattlich wirkt das den Marine-Schauspielen benachbarte gr

GARTENBAUES,

welches neben mehreren sorgsam gepflegten Baumschulanlagen eine umfangreiche Zucht von Garten- und Zimmerblumen aufweist, unter der die Rosen sich besonders liebevoller Aufmerksamkeit erfreuen. Die Ausstellungshalle birgt neben zu Decorations- und Geschenkzwecken verwendeten Blumen Obst aller Sorten, dann Gartenbaugeräthe und wissenschaftliche Pflanzensammlungen, die theils von Krankheiten ergriffene Pflanzen zeigen, theils Seltenheiten vereinen. Zwei halboffene Hallen bieten den Topfpflanzen Unterkunft und an sie schliessen sich verschiedene Gewächs- und Treibhäuser an, nach den practisch bewährtesten Erfahrungen eingerichtet.

Statten wir noch dem vom Baumeister E. Schmid monumental entworfenen Pavzllon des » Berliner

Lokal-Anzeigers«, in welchem sich das Publikum von allen Geheimnissen der »schwarzen Kunst« durch den

Augenschein aus nächster Nähe überzeugen kann und in dem interessanten, nach Pariser Muster einge-

richteten Depeschensaal reiche Unterhaltung findet, einen Besuch ab, so sind wir mit unserer Wanderung

durch diese grössere Hälfte des Ausstellungs-Gebietes fertig und können uns nun der linken Seite zuwenden.

Hier stossen wir, kaum ist die Treptower Chaussee überschritten, sofort auf das

CHEMIE-GEBÄUDE, welches auch die Gruppen für Optik und Mechanik beherbergt. Vom Architecten H. Grisebach entworfen, zeigt die 150 Meter lange Halle einen im Basilikastile gehaltenen kuppelgekrönten Ausbau, welcher mit seinen

beiden, flott aufgesetzten, oben mit Galerien versehenen Thürmen jedoch nichts Schwerfälliges an sich hat.

An diesem Ausbau, der zwei kräftig hervortretende Seitenflügel besitzt und an den sich als Fortsetzung

eine langgestreckte Halle schliesst, zieht sich ein künstlerisch fein durchdachter und sorgsam ausgeführter

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Fries entlang, der uns inmitten einer Guirlande von Pflanzen und Blättern frohsinnige Amoretten zeigt, die auch in den in ihren unteren Theilen buntbemalten Fenstern wiederkehren. Das Innere ist absichtlich möglichst schmucklos gehalten, es birgt.an seinem westlichen Ende ein Amphitheater, welches als Hör- saal für volksthümliche Vorträge dient; behaglicher wirkt der Eintrittsraum, dessen Wände mit feinstilisirten Blattmustern in grüner Abtönung bedeckt sind. Berlin’s chemische Industrie zeigt sich hier auf der Höhe ihrer Entwicklung und Leistungsfähigkeit;

die grossen Fabriken sind umfassend vertreten und werden uns theilweise im Betrieb vorgeführt, so die

Puder- und Schminken-, die Seifen- und Lichtfabrikation. Ueberreich finden wir chemische Producte, ferner

Mineralwasser, Farbwaaren, Parfumerien und Seifen; auch an zur chemischen Fabrikation nöthigen Apparaten

und Geräthschaften ist kein Mangel. In besonderen Abtheilungen sind die beiden Gruppen: wissenschaft- liche Instrumente und Photographie untergebracht, die erstere zahlreiche chirurgische und optische Instru- mente und solche wiederum für Mechanik und Optik, für Laboratorien und gewerbliche Zwecke, die letztere neben den Sonder- und Collectiv-Ausstellungen unserer ersten Photographen auch die neuen Schnellseher und den photographischen Lichtdruck enthaltend.

Nahe diesem Chemie-Gebäude erhebt sich das enorme

KAISERSCHIEF »BREMEI

des Norddeutschen Lloyd, mit seinem gewaltigen Vordertheil 50 Meter in die Sprec reichend, während sein Steuertheil in einem Schleusenthor endet, die Vorstellung erweckend, als ob das Riesenschiff gerade seinen Auslauf halten wolle. Es ist eine bis in’s Kleinste gehende Nachbildung der mächtigen, nach fernen Erd- theilen gehenden Lloyddampfer, nicht nur in seinem weissschimmernden Aeussern, sondern auch in seinem Innern; einen Theil des Letzteren nimmt ein viel umfassendes maritimes Museum ein, für welches auch unsere Reichsregierung ihr Interesse bekundet hat. Neben den Kajüten I. und II. Klasse enthält das Schiff luxuriös eingerichtete Salons für das Kaiserpaar, in welchen auch am Eröffnungstage der Ausstellung das Frühstück servirt wurde.

Von ungemein malerischem Reiz ist das in einiger Entfernung weiter stromaufwärts belegene

ALPEN-PANORAMA,

dessen Silhouette den Tiroler Alpen mit feiner Empfindung nachgebildet ist. Durch eine imposante Felsen- schlucht geht die entzückende Bergfahrt das umtere Zillerthal hinauf bis hinter Mayrhofen; von dort erreicht man durch einen breiten Stollen die Warte auf dem Ochsner mit dem Rundblick auf den Schwarzensteiner Grund und der Aussicht auf die Berliner Hütte. Einladend und friedlich liegt sie da, und fröhlich wallen zu ihr Menschen hinan, die vor den prächtigen eisbedeckten Bergriesen dieses Panoramas wie Ameisen umherwimmeln. Die landschaftlichen Darstellungen sind ein Meisterwerk des Maiers Rummelspacher, dessen Idee von dem deutsch-österreichischen Alpenverein, dem Besitzer der »Berliner Hütte« angeregt und gefördert wurde. Das reizende Tyroler Schloss, in dem man das Panorama untergebracht hat, ist nach einem stimmungsvollen Entwurf von Architekt Hochgürtel ausgeführt worden.

Zwischen diesem Alpen-Panorama und dem Raiserschiff liegt, seine Hauptansicht der Spree zukehrend, das I SE ji I

FISCHEREI-GEBAUDE, welches auch den Gruppen für Nahrungs- und Genussmittel, sowie für Sport einen Unterschlupf gewährt und das räumlich zu den umfangreichsten der Ausstellung gehört. Von K. Hoffacker im nordischen Stil errichtet, dehnt sich seine Hauptfront äusserst gefällig in zierlicher Holzconstruction aus, eine etwas niedrigere Halle verbindet die grösseren Seitenflügel, deren spitzförmige grüne Dächer einen phantastischen Drachen-

schmuck aufweisen. Die Mitte des Gebäudes, das in seinem Querschiff 54 und in seinem Langschiff

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Bilder aus der

Nach Originalzeichnungen | Ausst

Hau)

Heiliges H:

Versammlungshaus. Neu-Guinea, Neu-Guinea-Hütten.

Kolonialausstellung. |n Maler Rudolf Hellgrewe.

:llungshalle. Wissenschaftliche Halle. dteingang. Kolonialhalle. us. Neu-Guinea,

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| | 85 Meter misst, nimmt ein grosses Bassin ein, das der Süsswasserfischerei eingeräumt ist und durch zwei Kanäle eine direkte Verbindung mit der Spree erhält. Die innern, farbig decorirten Räumlichkeiten zeigen eine grosse Anzahl von oben beleuchteter Aquarien, ferner ein Bruthaus mit Brutapparaten der deutschen Fischzuchtanstalten, sodann Modelle aller nur denkbaren Apparate des Fischfanges und endlich noch eine wissenschaftliche Abtheilung, der sich eine auf den Angelsport bezichende umfangreiche Sammlung an- schliesst. Diese Fischerei Ausstellung, zu der auch verschiedene auf der Spree ankernde Fahrzeuge ge- { hören, umfasst ganz Deutschland und dürfte nicht nur für Berlin von nachhaltiger Bedeutung sein.

Einen »geschmackvollen«e Eindruck gewährt die Gruppe der Nahrungs- und Genussmittel mit ihren vielen Süssigkeiten, den Bäckerei- und Conditorei-Producten, denen sich die Mühlenfabrikate anschliessen, nicht minder zahlreich tritt die Fabrikation von flüssigen »Magenstärkern« aller Art auf den Plan, mit hundertfachen Liqueuren, Frucht- und Schaumweinen, von deren Güte man sich in einem nahen Pavillon überzeugen kann; auch die Bierbrauerei- und Tabakfabrikation ist rühmlich vertreten.

Die Sport-Abtheilung erreichen wir am besten von der der Spree abgekcehrten Seite des Gebäudes; vor diesem Portal ist Eberlein’s lebensgrosses Reiterstandbild Kaiser Wilhelms II. aufgestellt worden. Einer der inneren Pavillons wurde dem Union-Klub, der andere dem Verein für Hinderniss-Rennen eingeräumt,

und zwar finden wir im ersteren all’ die kostbaren Ehrenpreise vereint, welche sich die Mitglieder des

Klubs auf dem „Grünen Rasen“ errangen. Im Mittelschiff des Gebäudes erblicken wir die Ausstellung des

Kaisers, sein für die Hubertusjagd im Grunewald aufgezäumtes Jagdpferd und einen von ihm benutzten Dogcart, ferner die von ihm gelegentlich der Yacht-Regatten errungenen Ehrenpreise. Reich bedacht ist | der Velocipedsport; der Renn- und Jagdsport werden uns dagegen mehr in einer Reihe interessanter Gemälde | (von Prof. Max Koch) vorgeführt.

Von diesem Gebäude wenden wir unsere Schritte zum

BAWILILON DER STADT BERLIN,

einem langgestreckten, von Baumgruppen umgebenen Gebäude, das durch seine bunte Holzarchitektur und

den sein braunes Dach krönenden Kuppel-Thurm sofort die Blicke auf sich lenkt und das nach den

Entwürfen des Geh. Bauraths Blankenstein aufgeführt wurde. Treten wir ein, so begrüsst uns in dem für || repräsentative Zwecke bestimmten mittleren Kuppelraum die hoheitsvolle Gestalt der Hundrieser'schen Berolina; in den übrigen Räumen sind die Ausstellungen der Berliner gewerblichen Anstalten, wie unter anderm der Handwerker- und Fortbildungsschulen, untergebracht und ferner sind dort in Sondergruppen Kanalisation, Wasserleitung und Gasbeleuchtung Berlins in umfassender Weise durch die neuesten praktischen Einrichtungen verkörpert. In unmittelbarer Nähe des Pavillons ist ein Filter gebaut, der uns zeigt, wie

das Wasser in den städtischen Wasserwerken gefiltert wird, und weiter ein Rieselfeld angelegt, um zu

vergegenwärtigen, wie diese viel umstrittene und viel vertheidigte Einrichtung praktisch durchgeführt wird.

| Nun schnell noch als letztes das benachbarte

GAS-INDUSTRIE-GEBÄUDE | besichtigt, dessen weisse Aussenfront einfach, aber trotzdem wirksam gehalten ist. Sein Inneres veran- schaulicht uns den Kampf der Gas-Industrie gegen das elektrische Licht, das, wovon man sich hier über- u zeugen kann, doch noch nicht auf allen Linien gesiegt und mit einem stets durch neue erfindungsreiche Hülfstruppen verstärkten energischen Feind zu rechnen hat.

So, und nun wäre unsere Wanderung, die, wie wir nochmals wiederholen, nur den Zweck der

Orientirung hatte, zu Ende, und wir haben uns redlich den frischen Trunk verdient, den wir uns ganz

nach freiester Wahl hier im »nassen Viereck«, wo an Bierquellen kein Mangel ist, aussuchen können, auf

einer der hübschen Terrassen sitzend, mit dem Blick auf das herrliche Alpen-Panorama, das uns weit

fortentrückt vom »grünen Strand der Spree«, die ganz nah vorüberfliesst. Aber das ist nicht die einzige Illusion, die uns hier in dieser Ausstellung zu Theil wird. Folgt uns, und bald soll euch der farbenglühende Zauber des Orients umgeben, dann sollt ihr auf geschichtlich-wichtiger Stätte stehen, inmitten der steinernen Erinnerungen des alten Berlin, und schliesslich wird euch das deutsche Kolonialreich in seinen Bann nehmen und ihr sollt ungestraft sogar unter Palmen wandeln und nun frisch auf zum ersten, gleichfalls nur zur

flüchtigen Kenntniss bestimmten Besuche der Special-Ausstellungen, er wird euch wahrlich nicht gereuen!

KNTRO:

Eine Wunderstadt ist es, die entstanden ist auf dem prosaischen Sandboden der Mark Brandenburg, wie ein Traum muthet sie uns an, ein Traum, aus dem Morgenlande geträumt: schlanke Minarets ragen zum Himmel empor, in bunten Farben geadert ist ihr Mauerwerk, von zierlichen Galerieen sind sie um- geben und von der höchsten derselben herab ruft mit eintönig-klagender Stimme der Muezzim die Gläubigen zum Gebet; dort breiten Palmen ihre schlanken Blätter über den Zelten und Erdhütten eines Fellachendorfes aus, deren männliche Bewohner in süssem Nichtsthun umherliegen, während die Frauen in rundbäuchigen Thonkrügen das Wasser vom nahen Teiche, an welchem Büffel lagern, holen und auf dem zwischen einigen Ziegelsteinen schwälenden Feuer die kärgliche Mahlzeit bereiten; nicht weit davon, an den Stufen eines 5)

kuppelgekrönten Tempels, hockt ein Märchenerzähler, Jung und Alt Beduinen, über den weissen Burnus

die langschaftige Flinte gehängt, Derwische in zerrissenen Gewandungen, Eseltreiber, die ihr Grauthier am

Zaume halten, vermummte Weiber und halbentblösste Kinder hören in dichtem Kreise ihm zu; jetzt aber stiebt die Schaar auseinander, ein Zug von Kameelen kommt angetrottet, auf ihren Rücken sind hin- und herschwankende kleine, teppichverhüllte Zelte angebracht, hinter deren vom Winde leichtgelüfteten schweren Stoffen dunkle Frauenaugen neugierig hervorschauen, vornehme Damen, aus dem Harem eines der Grossen, mögen es sein, denn phantastisch aufgeputzte Reiter auf kostbar aufgezäumten Araber- schimmeln begleiten die Cavalcade, die in einem der engen Bazargässchen verschwindet, deren Strassen- gewirr von lärmendem Leben und Treiben erfüllt ist: alles, was der Orient nur bietet, wird hier feil- geboten und oft schreiend angepriesen Früchte und Süssigkeiten, Stoffe und Teppiche, Waffen und Münzen, Cigaretten und Nargilehs, Blumen und Schmucksachen, und auch die »antika«, »antika«, die Alter- thümer, liegen in verdächtiger Menge ausgebreitet.

Aber geben wir uns nicht kritischen Untersuchungen darob hin, das Pharaonenland ist ja überreich

von in der Erde ruhenden Schätzen einer uralten Vergangenheit ernst und schweigsam und doch so beredt für den, der die Sprache der steinernen Erinnerungszeichen einer grossen Zeit versteht, ragt dort die Cheops-Pyramide empor und nicht weit von ihr erblicken wir die altersgrauen Gemäuer des Horus- Tempels mit ihren vielkündenden Bilderinschriften und den beiden Riesengestalten der Könige Horemhebi und Ramses II. vor dem Eingange, durch den wir in den säulengetragenen Tempelhof gelangen, der von wundervoller Wirkung ist und all unsere Sinne gefangen nimmt. Leicht versinkt man hier in Träumereien und wird umsponnen von den halb sagenhaften Gebilden einer Jahrtausende hinter uns liegenden Zeit, als auf goldenem Streitwagen König Thutmesu, der Allbezwinger, hier erschien und ihm demüthig die Priester nahten, um ihn in das Innere des Heiligthums zu geleiten, woselbst der Herrscher für seine neuen Siege dem Gotte sein Dankopfer darbringen wollte. Hier im Vorhofe warten seiner die Edelsten seines gewaltigen Reiches in dichtgedrängter Menge, und immer neue noch nahen von aussen, dort, um eine Kopfeslänge alle überragend, der Befehlshaber der königlichen Leibwache. Nubier schreiten vor ihm her und bahnen ihm den Weg, noch mehr müssen wir zu den Säulenhallen hin weichen und: »Ick bitte Ihnen, schuppsen Se doch nich so!« klingt es melodisch im schönsten Spree-Athenisch an unser Ohr.

Vorbei der Traum, ja, richtig, wir weilen ja nicht im Pharaonenlande selbst, wir sind ja in Berlin! &

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Freilich, die Täuschung ist vollkommen denn was in diesem Kairo in »echter« Nachahmung geleistet wurde, grenzt an das Wunderbare. Nicht nur wurden zahllose alte Bestandtheile einzelner Häuser aus Aegypten hierhergebracht und beim Aufbau verwendet, sondern es wurde daneben auch Rücksicht ge- nommen, den grossen Zeugen der Pharaonenzeit den Stempel der Wahrheit aufzudrücken, und das ist derart gelungen, dass kaum eine genaue Untersuchung die Nachbildung ergiebt und dass man immer von neuem zweifeln wird, ob nicht über diese Tempelruinen doch schon Jahrtausende hingegangen.

Dass dieses Unternehmen so glänzend und erfolgreich ausgefallen, verdanken wir wohl in erster Linie Herrn Baumeister Wohlgemuth, der einen mehrfachen Aufenthalt in Aegypten benutzte, um dort an Ort und Stelle die eingehendsten Studien für die Verwirklichung seines gross-angelegten Planes zu machen; später, als sein Vorhaben Leben gewann, wurde er fördersam von Herrn Maler Lehmann und Herrn Möller unterstützt, von ersterem als Künstler, von letzterem als Führer der fremdartigen, mehr wie fünfhundert Köpfe zählenden Karawanen, die mit ihrer vierfüssigen Begleitung so viel zur Belebung des malerischen Hintergrundes beitragen. Auch hier wuchs der Plan mehr und mehr aus sich heraus, immer grössere Gestaltung annehmend, und heute bedeckt diese Ausstellung Kairo ein Flächengebiet von fast 60000 Quadratmetern und übertrifft sowohl darin wie an Schönheit alle ähnlichen Veranstaltungen, die bisher nur das Ausland, Paris, London und Chicago, geboten.

Doch schauen wir uns nun ein wenig um, und zwar nehmen wir am besten unseren Eintritt von der Köpenicker Landstrasse, während der zweite Zugang von dem Ausstellungs-Bahnhofe der Stadt- und

Ringbahn erfolgt. Wir betreten Kairo durch das Siegesthor, dessen reichverzierte beide Rundthürme uns

schon von fern begrüsst haben; nach rechts hin liegt der altägyptische Theil, während sich nach vorn und links die moderne Stadt ausbreitet. Wenden wir uns zunächst Alt-Aegypten zu, wobei wir bemerken, dass die hier aufgeführten steinernen Denkmäler nicht nur der näheren Umgebung Kairo’s, sondern ganz Aegypten entnommen sind, um ein anschauliches Bild der Hauptmerkmale des einstigen Pharaonenreiches zu geben. Und vor einem seiner bedeutendsten und erinnerungsvollsten stehen wir sogleich, vor dem oben schon erwähnten Horustempel von Edfu, dessen Bilderschrift von seinen schrägen Pylonen uns von den Thaten

früherer Könige erzählt, und der ungefähr der Zeit 2000 v. Chr. entstammen wird. Vierundzwanzig

gewaltige Säulen tragen im Lichthofe die dreitheilige Galerie, deren Wände gleichfalls mit hieroglyphischen Inschriften bedeckt sind, welche den späteren Entzifferern wichtigstes Malerial zur Geschichte des Landes oten. Das Innere des Tempels enthält mancherlei sehenswerthe Sammlungen, von denen eine Sammlung

von Waffen und Geräthen aus dem Staatsschatze in Kairo, unter ihnen das an seinem Griff mit zahllosen

Brillanten besetzte Prunkschwert Mohammed Ali’s, und interessante kunstgewerbliche Arbeiten aus der

Khedivischen Kunst- und Handwerkerschule besonders fesselnd sind. Eine kleine Ausstellung von Orient- gemälden der verschiedensten Künstler und eine Reihe von Antiquitäten schliessen sich an.

Ein benachbarter zweiter Tempel, in einen Felsen eingebaut, zieht beim Weiterschreiten unsere Blicke auf sich. Klein und zierlich nur ist das Portal, aber, wenn wir dasselbe und die beiden Nischen des Vorraumes mit den massigen Figuren Königs Sethos I. passirt, überrascht uns eine prächtige Säulenhalle und noch überraschender wirkt die hier auf modernste Weise ausgeübte Kunst Gutenberg’s, denn hier wird das »Kleine Journal von Kairo« hergestellt, das in hübschem Gewande und origineller Fassung alle Neuig- keiten der Welt täglich hier wiedergiebt. An einem von einem Palmenhaine überragten Beduinenlager, das durch ein Panorama der Nillandschaft einen originellen Abschluss erhalten, und an altägyptischen Felsen- gräbern vorüber, in denen die mumificirten Leichname einstiger Unterthanen irgend eines Ramses oder ihrer Thronnachfolger ruhen, erreichen wir die monumentale Cheops-Pyramide, die sich auf einer Grundfläche von mehr wie 50 Metern zu einer Höhe von 30 Metern erhebt und in ihrer plastischen Kraft mächtig heraustritt vor ihren Nachbarn, den Pyramiden des Chafra und des Menkaura, die uns nur im Bilde begrüssen.

Ein Aufzug bringt uns auf die Plattform, von der wir einen entzückenden Rundblick auf die Märchenstadt

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unter uns und die gesammte Ausstellung geniessen; dann wieder im Nu zur Erde hinab und nun noch schnell die Königs-Grabkammer im Innern der Pyramide besichtigt, um uns dem modernen Kairo zuzuwenden, das ein glänzendes Gegenstück zu dem armseligen Fellachendorfe hier am Fusse des Steinriesen gewährt.

Hinein also in die Khalifenstadt, die uns mit ihrem bunten Getriebe vom ersten Moment an so seltsam und doch so anheimelnd berührt. Man weiss nicht, wohin man zunächst die Augen richten soll, an eigenartigen bunten, an verwitterten Gebäuden mit ihren zierlichen Holzvergitterungen der Fenster und Erker, mit ihren von Sonnensegeln überspannten flachen Dächern und lufiigen Altanen mit den engen Höfen und kleinen Verkaufsgewölben vorbei gelangen wir zu stolzen Moscheeen mit mächtigen Kuppeln und schlanken Minarets, zu rauschenden Brunnen mit zartem, an sorgsamste Schnitzarbeit gemahnenden steinernen Gittern, zu breiten, von Palmengruppen unterbrochenen Plätzen mit arabischen Cafes und euro- päischen Bierstuben, zu Bazaren mit lockenden Waaren aller Art, zu halb verfallenen Palästen und alter- thümlichen Thoren, zur einladenden Terrasse vor Shepheard’s elegantem Flötel und endlich zum grossen Khedivialplatze, von dessen Tribüne her die sechzig Mann starke Kapelle des Khedive, dessen Colossal-Büste auf diesem Platze derjenigen des deutschen Kaisers gegenübersteht, ihre rauschenden Weisen erschallen lisst. Und nochmals durchqueren wir nun die Stadt, deren eingehende Schilderung ja später folgt, und suchen die riesige Arena auf mit ihren mehreren tausend Personen Platz gewährenden Tribünen, von denen

aus man eine Fülle packender, abwechslungsreicher, von originellstem Reiz durchwehter Scenen, von der

»echten braunen und schwarzen Bevölkerung Rairo’s« dargestellt, beobachten kann, deren malerischer Ein- druck noch lange in der Erinnerung haftet. »Wer die Stadt Kairo nicht gesehen«, so erzählt Prinzessin Scheherasade in einem der Märchen der Tausend und eine Nacht, und wir können das Wort der holden morgenländischen Prinzessin ummodeln in: »Wer die Stadt Kairo nicht gesehen hat, hat nur einen Theil

der Berliner Ausstellung geschen«.

SEI BERLIN

Im Zeichen des stolzen Kaiseradlers steht unsere Berliner Ausste lung, die zeigt, was die Millionen-

stadt auf industriellem und gewerblichem Gebiet während der letzten Jahrzehnte geleistet hat, und wer die weiten

Ausstellungssäle durchwandert, die uns in vielumfassender Weise vor Augen führen, was Menschenkunst und Menschenkraft vollbrachten, was deutscher Fleiss und deutsche That schufen, der wird, wenn er seine Schritte zum parkumgebenen Karpfenteiche lenkt und seine Blicke über den See hinschweifen lässt, sie mit besonderem Interesse auf den zinnengekrönten Mauern, den schwerfälligen Wachtthürmen, den spitzigen Giebelhäusern ruhen lassen, die sich rothleuchtend jenseits der Wasserfläche aufbauen. »Alt-Berlin«, nach

Karl Hoffacker’s Plänen entstanden, nennt sich dieser separate Theil unserer Ausstellung, der uns ein

Stück des alten Berlin veranschaulicht, des Berlin vor 250 Jahren, der Residenz von kaum 7000 Ein- wohnern, in welcher der Grosse Kurfürst, der damals allerdings noch nicht seinen hoheitsvollen Beinamen führte, Haus und Hof hielt. Gab’s denn überhaupt ein altes Berlin? Verwundert und erstaunt wird mancher Fremde so fragen, der nur das neue, das moderne Berlin kennen gelernt hat, das so glänzend, so sauber ausschaut, als ob es erst im Laufe dieses Jahrhunderts entstanden wäre.

Ein glücklicher Gedanke war es daher, den Besuchern unserer Ausstellung das frühere, das alte Berlin vor Augen zu führen, nicht etwa mittelst Leinwand und Pappe, Oel und Wasserfarben, sondern in Ausserst soliden, massiven Bauten, mit Zuhülfenahme alten, durchaus »echten« Materials; denn die Veran- stalter dieser Sonderausstellung »Alt-Berlin« schickten ihre Sendapostel in der ganzen Mark umher, die zu erwerben trachteten, was an aus frühern Zeiten stammenden Dachziegeln, Schlössern, 'Thüren, eisernen und hölzernen Verzierungen u. s. w. zu erhalten war, und auf diese Weise wurde unter der geschickten Ober-

leitung des Architekten Hoffacker eine Nachbildung der ehemaligen Kurfürstenstadt erzielt, wie sie getreuer

48

nicht

erster Linie auf d

gedacht werden kann.

ie geschicht

liche Treue Bedacht genommen.

Denn nicht nur malerische Wirkung allein sollte erzielt werden: es wurde in o-

Der Besucher soll ein charakteristisches Bild

empfangen, wie es in Berlin nach dem Dreissigjährigen Krieg aussah, ehe die Stadt in eine Festung verwandelt

wurde. Das hat erreicht, obgleic Lange Brücke (j.

Trutzige,

überschreiten und

ı man wegen Raummangels

auf mancherlei,

Kurfürstenbrücke), verzichten musste.

so auf das Schloss, den

man denn auch in glücklicher Weise mit hundertundzwanzig verschiedenartigen Bauten

Dom

und die

von Wachthäusern unterbrochene Basteien steigen vor uns empor, wenn wir die Zugbrücke

nun durch den gewölbten Eingang des wuchtigen Spandauer Thores die Stadt betreten,

deren niedere Häuschen mit ihren winzigen Kramläden und Handwerksstätten traulich auf uns niederschauen.

Wir sind in der Spandauer Strasse, von der sich nach rechts und links winkelige Gässchen abzweigen, auch

sie von rührigem Tagesleben erfüllt; eng und winzig ist alles, Fenster und Thüren der meist nur zum Theil

massiven, zum andern Theil aus Fachwerk errichteten Häuschen, eng und klein die Stuben, die Höfe, die

Gärtchen, in denen Rosen und andere Blumen blühen, aber der Schimmer einer genügsamen Behaglichkeit

liegt über allem ausgebreitet, und wenn man’s nicht von den Chronisten wüsste, man würd’s nic

dass die Bewohner dieses winzi

wie ihre Fäuste gehöri

des neunzehnten Jahrhu

Und das ist gut so, denn in dem damaligen Berlin des Grossen Kurfürsten wurde

Samen zur und über das Wohl nahmen. Das deuten

„Verein für die Geschic

rec hat die Stadt übrigens

Das kündet uns und kleinen Thurm, der oben, un aber, von kerniger Säule lau

sprachen, ein strenges

deutschen Raisers der Stadt

© Oo gebrauel

nderts!

g zu

adt gelegt, und tüch beriethen und sich uns schon das /ospztal und

hte Ber

ıter Hand vor uns auf, wenn wir das Spandauer Thor durchschreiten.

ganz bestimmt nicht übrig gehabt.

auch das Rathhaus am Mark

Recht.

‚en Berlin gern zu Krakehlereien aller Art geneigt waren und i

warm der Armen und Elenden ihrer Bevö

Viel Geld zu

erhalb der schieferbekleideten Thurmhaube, mit Holz verschält ist.

ıt glauben,

hren Mund,

hen wussten, gerad’, nun gerad’ so wie ihre Nachkommen am Ende

bereits der

ige Männer waren es, die im Rath der Stadt sassen

kerung an-

die Aapelle zum heiligen Geist an, in welcher der

ins“ eine interessante Sammlung Alt-Berliner Gegenstände bietet; sie tauchen

grossen Bauten

e, im Ziegelrohbau aufgeführt, ineinandergeschachtelt

verbaut, schmucklos in seiner nüchternen Aussenansicht, mit seinem in zwei Terrassen aufsteigenden

Unten

getragen, schmiegt sich mit seinen Spitzbogen-Wölbungen die uralte Gerichts- e an das Heim der Stadtväter an, die erinnerungsvolle Stätte, in der vor allem Volk die Schöffen Recht

Oft mag der an einem der Eckpfeiler angebrachte „Kaak“, ein höhnisch

grinsendes Ungethüm, von Neugierigen umstanden worden sein, die den unter diesem „Kaak“ auf schmalem

Tri

verspotteten, und oft &

tbrett Stehenden, d

an den Pranger kam schon, wer einem Anderen ohne Grund Sch

reden ausgestossen hat

Wie eins

frohgemuthe Künstlerfest vom 9. Mai bildete, das regste Leben

wandungen mischen sic soldaten, Musikanten, d allerhand fahrenc Doch

Fanfaren erschal

sagt. nun

en,

Rüstungen gehü

dessen wildem Stossen

=

,‚ so spielt sich auch heute auf diesem Marktp

h die Trachten der Bewohner der ehema

ie alte Weisen erschallen lassen, Bürger

es Volk, welches gern halsbrecherische Kunststüc »Platz! Pferde

auf; ein Zug von Ritter

Platz!«

rappeln wird

tel kommen an und d

n und Reisig

gen

Ite Gestalten tragen, zum Turnier solls gehen, und hinterher drängt lautju

und Schieben cd

49

atze, der auch den Haupt von Alt-Berlin ab; in die igen Kurfürstenstadt, Land und Rathsherren, Mönche

ke vorführt oder aus den

naht, prächtig aufgeschirrt sind die Pferde, die sto

rängen die Menge zurüc

er zum Pranger verurtheilt worden war und das eiserne Halsband umgelegt trug, enug war es auch eine »Sie«, die wegen übler Nachrede diese Strafe erhalten; denn

echtes nachgesagt oder öffentlich Schimpf-

rahmen für das modernen Ge- sknechte, Stadt-

und Magister,

Handlinien wahr-

=)

schmetternde

vernehmbar und schwankende Helmbüsche tauchen in der Ferne

lze, in blitzende

belnd das Volk,

ie geschlossen marschirenden Gewerke mit ihren altererbten Ab-

7

Ernst Behrens.

Mitglieder ‚des Geschäftsführenden Ausschusses der @ewerbe-eAusstellung.

50

£ BP: IE \ (Comm.-R. Dr. Kunheim‘ Herm. Simon. Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses der Gewerbe- Ausstellung. y* 5I FE nl EEE EDEL ae HT ERTT EERTEEEETE EEE ET EEE EEE TEE TE TE TEE ET TEEEEE rn E

zeichen und ihren fidelnden und blasenden Musikanten nur schwer Stand halten können. Bei Allem sind trotz manchen Puffes und ärgerlichen Wortes die Mienen recht vergnügt, denn heute ruht die Arbeit, Festtag ist's und freie Nacht, wo nicht zu früher Stunde die Schenken geschlossen werden, und spät wird's werden, che man an den Heimweg denkt. Hoffentlich wird’s nicht so schlimm, wie im echten alten Berlin, wo, wie es in einer kurfürstlichen Verordnung: heisst, „die Festlichen mit allerhand Musik über die Gassen gingen, viel Aefferei und Muthwillen verübeten, der Bürgerschaft und anderen Einwohnern mit Plackereien und Abforderung von Geldern zur nicht geringen Beschwer gewesen, nachmals in ihren Herbergen wohl acht und mehrere Tage miteinander geschmauset, sich dabei gehadert, geschlagen, und wohl gar ermordet, dagegen ihre Arbeit versäumt, gross Aergerniss gegeben, und mit ihrem epikurischen, heidnischen Leben und sündlichen Wesen Gottes Zorn nicht wenig gereizt hätten.«e Zum Schmausen und Trinken allerdings sind genug Lockungen vorhanden. Unsere Altvordern an der Spree mögen grossen, sehr grossen Durst gehabt haben; aber undenkbar ist es, dass er so gewaltig, so tief und grenzenlos ‘war, wie ihn die Besucher

von Alt-Berlin haben müssen, wenn alle Gastwirthe hier auf ihre Rechnung kommen sollen!

DEUTSCHE KOLONIAL- AUSSTELLUNG.

Blickt man über den Wasserspiegel des Karpfenteiches, so sieht man links die Thürme und Häuser des alten Berlin aufragen, während rechts einige seltsame Hütten an den Teich herangebaut worden sind, aus Birken und Palmblättern hergestellt, an ihren grellbemalten Giebeln mit Hörnern und verbleichten Thier- und Menschenschädeln ‚verziert‘‘; vor ihnen, nahe einem scheusslichen Götzenbilde, tummeln sich dunkle, halbentblösste Gestalten umher, die jetzt eins der roh gezimmerten, langen, scheinbar sehr schwerfälligen Boote besteigen und mit ihm pfeilschnell die Wogen durchschneiden. Landsleute sind’s von uns, diese fremdartigen Gesellen mit ihrem dichten, fetteingeriebenen Haar, ihren Tätowirungen an Gesicht und Brust,

ihrem musculösen Körperbau, Leute aus Neu-Guinea; denn jene seltsamen Ansiedlungen dort bilden einen

Theil der Deutschen Kolontal-Ausstellung, und ein eigenthümlicher Zufall will es, dass dieselbe in die un-

mittelbare Nachbarschaft Alt-Berlins gerückt wurde hatte doch der Grosse Kurfürst bekanntlich schon einen nicht unbedeutenden brandenburgischen Kolonialbesitz in Afrika geschaffen.

Heute allerdings weht dort in unseren Kolonien, wie in denen Neu-Guineas die deutsche Reichs- flagge, und uns das gesammte Kolonialgebiet mit seinen Handelsbeziehungen sowohl zum Mutterlande, wie mit seinen mannigfachen Erzeugnissen aus dem-Pflanzen- und Thierreich, seinen mineralischen Schätzen, seinen Sammlungen zoologischer, ethnographischer und botanischer Art, mit dem Leben der Eingeborenen zu vergegenwärtigen, das war der Zweck dieser einen Flächenraum von 60000 qm bedeckenden Aus- stellung. Männer, die mit grossem Erfolge bereits in unseren Kolonieen thätig waren, hatten ihre ganze Kraft und ihre weitreichenden Verbindungen eingesetzt, um hier etwas des Deutschen Reiches Würdiges zu leisten, und das ist ihnen auch vollauf gelungen; unter dem Protectorat des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg-Schwerin, des eifrigen Förderers aller kolonialen Pläne, waren hier zielbewusst Graf von Schweinitz, Direktor von Beck und Rechtsanwalt Imberg und neben ihnen als künstlerischer Leiter der bekannte, mehrfach in Ostafrika gewesene Maler Hellgrewe thätig, welche durch die Kolonial-Abtheilung des Auswärtigen Amtes und die in unseren Kolonieen noch gegenwärtig thätigen Pioniere deutscher Kraft und deutschen Könnens, Major von Wissmann voran, warm unterstützt wurden.

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Eine ganz neue Welt nimmt uns gefangen, wenn wir durch einen phantastisch mit verzerrten Masken und Palmwedeln ausgeschmückten, durch Flaggenstangen schon von fern erkennbaren Eingang, der im Stile der Bauten der Bewohner Neu-Guinea’s gehalten, die Ausstellung betreten. Wir gelangen zuerst nach Kamerun mit einer Buschfactorei rechts, wie sie von Europäern errichtet und bewohnt wird, während links ein Block- haus mit einer Versammlungshütte der Eingeborenen steht; seitlich unseres Weges liegen die höchst ein- fachen und im Umsehen errichteten Negerhütten, in und vor denen eine Anzahl Kameruner Männer, Frauen und Kinder hocken, mit der Anfertigung: von Bastarbeiten und ihren primitiven Gebrauchsgegenständen

beschäftigt. An dieses Kameruner Dorf schliesst sich eine Ansiedelung von Togo-Negern an, und links am

Teich folgt die Niederlassung der Eingeborenen von Neu-Guinea. In das Wasser hinausgebaut ist ein sogenanntes „Heiliges Haus“ wärend sich in der Nähe eine Baum-Hütte befindet, in der weitästigen Krone einer Linde untergebracht und nur mittelst einer Strickleiter zu erreichen; sie wird aufgesucht, wenn von feindlichen Stämmen Gefahr droht, und man in dem im nahen grossen, mit Hörnern geschmückten und farbig bemalten Versammlungshause beschlossenen Kriege unterlegen ist. Papuas aus Neu-Pommern sind hier untergebracht.

Seitlich rechts von Neu-Guinea erhebt sich eine weisse festungsartige Mauer mit Schiessscharten, die rechts und links von hohen, mit Lehm und Steinen beworfenen Pallisadenzäunen flankirt ist, auf deren

Spitzen Menschenschädel stecken es ist die äussere Umwallung der bei Tabora gelegenen Festung Quikurru

des Sultans Sicki die zu den stärksten Plätzen Ost-Afrikas gehörte und 1892 mit Sturm genommen wurde ) oO - fo}

um ein Jahr später, bei einem erneuten Aufstande, nochmals erobert zu werden, das erste Mal unter Betheiligung des Grafen von Schweinitz, der hierbei eine ernstliche Verwundung erhielt. Wie geschickt diese Negerbefestigungen angelegt sind, und welche Tapferkeit der Stürmenden sie bei einer energischen Vertheidigeung erfordern, zeigt uns diese „Boma“. Zunächst umgiebt sie jener 2'/» Meter hohe Pallisaden-

zaun, es folgen drei Tembenringe, von denen jeder einzelne erst erkämpft werden muss dann erst hat

man das Innere erreicht, in welchem das Haus des Häuptlings und der Versammlungsplatz der Neger liegen.

Hier in diesem Fall schliesst sich noch eine umfangreiche Ansiedlung an, da für diesen Sommer einige

Dutzend Eingeborener, unter ihnen Suaheli, Wakonde und Massai, ihr Heim hier erhalten haben. Am Tage

werden diese Leute mit Häuserbauen, Flechtarbeiten, Holzarbeiten u. s. w. beschäftigt, Abends aber vergnügen sie sich mit ihren Gesängen, Spielen und Tänzen, und die Männer zeigen ihre Kunst in der Waffenführung. Haben wir noch ein Baracken-Lazareth, wie es in den Tropen gebraucht wird, und die Hygiene-

ärtigen Amtes mit ihren umsichtigen Vorkehrungen besichtigt, und der benachbarten

Ausstellung. des Ausv

Ansiedelung der aus Südwest-Afrika gekommenen Herero und Witboileute, deren schwerfällige, zu langen

Reisen benutzte Ochsenfuhrwerke gleichfalls vorhanden sind, einen Besuch abgestattet, so können wir uns der zweiten Abtheilung der Kolonial-Ausstellung zuwenden, die jenseits der Parkallee, nahe dem Gebiete des Vergnügungsparkes, liegt. Wir erreichen ihn auf einer in Sansibar-Bauart errichteten Brücke und durch einen den Befestigungen von Sansibar nachgebildeten Thurm. Der „Sansibar-Stil‘“, wie man ihn nennen kann, kehrt auch in der Mehrzahl der. übrigen Gebäude wieder.

In der Nachbarschaft der Kolonial-Ausstellung liegt der Vergnügungspark mit zahllosen Volks- belustigungen, ihm widmen wir ein anderes Mal unsere Aufmerksamkeit, heute schon im Voraus allen Be-

suchern der Gewerbe-Ausstellung von Herzen wünschend:

Piel Vergnügen!

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er Gewerbe-Ausstellung 1895.

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DAS CENTRAL-VERWALTUNGS-GEBÄUDE.

Das ist jetzt ein Leben und Treiben die Treptower Chaussee entlang, wie es dieselbe, so lange sie schon besteht und so viel Trubel sie schon durchgemacht, noch nicht gesehen: von früher Morgenstunde

an wogen die Menschenmassen dem Ausstellungsgelände, zu welchem Stadtbahn und Dampfer die Besucher

ia nur aus einer bestimmten Richtung hinbringen, zu, die Wagen der elektrischen und Pferde-Bahn sind

überfüllt, desgleichen die Omnibusse, schmunzelnd thronen die Droschkenkutscher auf ihren Sitzen, denn diese Sommermonate gefallen ihnen schr wegen des angenehmen metallischen Klanges, schmucke Equipagen und sonstige Gefährte aller Art jagen dahin, und über sie hinweg ragt die schwankende Mail-Coach, deren

Diener dem langen Horne schallende, aber deshalb nicht etwa harmonische Töne entlockt. Eine wahre

Völkerwanderung ist es, die sich von Berlin her Tag für Tag dem Treptower Parke zuwälzt, dem erstrebten Tiele stündlich Tausende und Abertausende zuführend, alle Klassen, alle Stände der Bevölkerung vertretend, Hoch und Niedrig, Arm und Reich vereinend, denn für Alle ohne Ausnahme ist diese Ausstellung geschaffen, und Allen ohne Unterschied gewährt sie Anregung und Belehrung, Unterhaltung und Zerstreuung.

Wer die Ausstellung nur als Mittel zum Zweck benutzt und zwar zum Zweck möglichst guten Amüse- ments, der wird seine Schritte erst in den vorgerückteren Nachmittagsstunden gen Treptow wenden, wenn dort an den verschiedensten Stellen lustige Musikweisen erschallen, und die Wege ausserhalb der Aus- stellungshallen belebter sind als die Gänge in denselben, wenn die zahllosen Erfrischungsstätten dicht ge- füllt sind und die modernen Ganymeds in Fracks und Jaquets, wie die Tyroler Dirndl’'n in ihren münzen- klappernden hübschen Trachten kaum all’ den drängenden Anforderungen an Speis’ und Trank gerecht

werden können. Wer die Ausstellung aber ihrer selbst willen besucht, wer durch sie seine Kenntnisse be-

reichern und neue Belehrungen aus ihr schöpfen will, der dürfte, wenn es nur irgendwie seine Zeit erlaubt, möglichst früh hierher pilgern, um ungestört seine Beobachtungen zu machen und an der Hand der Special- kataloge die einzelnen, der Industrie und Technik wie den Wissenschaften gewidmeten Abtheilungen zu durchwandern. So früh er aber auch kommt, er wird, je mehr er sich dem Ausstellungsgebiet vom Schlesischen Thor her nähert, schon von regem Treiben umgeben sein: in diesen Morgenstunden ver- proviantirt sich ja die Ausstellung, es nahen ihr lange Wagenketten mit den hundertfachen, für die Restau-

rants bestimmten Vorräthen, zueleich finden sich die zahlreichen Angestellten ein, die Behüter der ausge-

stellten Gegenstände, auch sie in ihrem Acusseren schon die Mannigfaltigkeit des grossen Werkes ver-

körpernd, dort elegant gekleidete jüngere Herren, die den Ruf ihres Modemagazins oder Juweliergeschäfts oder ihres sonstigen „Hauses“, dem sie als „junger Mann“ angehören, schon durch ihre Kleidung und ihr ganzes Auftreten zum Ausdruck bringen wollen, und da in ihren blauen Blousen die Werkführer und Arbeiter, deren schwielige Hände die Maschinen lenken, die, so sausend sich ihre Räder drehen, und so scheinbar vernichtend ihre Kraft ist, doch dem Druck der kräftigen Fäuste gehorchen müssen, und dazwischen hasten

ferinnen der Stilke’schen Bücher-

und trippeln zahlreiche Gruppen junger Mädchen einher, meist Verkäu

stände oder anderer Verkaufs-Anlasen, unter ihnen viele allerliebste Gesichter und adrette Erscheinungen fe} fo} $

die den Ruf Berlins rechtfertigen, dass es die Stadt der hübschen Mädchen ist.

Von fern winkt Allen bewillkommnend die farbenfrohe zierliche Front des die Treptower Chaussee überspannenden Haupt-Verwaltungsgebäudes entgegen, hier ist die Grenze, deren Ueberschreitung diesen

Arbeit, jenen Belehrung, anderen wieder Unterhaltung bedeutet, und freundlich und einladend ist dieser

Willkommen in Gestalt des alterthümlich-luftigen, schon früher kurz beschriebenen Burgthorbaues, in welchem

die Räume der Verwaltungsbehörden unserer Ausstellung Unterschlupf gefunden haben. Die ernste und

gewissenhafte Arbeit, welche in diesen Räumen geleistet wird, gelangt absichtlich in dem Bau nicht zum Ausdruck, flott und elegant erhebt er sich und schaut gar lustig und zuversichtlich drein, als wollte er den

missgünstigen Krittlern und üblen Zeichendeutern an der Ausstellung denn auch an solchen fehlt es

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Central-Verwaltungsgebäude.

Nach eincr Originalaufnahme dcs Verbandes für Photographie und deren Verviclfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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nicht sagen: Eure Sorge um den schliesslichen Erfolg des grossen Werkes ist vergeblich, hebt nur eben

so fest und fröhlich das Haupt in die Höhe, wie ich, ich habe keine Furcht um es endgültige Gelingen!

Liegt dieses Gebäude auch an der Grenze des Ausstellungsgebietes, so stellt es doch gewissermassen das Herz desselben dar, denn von hier aus laufen ja unzählige Fäden nach allen Richtungen hin und erfüllen den grossen Organismus mit frischem Leben. Von hier aus werden alle Anordnungen erlassen, welche Tag für Tag von neuem nöthig sind, damit das Gangwerk des gewaltigen Unternehmens nicht stockt, hier ist der Sitz der Verwaltung, die als oberste Behörde über dem Ganzen thront, hier finden wir die Platzinspektion, welche die Aufsicht über das Ausstellungsgebiet hat und der die Beamten unterstellt sind, und das Propa- gandabureau, welches noch immer im In- wie Auslande eine eifrige Thätigkeit entfaltet, um der Ausstellung

neue Besucherschaaren zuzuführen, hier ferner die Architekten und Elektrotechniker, dann die Kassen-Ver-

waltung und die Geschäftsstelle, die Sitzungs- und Wohnräume für die Mitglieder des Arbeits-Ausschusses und die Bureaus für die Korrespondenz. Welchen Umfang die letztere besitzt, geht daraus hervor, dass an einzelnen Tagen schon fünfzehn und gar zwanzigtausend Schriftstücke eingelaufen sind, deren Sortirung allein

viele Stunden erforderte, und diese Riesenzahl der Postsachen lässt einen Schluss auf die Arbeitslast zu,

welche mit der Ausstellung verknüpft ist und welche pünktlich mit unermüdlichem Fleiss und zielbewusster

Energie bewältigt werden muss, soll nicht ein verhängnisvoller Stillstand sich einstellen. Aber bisher „klappte“ alles vortrefflich, und wir dürfen uns der sicheren Zuversicht hingeben, dass dies auch ferner der Fall sein, und die Ausstellung sich, ihren Verwaltern und ganz Berlin Ehre einlegen

wird bis zur letzten Minute ihres Bestehens, und dass sich bei ihr das: „Ende gut, alles gut!“ erfüllt.

60

DIE

AUSSTEEEUNG BER=ZCHEMIE

UND

WISSENSCHAFTLICHEN INSTRUMENTE.

Das Ideal menschlicher Leistung beruht auf der Vereinigung von Kennen und Können zur Erreichung desselben Zieles. Nirgends mehr ist der aus solchem Bunde sich ergebende Segen hervorgetreten, wie bei der Chemie, deren letztes Ziel eigentlich das Uebertreffen der Natur in der Nutzbarmachung ihrer Güter ist.

Kaum hundert Jahre zählt die eigentliche Industrie hierbei. In diesem verhältnissmässig kurzen Zeit- raume spielte sich eine ungeheure Summe von Fortschritten ab, an deren Anregung und Nutzbarmachung

Deutschland vielleicht der wesentlichste Antheil zukommt. Innerhalb des Reiches aber hat Berlin einen

reichbemessenen Antheil. Von den Lehrstühlen seiner Hochschulen, aus den Laboratorien derselben gingen die epochemachendsten Entdeckungen aus.

Wie die Bilder ihrer Patrone eine Kirche, so zieren die Namen ihrer Geistesgrössen verdienterweise daher den in seinem Aeusseren bereits geschilderten, vom Architekten G. Grisebach musterhaft erbauten Raum, welcher der Ausstellung der Chemie und ihrer wissenschaftlichen Mutter, der Physik, gewidmet wurde. Die Photographie beruht in ihrer Anwendung auf beiden Wissenschaften. Auch sie hat daher sachgemäss

hier ihre Unterkunft gefunden.

Als ein glücklicher Gedanke muss es bezeichnet werden, in der Ausstellung einen Raum zu gewähren, in welchem Vorträge, von bedeutenden Fachleuten gehalten, dem Publikum das Dargebotene erläutern. Auch für diesen Hörsaal war der angezeigte Platz im Chemiegebäude.

Von der deutschen chemischen Industrie beherbergt Berlin nahezu ein Sechstel. In seinen ungefähr 900 Anlagen dieser Art werden an 14000 Arbeiter beschäftigt. Nur 117 ausstellende Firmen finden sich zwar vor, jedoch welcher Unterschied gegenüber der ersten Berliner Gewerbe-Ausstellung, die deren nur 4 aufwies!

Hier ist in erster Linie Kunheim & Co. zu nennen. Vor 60 Jahren als Essigfabrik begründet, hat dieselbe mit den Anforderungen der Zeit an chemische Produkte stets Schritt gehalten. So fehlt denn auch unter den von ihr ausgestellten Rohmaterialien der Monazitsand nicht, der zur Herstellung von Thorium- Präparaten für die Gasglühlicht-Industrie in neuester Zeit von Bedeutung geworden. Dr. Schäffer

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beschäftigt sich hauptsächlich mit der Verarbeitung von Gaswasser. Zur Ausstellung gelangt eine die Fabrikation darstellende Reihe, ausgehend vom Rohmaterial bis zu dem verflüssigten wasserfreien Ammoniak und dem chemisch reinen Salmiak. Von denjenigen Betrieben, die sich der Verflüssigung der Gase als Spezialität widmen, sei neben Raoul Pictet & Co., der eine Serie flüssiger Gase in zugeschmolzenen Glasröhren zeigt, Dr. T’heodor Elkan erwähnt, in dessen Betrieb besonders reiner verdichteter Sauerstoff hergestellt

wird. Die Verwendung desselben illustrirt die Firma sehr gut durch Vorführung verschiedener Apparate.

Mit die bedeu- - DEINEN EEE centnern Theer die tendste chemische | | bedeutendste der- Fabrik Berlins ist | artige Anlage des die Aktien-Ge- | Kontinentes zu sellschaft für | ! | sein. Seine Pro- Anilin-Fabrika- dukte sind Peche,

tion, die ausser Lacke, Benzol und

ihren 132 Ange- seineAbgeleiteten. stellten 1300 Ar- Eine Eigen- beiter beschäftigt. thümlichkeit Ber- Die Produkte der lins auf diesem gewerblichen Ge-

biete ist die Her-

Theerdestillation sind für sie das Ausgangsmaterial stellung fertiger ihrer : künstlichen pharmazeutischer organischen Farb- Präparate, : Hier stoffe. Die wich- verdient beson- tigsten derselben, dere Erwähnung so das neue Mar- die Berliner Cansules-Ra- brik Joh. Leh-

mann, die alle

tinigelb, stellt die

Firma aus. Die vielfache Verwen- dung ihrer Farben Sorten Kapseln,

zeigt sie an sehr elastische und

gelungenen ge- harte, sowie mit

färbten Mustern. Maschinen gc- Neben dieser Fa- presste Perlen, brikation gelan- medizinische, tech-

gen photographi- nische und Vete-

sche Entwickler rinär-Kapseln aus- stellt.‘ M. Hellwig

führt, ausser Pillen,

zur Anschauung. Rud. Rütgers

beansprucht bei

einer jährlichen Chemie-Gebäude. ., . als seine Spezia-

Verarbeitung von Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren lität gestrichene . Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

400000 Doppel- s Pflaster, ebenso

ausgerollte, in Massen-und in Blöcken vor. Die Chemische Fabrik auf Aktien (vormals E. Schering) reprä- sentirt in hervorragender Weise die Präparate, die vom Apotheker weiter verarbeitet werden. Wie bedeutend

ihr: Betrieb -und Absatz ist, ergiebt sich am besten aus dem rund ro Millionen Mark jährlich: betragenden

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Umsatz. Dr. Kade’s Oranienapotheke zeigt zusammengestellte komplete Apotheken für ärztlichen und Laiengebrauch.

Eine weitere Gruppe von Ausstellern umfasst die, deren Betrieb sich mit der Verwerthung der Fette befasst. Pflanzliche Fette, und besonders Palmkern-, Kokos- und Leinöl, zeigt G. Zimmermann, thierische Fette, in Form von Knochenöl, die Rixdorfer Knochenöl und Fettwaarentabrik. Die Lanolinfabrikation repräsentiren Benno Jaffe & Darmstädter Die mineralischen Fette haben ihre beste Vertretung durch die Firma Heinrich & Raupert.

Auf der Verwendung der Fette beruht die Industrie der Seifen und auch der Parfümerien. Hier

sei zuerst der Firma Treu & Nuglisch, als der ältesten ihrer Branche in Berlin, Erwähnung gethan. Die

zur Vorführung gelangende Fabrikation nicht nur, sondern auch die dem Publikum durch Auslage von Pro-

dukten der Fabrik aus den 1830er Jahren gestattete vergleichende Betrachtung erregen besonderes Interesse. Wie alle Collectiv-Ausstellungen, so ist auch die der Vereinigung der Berliner Seifen- fabrikanten im hohen Grade gelungen. In einem grösseren Pavillon flankiren zwei Pyramiden aus Haus- haltungsseifen ein sehr geschmackvolles Arrangement der verschiedensten Toiletteseifen.

In der Abtheilung der Parfümerien führen L. Leichner die Fabrikation seines weltbekannten Fett- puders, und Gustav Lohse die verschiedener seiner berühmten Erzeugnisse vor.

Auf den Fetten beruht fernerhin die Herstellung von.Kerzen. Die weitaus umfangreichste ihrer Art nicht nur in Berlin sondern in Deutschland überhaupt, ist auf diesem Gebiete die Fabrik von A. Motard & Co. In einem eigenen Pavillon wird dem Besucher die Giesserei der Stearinkerzen vorgeführt, und die Reihe der Roh-, frischen und Nebenprodukte gezeigt.

Der Gruppe von Firmen, die sich die Herstellung von Farbwaaren, mit Ausnahme der Theerfarben, und von Lacken und Leim angelegen sein lassen, wenden wir schliesslich unsere Aufmerksamkeit zu.

Dr. Max Ascher & Co. ist besonders bekannt seiner Messinglacke für wissenschaftliche Instrumente wegen. Aber auch Serika-Lacke, die den mit ihnen versehenen Materialien, Metall, Glas und Horn, einen seiden- artigen Glanz verleihen, verdienen unsere Beachtung, wie die Tauchlacke, die besonders den zur Erzielung von schönen Wirkungen bei Beleuchtungen benutzten electrischen Glühlampen dienstbar sind. Dr. Graf & Co. bedarf seiner Schuppenpanzerfarben wegen ebenso besonderer Erwähnung, wie C.F.Heyde wegen

seiner Lacke für die Möbel-, Pianoforte- und Goldleisten-Industrie. Carl Krauthammer stellt besonders

Kopal- und Bernsteinlacke dar. Allgemeineres Interesse werden die von ihm aus Kopalen unserer ost- afrikanischen Kolonie hergestellten Lacke und Firnisse erregen. Die chemischen und pharmazeutischen Apparate und Geräthschaften führen über zu der

Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente.

Bei C. Deiters fesseln unsere Aufmerksamkeit besonders drei Apparate verschiedener Grösse und Konstruktion zur Bereitung von Mineralwasser mittels flüssiger Kohlensäure, unter den Ausstellungs-Objekten von Max Kaehler & Martini die Hofmann’schen Verlesungs-Apparate. E. Mentz vorm. H. Fleischer legt in seiner Fabrikation besonderen Werth auf die Herstellung feinerer Waagen. Die ausgestellten be- weisen, wie die Firma dauernd bestrebt ist, die Konstruktion zu verbessern. Die Polarisations- und Spek- tral-Apparate und Mikroskope von Franz Schmidt & Haensch zeigen, wie erfolgreich Berlin in der Her- stellung dieser Artikel mit anderen Plätzen zu konkurriren vermag. In der Ausstellung von Warmbrunn, Quilitz & Co. beweist das ausgestellte grosse Becherglas die hoch ausgebildete Technik. Bei den Am- broin-Werken, Hermann Gumpel, tritt uns eine Neuheit entgegen. Das Ambroin, das zur Herstellung von Akkumulatorenkasten, Isolatoren etc. sich eignet, ist besonders seiner Löth- und Schweissbarkeit wegen bemerkenswerth.

Die Ausstellung wissenschaftlicher Instrumente und Apparate stellt eine Colleetiv- Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik dar. Dieselbe ist um so bemerkenswerther, als der Auf-

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Chemie-@ebäude.

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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896, 65 ee EEE EEE EEE ET EEE Tr

schwung der durch sie repräsentirten Industrieen kaum zwanzig Jahre ‘zurück datirt. Auch hier ist der bei der Chemie gerühmte Umstand, das Zusammenwirken von theoretischen und praktischen Kräften, die Grund- lage des Erfolges gewesen, der sich in dem Weltrufe der deutschen Mechanik und Optik ausdrückt.

Unter den Fabrikanten astronomischer Instrumente seien hier. erwähnt. Carl Bamberg, Friedenau mit seinem vorzüglichen Passage-Instrument, Ludwig Tesdorpf, Stuttgart; wegen seiner Nivellir-Instrumente mit bis: zu 6ofacher Fernrohrvergrösserung. Nicht unerwähnt bleibe hier, dass zur Zeit feinste Libellen für astronomische Zwecke nur aus Deutschland bezogen werden können.

In der Reihe der Fabrikanten geodätischer Präzisions-Instrumente fällt besonders Oscar Günther, Braunschweig, auf, dessen Spezialität photogrammetrische Instrumente sind. Die zu Aufnahmen an der Jungfraubahn benutzten, führt er in Modellen vor.

Auch auf dem Gebiete der Herstellung nautischer Instrumente ist es gelungen, die ausserdeutsche Kon- kurrenz zu überflügeln. H. Haecke interessirt uns besonders seiner Apparate für das Tiefsee-Schöpfen wegen.

Das Gebiet der Herstellung von Waagen und Gewichten hat den besonderen Triumph gehabt, bei der Einrichtung der internationalen Stelle für Maasse und Gewichte in Bretueil bei Paris herangezogen zu werden. Der Normalsatz der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt wird auch dem grösseren Publikum von Interesse sein.

Die in neuerer Zeit hervorgetretenen Bestrebungen, durch Beobachtungen des Wetters dessen vor-

aussichtlichen Verlauf zu bestimmen, sind wesentlich in ihrem Erfolge gebunden an die Zuverlässigkeit der zur Anwendung gelangenden Instrumente. Erfreulich ist auch hier der Umstand, dass die feinsten metro- nomischen Instrumente deutschen Werkstätten entstammen.

Die ganze Industrie jedoch könnte einen so hohen Grad der Entwickelung nicht zeigen, wäre es nicht möglich gewesen, Glassorten zu entdecken, die gemäss ihrer Zusammensetzung die Fehlerquellen aus- schliessen. Prof. Abbe in Jena verdanken wir alle Fortschritte nach dieser Richtung. Dieselben sind den Mikroskopen besonders zum Vortheil gewesen. Die Instrumente von Zeiss in Jena, Seitz in Wetzlar rühmen zu wollen, erscheint völlig überflüssig.

Einen durch Prof. Reuleaux gelegentlich der Ausstellung in Chicago gethanen Ausspruch, dass die amerikanischen Präzisions-Werkzeuge für Feinmechanik die unserigen überträfen, widerspricht hier H. Hommel in Mainz, mit seiner dahingehenden vollständigen und vorzüglichen Ausstattung. Unter den verschiedenen Ausstellern von Polarisations-Apparaten sei C. A. Niendorf erwähnt. Der von ihm vorgeführte Berg- krystall ist von ungewöhnlicher Grösse und dementsprechendem Werthe. Hans Heele ist wohl einer der besten Mechaniker für Spektroskope.

Unter den zur Ansicht gelangenden Uhren, deren Abtheilung allerdings nur eine sehr geringe Zahl inell

von Ausstellern zählt, fallen die von Rochlitz, sowie von Gebr. Meister besonders auf. Sehr ori.

ist die aus Südsee-Gegenständen zusammengestellte dekorative Uhr von Ludwig Kötz.

In der Ausstellung chirurgischer Apparate und Instrumente leiten aus der speziell den wissenschaft- lichen Instrumenten gewidmeten diejenigen Firmen über, die der medizinischen Wissenschaft deren Bedarf liefern. In erster Linie sei hier W. A. Hirschmann mit seinen elektro-medizinischen Apparaten erwähnt,

von denen die Apparate zu photographischen Aufnahmen mit Röntgen’schen Strahlen in der Bergemann’schen

Klinik Anwendung finden, R. Blänsdorf Nachfolger seiner Instrumente für Galvanokaustik wegen. Obenan

steht für. chirurgische Instrumente die bekannte Aktiengesellschaft für Feinmechanik vorm. Jetter & Scheerer.

H. Windler hat in seinem Schrank die Instrumentarien der hervorragendsten Berliner Aerzte vereinigt, während H. Hauptner seinen künstlerisch durchgeführten Pavillon mit sämmtlichen in der Thiermedizin und Landwirthschaft zur Anwendung kommenden Instrumenten und Apparaten ausgerüstet ‘hat... Der Beschauer wird überrascht durch die Reichhaltigkeit des thiermedizinischen Instrumentariums, dessen V ervollkommnung

ein besonderes Verdienst des Ausstellers ist. Hochinteressant sind auch die im Pavillon im Betrieb befind-

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lichen elektrischen Thierscheermaschinen. Rudolf Detert legt mehr Werth in seinem Betriebe auf die

Herstellung orthopädischer Apparate und auf Bandagen.

Verschiedenen der sonst hier ausstellenden Firmen werden wir im Gebäude für Wohlfahrts-Einrich-

tungen und Unterricht abermals begegnen. Da ihrer dort Erwähnung gethan werden wird, so be wir uns hier damit, auf die an dieser Stelle erfolgende Besprechung hinzuweisen.

In der zweiten Hälfte des Chemiegebäudes hat die P%otographie Unterkunft erhalten, sie, die dire

gnugen

kt oder

indirekt mit fast allen Gebieten des modernen Lebens zu thun und mit Hülfe der Chemie es zu einer Vervoll-

kommnung gebracht hat, von der man vor wenigen Jahren noch nichts ahnte, sie, die in stetem Streben nach

immer höheren Leistungen sich zu einer wahren Kunst emporzuschwingen wusste und von sich sagen da

rf, dass

ihr auf dem Erdenrund nur wenig fremd geblieben ist, und die mit Hülfe der Röntgen’schen Strahlen das Wort,

dass es nichts Unmögliches mehr giebt, bestätigt hat. 76 Aussteller zählt die Gruppe der Photographie,

welche

in vier Abtheilungen zerfällt: Portrait-, Landschaft- und Architektur-Photographie, dann wissenschaftliche Photo-

graphie und Fachliteratur, drittens das photomechanische Druckverfahren mit der Wiedergabe der B

ilder in

Photogravure, Lichtdruck, Zinkätzung ete., und schliesslich Apparate, Materialien, Chemikalien u. s. w.

Unter den Portraitaufnahmen zunächst finden wir ganz ausgezeichnete Leistungen, die altber

ühmten

Berliner Firmen rechtfertigen auf diesem Gebiet ihren langjährigen Ruf, so F. Brasch, dessen Spezialität

neuerdings Aufnahmen in direkter Lebensgrösse bildet und der hierin bisher Unerreichtes geschaffen hat,

V. Fechner, Albert Grundner, F, Jamrath & Sohn, Otto Lindner, Albert Meyer, Pflaum & Comp,

Reichard & Lindner, letztere mit einer interessanten Galerie der sämmtlichen regierenden deutschen

Fürsten

aus dem Jubeljahre des deutsch-französischen Krieges, und J. C. Schaarwächter mit den neuesten Auf-

nahmen des Kaisers und dem malerischen Gruppenbilde der gesammten kaiserlichen Familie, sowie eine Fülle

von Portraits der regierenden Fürsten, der ersten Staatsmänner, der bekanntesten Gelehrten, Schriftsteller,

Künstler etc. Von fesselndem Reiz sind die Momentaufnahmen von Ottomar Anschütz, der auc

bekannten Schnellseher und trefflichen Apparate für Photographie und Projektion zur Ausstellung brachte,

und M. Ziesler, dessen scharfe, stets die interessantesten Scenen vergegenwärtigenden Aufnahmen Mehrzahl der bedeutendsten neueren zeitgeschichtlichen Ereignisse veranschaulichen; da Zies

Genehmigung besitzt, sich bei besonderen Veranlassungen stets in der Nähe des Kaisers befinden zu

so ist die Sammlung seiner Bilder reich an allerhand Episoden, welche uns den Kaiser auf dem Paradefe

1 seine

uns die esdie

dürfen,

im Manöverterrain, auf der Jagd, der See etc. darstellen. Ein kleiner Theil unserer Aufnahmen

ırt von

ihm her, während wir die meisten derselben Franz Kullrich verdanken. Welch’ vorzüglicher Architektur- 1 o-

und Landschafts-Photograph der Letztere ist, wird der Leser selbst bemerken; er ist ebenfalls Aussteller mit

künstlerischen Architekturen u. s. w. Weiter ist zu nennen F. Albert Schwartz, Die Bedeutung des

Kunst-

verlages von Dr. E. Mertens & Cie. erschen wir aus der umfangreichen Sonder-Ausstellung der Landschafts-

und Städtebilder, welch’ letztere in photographischem Lichtdruck-Verfahren wiedergegeben sind und sich neben

ihrer Reichhaltigkeit und prägnanten Aufnahme durch ihren billigen Preis auszeichnen. In den versch

iedenen

Arten der Vervielfältigung sehen wir musterhaft Georg Büxenstein & Comp. und Meisenbach, Riffarth

& Comp, dastehen; ersterer Farbendruck-Verfahren nach dem Vogel’schen Patent erweckt grosses In

Leresse,

letztere erfreuen die Besucher u. a, durch ihre herrlichen Heliogravure-Kunstblätter, welche auch den weniger

bemittelten Klassen einen vornehm-künstlerischen Stubenschmuck ermöglichen. Die neuesten Bereicherungen

auf dem Gebiete der photographischen Aufnahmsapparate brachten Dr. Adolf Hesekiel & Co. zur Auss

ellung,

praktische Moment-Verschlüsse. und andere Utensilien G. Braun, R. Gaedicke, J. F. Schippang & Comp.,

Max Steckelmann, Objektive u. s. w. die bekannten Anstalten von C. P. Goerz und Voigtländer & Sohn.

Amateur-Photographen hat man von dieser Gruppe ferngehalten, sie werden sich gelegentlic im Sommer zu veranstaltenden Sonder-Ausstellung vereinigen und zeigen, wieviel sie von den in Vorstel

erwähnten Berliner Meistern der Photographie gelernt haben!

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PAVILLON / ‘UND AUSSTELLUNG DER STADT BERLIN.

Auf einer Berliner Ausstellung musste naturgemäss auch die Stadtgemeinde Berlin hervorragend ver- treten sein, und es ist warm anzuerkennen, dass sie ihre Ausstellungsobjekte nicht in die einzelnen Gruppen verwies, sondern sie in einem besonderen Gebäude vereinte und se ein wahres Bild ihrer Gesammtleistungen auf den verschiedensten Gebieten des öffentlichen Lebens gewährt. Der mit einem Kostenaufwand von 110000 Mark erbaute Pavillon befindet sich unmittelbar links von der Treptower Chaussee, dieser seine Hauptfront zukehrend; auf einem Cement-Unterbau erhebt sich in dunkelbraunem Holzfachwerk das Gebäude, dessen Mittelbau von stattlicher Kuppel und einem zierlichen Thürmchen gekrönt ist, während die beiden Seitenlügel etwas zurücktreten, die den Hau bteingang flankirenden Vorderbauten weisen das Wappen der Stadt Berlin mit dem Bären auf, einzelne bunte Fenster, zumal der Nordhalle, zeigen uns die Vereinigung von Kunst und Handwerk und die Berolina, welche ihrer stärkeren Schwester Germania die Erzeugnisse des Berliner Kunstgewerbes darbringt, dann die Bildnisse von Holbein und Albrecht Dürer u. s. w.

Durch den Haupteingang betritt man zunächst den Kuppelsaal, der uns die Bestrebungen der

Berliner Städtischen Verwaltung auf künstlerischem- Gebiet vorführt, zunächst in der markig- schönen

Figur der auf dem Alexanderplatze aufgestellten Hundrieser'schen Berolina, mehreren von Ns lertel stammenden Skizzen zu Wandgemälden im Vestibül des Rathhauses, einem von O. Geyer herrührenden Modell zu einer den Ackerbau darstellenden Marmorfigur ebendaselbst, dem Modell des imposanten Wassersturzes im Victoria-Park und noch einigen anderen Modellen von Brücken und sonstigen Bauten, auf welche die Stadt vom künstlerischen Standpunkte aus freilich nicht allzu stolz sein darf, und die wiederholentlich herb genug beurtheilt wurden.

In der linken, nördlichen Seitenhalle sind die Ausstellungen der Handwerker- und Fortbildungsschulen untergebracht, aus Modellen, Zeichnungen, Glas- und Wandmalereien u. s. w. bestehend, viele der Ar- beiten uns hohe Achtung vor dem Können und Streben ihrer jugendlichen Verfertiger abnöthigend. Aber auch die mehr praktischen Leistungen, so diejenigen von den Zöglingen der Fachschulen für Maurer,

Zimmerer und Steinmetze, für Sattler und Schornsteinfeger, für Barbiere, Friseure, Stel- und Rade-

macher etc. sind hohen Lobes würdig; nicht minder die zur Ausstattung der Räume gehörenden hübschen

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Polsterarbeiten aus der Fachschule für Tapezierer und der Sessel und Lehnstühle aus der Fachschule für Korbmacher. Diese für einen tüchtigen Nachwuchs unseres Handwerkerstandes sehr wichtigen Fachschulen werden ausser durch die Stadt Berlin, welche den wesertlichsten Zuschuss leistet, noch durch den Staat und die Innungen unterstützt, ferner durch die Interessenten und Stiftungen. Im Ganzen bestehen 24 der- artiger Schulen, von denen einzelne 500 und mehr Schüler die der Tischler sogar 650 während des Winters zählen, während die beiden Handwerkerschulen im letzten Winter sogar von über 3000 Schülern besucht wurden und einen materiellen Zuschuss seitens der Stadt von 1653 000 Mark erforderten. Aber was will diese Zahl bedeuten gegen die Riesenziffern, denen wir in der anderen, rechts

liegenden Halle begegnen, in welcher in einzelnen Kojen, sowie auf den im Mittelschiff dieser Halle er-

richteten Tischen, sei es in Modellen, in Plänen, in Zeichnungen etc. die hauptsächlichsten städtischen Unternehmungen uns veranschaulicht worden sind. Hier finden wir all’ die bedeutsamen gemeinnützigen Werke

vereinigt, denen Berlin im letzten Vierteljahrhundert sein grosses Ansehen unter den übrigen Weltstädten

verdankt, Werke, die Millionen und Abermillionen verschlungen haben und noch jährlich verschlingen, die

dafür aber die deutsche Reichs nauptstadt zu einer gesunden, sauberen, äusserlich wie innnerlich adretten machten, die auch den Unbemitteltsten ihrer Kinder Bildung zuführten und für die Armen und Kranken, die Tüle und Obdachlosen in umfassendster Weise sorgten!

Wie trefflich ist beispielsweise das städtische Schulwesen geregelt, das, da der Schulunterricht in den Gemeindeschulen bekanntlich gänzlich unentgeltlich ist, jährlich dem Stadtsäckel viele Millionen Mark kostet. 1869 zählte man 557 Klassen der Gemeindeschulen in Berlin, heute 3550, deren überwiegendste Mehrzahl sich in eigenen Schulgebäuden befindet. Auch der Erziehung und Unterrichtung der blinden und aubstummen Kinder wurde grosse Sorgfalt zugewendet, wovon die ausgestellten vielseitigen Arbeiten

und Unterrichtsmittel zeugen. Nicht geringere Aufmerksamkeit wie die Schulen erforderten, als nach dem

etzten glorreichen Kriege das ungeahnte Emporblühen Berlins begann, die Krankenhäuser und Irren- anstalten, von denen uns die neuesten am Urban in Berlin, in Herzberge bei Lichtenberg und in Wuhl- garten bei Biesdorf vorgeführt werden, ebenso die wichtigen Desinfektions- Anstalten, von denen aus die Desinfektionen der von ansteckenden Krankheitsfällen betroffenen Wohnungen und Häuser vorgenommen werden. Ausgezeichnet geregelt ist die Armen-Verwaltung, zu der auch die Versorgung der Waisen, die Erziehung ungerathener Kinder, die Pflege und Unterbringung der Siechen und das Städtische Obdach gehören; ‚letzteres kann allein 600 Angehörige von Familien im sogenannten Familien - Obdach und 2800 Asylisten in den Barackensälen (40 mit je 70 Schlafstätten) unterbringen. Mit der Pflege des Schul- wesens geht auch‘ die des Turn- und Badewesens Hand in Hand; in Modellen sehen wir die Turnhalle eines städtischen Gymnasiums, eine Flussbadeanstalt, zwei Volksbadeanstalten deren Errichtung allein 765000 Mark kostete und ein Brause-Bad in einer Gemeinde-Doppelschule.

Sind die vorstehenden städtischen Unternehmungen der Einwohnerschaft selbst gewidmet, so die anderen der Stadt als solcher. Hier gewinnen wir einen Einblick in die städtischen Gaswerke (die 1854 61), Million cbm und 1895 über 107'/, Million cbm Gas abgaben) mit ihren neuesten, jegliche Gefahr möglichst ausschliessenden Einrichtungen, in die Park-, Garten- und Friedhofs-Verwaltung, in das Markt-

hallen-Wesen und zwar besonders in die Central-Markthalle am A exanderplatz, deren Bau die Kleinigkeit

von 4” Millionen Mark erforderte. Uns mit der städtischen Bau-Verwaltuns hier näher zu beschäftigen,

würde zu weit führen, auch dürften wir manch’ gerechtes Bedenken dabei nicht unterdrücken; erwähnen b} Fo} 21

wollen wir nur, dass mit Rücksicht auf die Ausbreitung des Stadtbildes und den stetig wachsenden Ver- kehr nicht nur eine ganze Reihe neuer Brücken über die Spree und den Landwehr-Kanal errichtet, sondern dass auch die Mehrzahl der bisherigen Brücken erneuert oder umgebaut werden musste, Hand in Hand ging hiermit die Schaffung grosser Hafenanlagen, dem sehr gesteigerten Wasser-Verkehr Berlins dienend.

Von hohem Interesse s'nd zwei grosse Modelle, welche uns einen Einblick in das unter'rdische Berlin ge-

72

zur No ele

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ktrischen Beleuchtung etc,

und

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ogenen Sämereien, Gemüsen und Früchten zusammensetzt, Noch nähere Bekanntschaft mit diesen Felde

Städtilche Daffermerke Berlin,

Filter

ilteranlage und Rieselfeld.

ıren, die Durchschnitte zweier Strassen darstellend, an denen wir zunächst verschiec enartige Pflasterungen kennen lernen, dann die Unterbringung eiserner Kästen zur Sandbestreuung (bei Glatteis, feuchtem Wetter IC), Aufnahme der thierischen Abfälle, ferner all’ die zahllosen, den unteren Strassen körper durchziehenden ır- und Kabelleitungen der Gas- und Wasserwerke, der Telephon- und Telegra phen-Verwaltung, der Die Kanalisation und die Wasserwerke nahe der Stadt zur Versorgung der teren mit gesundem Leitungswasser werden uns noch besonders veranschaulicht in Modellen, Zeichnungen Plänen; die vielangefeindeten und angezweifelten Rieselfelder lernen wir hier nicht nur im Abbild

kennen, sondern sehen auch ihre Erzeugnisse in Gestalt eines &

rossen Aufbaues, der sich aus auf ihnen

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Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

können wir ausserhalb des Pavillons schliessen; hier befinden sich

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zwei Riesclabtheilungen in verkleinertem

tabe, deren kräftiges Gemüse den Neid manches Gärtners erwecken dürfte; zur Beruhigung sei mit-

getheilt, dass das zur Berieselung dienende, aus Berlin kommende Dungwasser gehörig geklärt und von

Fäkalstoffen ge

äubert wird. Ferner befindet sich hier im Freien der Theil eines Haupt-Kanalisationsrohres

mit den Mündungen aus einzelnen Häusern und einem Einsteigeschacht; durch diese auf das festeste gedichteten

Rohre, die unten eiförmig sind, damit sich nicht kompaktere Stoffe festsetzen können, werden die über-

flüs

sorgt wird, zeigt uns ein gleichfalls hier draus

anlagen, die alle irgendwie schädlichen Stoffe entfernen, und wenn das Wort eines berühmten franzi

sigen Gewässer, die Abfuhrstoffe etc, aus Berlin fortgeführt.

Wie Berlin mit gutem Trinkwasser ver- o-

n befindliches Wasserwerk mit den sorgfältigsten Filter-

ischen

Technikers Geltung hat, dass jene Stadt die gesündeste und beneidenswertheste sei, welche ein gutes Trink-

wasser besitzt und sich am schnellsten und unsichtbarsten ihrer Abfallstoffe entledigt, so dürfen wir nach

dem hier Gesehenen doppelt stolz auf unser Berlin sein!

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AUSSTEELUNG

FÜR

GESUNDEPNSLELFER WOHLFAHRTS -EINRICHTUNGEN, UNTERRICHT UND ERZIEHUNG.

Den vorderen Theil dieses durch die Ueberführung über die elektrische Rundbahn in zwei Theile zer- fallenden, in nordischem Holzstil ausgeführten Gebäudes nehmen Unterricht und Erziehung ein.

In richtiger Erkenntniss hat die Leitung der Ausstellung diese jedoch dahin beschränkt, als das Gewerbe die für dieselben nothwendigen Hülfsmittel liefert, oder aber die in dem gewerblichen Unterricht durch Fach-, Fortbildungs- oder Gewerbe-Schulen erzielten Erfolge vorgestellt werden können.

Nur nach einer Seite hin ist von diesem Plane abgegangen, in der .der Kindergarten-Erziehung. Hier wird in dem Unterrichtsraum und dem ihm angeschlossenen Spielplatz „lebend“ die Benutzung der Lehr- und Lernmittel gezeigt.

Da der Unterricht und die Erziehung im Kindergarten eine öffentliche zu werden beginnen, weichen

wir von der beliebten Aufstellungsordnung ab und beginnen unsere Besprechung hier, In Verbindung mit dem Pestalozzi-Fröbelhaus und den Berliner Vereinen für Fröbel’sche Erziehungs- weise hat Hugo Bretsch hier das Lehrmaterial nach Frö bel vollständig zusammengetragen. Arbeiten der

Lehrerinnen, als Vorlagen dienend, die der Kinder, um zu zeigen, wie weit dieselben ihren Mustern zu

folgen vermögen, erläutern auch ausserhalb der Beschäftigungs-Stunden schr hübsch die verfolgten Bestrebungen.

Auf der entgegengesetzten Seite der Halle liegen die der Mittel. und Oberstufe der Volksschule gewidmeten Räume,

Die hierin aufgestellten Subsellien von Schuster & Krause entsprechen den an dieselben gestellten Anforderungen, die Kinder während des Sitzens im Kreuz zu stützen. Der höhere Unterricht ist nur durch Lehrmittel und Bücher vertreten. Naturgemäss beziehen sich die ersteren mehr auf den Unterricht in der beschreibenden Naturkunde oder auf die experimentellen Wissenschaften, Physik und Chemie. Die Zinnaca, naturhistorisches Institut, rivalisirt auf diesem Gebiete mit R. Brendel, welcher uns auch noch als Ver- fertiger der nach Angaben des Kgl. Botanischen Instituts geschaffenen Modelle begegnet. Die Statuetten von Rassethieren von Max Landsberg sind ausgezeichnete Leistungen für landwirthschaftliche Lehr-

anstalten.

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Wohlfahrts- und Schul- Ausstellung.

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1895,

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und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 nn ER ITFZ

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Wohlfahrts- Ausstellung.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photogra

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Paula Guenther weist eine sehr sauber ausgeführte, instruktive, anatomisch-physiologische Demon-

strationstafel auf. Die Krystallmodelle von Mineralien aus Holz und Glas von CE. F. Pech beweisen eine Ueberlegenheit ähnlichen Fabrikaten gegenüber.

Ferdinand Ernecke sowie Hans Helle, dessen wir schon im Chemie-Gebäude gedachten, unterscheiden sich vielleicht nach der Richtung hin, dass ersterer Unterrichts-Apparate für weniger mit Geldmitteln aus-

gestattete Anstalten liefert. Bei Leppin & Masche treten die chemischen Unterrichts-Apparate mehr hervor.

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Wandelsans, Schul- und Wohlfahrts- und Haupt-Indusfrie-@ebäude.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigung

ten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

Ernst Schotte & Co. führen die Unterrichtsmittel für Geog

phie in Tellurien, Planetarien, Globen und Karten in ausgesucht schönen Exemplaren vor, während E. Hoernemann eiserne und hölzerne Kasten- schoner und -Ständer zeigt. Die Anschauung im Geschichts-Unterricht wird gut vertreten durch Heinr. Walger mit seinen Reliefkarten, von denen die von Olympia hervorgehoben werden mag. Turn- und Spielgeräthschaften zeigt in bewährter Weise A. Zahn, während uns bei Emil Mirass die Fuss- und Schleuderbälle am zweckdienlichsten angefertigt zu sein scheinen.

Unsere hervorragendsten Verlagsfirmen auf dem Gebiete des Schulbücherwesens, E. S. Mittler & Sohn, Nicolai, Wiegandt & Grieben sind selbstredend auf dem Plan erschienen. Aus dem Verlage von Wilhelm Gronau seien Ricken’s Lehrbücher der französischen Sprache, bearbeitet nach den neuen Lehrplänen, besonders genannt.

Das akademische Lehrwesen ist seitens der Universitäten nur nach botanischer Seite hin zur Geltung: gebracht. Die bei Parey erschienenen Tafeln und die Modelle von Brendel resp. Osterloh werden Fach- leute gern in Augenschein nehmen. Die vom Botanischen Museum ausgestellte Sammlung essbarer Pilze und ähnlicher schädlicher Art in Modellen ist auch für das weitere Publikum sehr dankenswerth.

78

Die am Eingange des Gebäudes veranstaltete Ausstellung der Abtheilung für Schiff- und Schiffsmaschinen- bau der Königlichen technischen Hochschule hat sicher einen hohen Lehrwerth. In die Arbeitsmethoden der Kgl. geologischen Landesanstalt gewähren deren Kartenwerke Einblick. Der im Modell vorgeführte Apparat für Tiefbohrungen ist um so grösserer Beachtung sicher, als es gelungen ist, mit einem derartig gebauten bis über 2 km Tiefe niederzugehen.

Bei dem heute weitverbreiteten photographirenden Publikum verfehlt die historische, vergleichende Schaustellung des Photochemischen Laboratoriums der Königlichen technischen Hochschule sicher nicht, grossen Anklang zu finden.

Die hauptsächlich mit dem Namen des Abgeordneten von Schenckendorff verknüpften Bestrebungen des Vereines für Knaben-Handarbeit erhalten durch die Arbeiten der fünf in Berlin vorhandenen Schüler- werkstätten Ausdruck. Ihr vorzüglicher Ausfall lässt um so mehr die geringe Anzahl der hiesigen Werk- stätten bedauern. Sehr zu loben ist die Ausstellung des Lette-Vereins. Möchte seinen Zielen, die

Erwerbsfähigkeit des weiblichen Geschlechtes zu fördern, auch hier die erhoffte Anerkennung werden. Bei fo} I fe)

dem harten Kampfe, den die Stenographischen Vereine in Bezug auf grössere Vollkommenheit ihrer respektiven Systeme führen, war es für dieselben geboten, vollzählig auf dem Treptower Kampfplan zu erscheinen. Aber auch demjenigen, der in die Feinheiten ihrer Methoden nicht einzudringen vermag, wird angenehme Anregung die Vorführung grösserer Schaustücke bieten, wie der Band des Generalstabswerkes über den deutsch-französischen Krieg, der in Kurzschrift nur die Oberfläche einer Säule von mässigem Umfang und geringer Höhe bedeckt. Ihre Absichten, die Handschrift zu verbessern, führen in gelungener Weise Professor Maas und H. Strahlendorff vor. Auch die Zeichenvorlagen von Wilh. Hermes seien hier genannt. Der Unterricht in Handwerker-Schulen lässt sich in Berlin, wo aus jedem Handwerk die nöthige Zahl von Schülern zur pflegsamen Bildung derartiger Kurse vorhanden, besonders fördern. Die ausgestellten

Arbeiten sind allein schon Ausdruck des Lobes für Lehrer wie Schüler. Sie sind für letztere um so an-

erkennenswerthere Leistungen, als sie neben und nach einer gewerblichen Thätigkeit geschaffen wurden. Die Victoria-Fortbildungsschule erreicht bei ihren weiblichen Zöglingen ebenso gute Resultate.

Das Kunstgewerbe, dessen Bestrebungen in Berlin besonders nicht erlahmen dürfen, wird durch die Unterrichts-Anstalt des Königlichen Kunstgewerbe-Museums am besten vorgeführt. Das Sitzungs- zimmer des Staatsministeriums im neuen Landtagsgebäude, dessen Ausstattung der höchsten Behörde Preussens in Würde entspricht, ist ein hoher Ausdruck ihrer Leistungsfähigkeit. Unter den Arbeiten der Königlichen Kunstschule machen sich die in der Klasse des Herrn Kruse hergestellten ganz besonders auszeichnend be- merkbar. Dass auch die Privatthätigkeit auf diesem Gebiete Hervorragendes leistet, beweisen die von Schülerinnen und Schülern Hans Richter’s gefertigten Malereien auf Porzellan, sowie die Holzschnitzereien und Lederarbeiten aus dem Atelier von Helene Schindler.

Der zweite Theil des freundlich wirkenden Gebäudes, jener hinter der Ausstellungsbahn liegende, ist den Wohlfahrtseinrichtungen bestimmit, die uns zeigen, was auf staatlichem wie privatem Wege für die in den Fabriken und Werkstätten Angestellten sowohl als auch für die Bedrängten, die Armen und Kranken gethan wird. Hier auf diesem Gebiete hat der Ausgang unseres Jahrhunderts manch’ grossen Erfols auf- zuweisen, und das Zeitalter der Erfindungen darf auch vollauf den Anspruch erheben, dasjenige der Humanität, der Sorge für die Schutz- und Hülflosen genannt zu werden. Einen breiten Raum nimmt hier das Deutsche Reich ein, ‚welches mit Tabellen, ‚statischen Aufzeichnungen und Drucksachen zeigt, wie sehr den leitenden Behörden das Wohl der arbeitenden Klassen sowohl wie aller Stände überhaupt am Herzen

liegt. Interessant sind die Aufstellungen des Kaiserlichen Gesundheritsamtes, aus denen in der untrüglichen

Zahlensprache hervorgeht, wie sehr die früher so gefürchteten Seuchen, als Cholera und Pocken, durch die I o- fo} $) allgemeinen hygienischen Massregeln ihre Schrecken verloren haben, wie nicht minder die Berichte des

Reichs-Versicherungsamtes, dessen Wandtafeln uns einen klaren Blick über die Entwickelung der Arbeiter-

79

binke Plügelöruppe an der Wandelhalle.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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versicherungs-Gesetzgebung des deutschen Reiches geben; betrug doch 1894 in Deutschland die Zahl der

durch die Krankenkassen entschädigten Erkrankungsfälle von Arbeitern 2 710000 mit 47!» Millionen Krankheitstagen bei 7760000 versicherten Personen, und ferner wurden von den 309468 Unfällen des Jahres 1895 nicht weniger wie 75 964 als entschädigungsberechtigt anerkannt. Wieviel Noth und Elend wird durch diese vom Staat bestimmten und kontrollirten Entschädigungen jetzt gelindert, während früher der in seinem Berufe verletzte und invalide gewordene Arbeiter meist auf die Gnade und Barmherzigkeit der Fabrikbesitzer und wohl gar auf milde Unterstützungen Anderer angewiesen war.

Nicht zuletzt durch diese Entschädigungen veranlasst, welche den einzelnen Betrieben grosse materielle

Opfer auferlegen, sind im Laufe der letzten Jahre wesentliche Anstrengungen gemacht worden, um

Unglücksfälle mehr und mehr zu verhüten, und wir schen in dieser Gruppe der Ausstellung eine ganze Reihe von Erfindungen verkörpert, welche von höchstem Werth für Leben und Gesundheit der Arbeiter und Arbeiterinnen sind. So stellten u. a. R. Bithorn & Co. sehr praktische Balancirleitern ohne Stützen aus, A. Goede Schutzvorrichtungen für bestimmte Sägen und Maschinen, Otto Köhsel & Sohn Nachfolg. unverbrennbare Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände aus Asbeststoffen, Bernward Leineweber sowie Emil Neumann Arbeits-Anzüge zur Verhütung von Unfällen in Maschinenbetrieben, Richard Schwartzkopff

Dampfkessel-Sicherheitsapparate zur automatischen Meldung von Wassermangel und Drucküberschreitung

und M. M. Wielandt allerhand Rauchschutzapparate, Feuerschutzanzüge und sonstige Gegenstände zur schnellsten Bekämpfung des wohlthätigen und, entfesselt, so unheimlichen Elementes. Hierhin gehört auch die Kollektiv- Ausstellung der in Berlin ansässigen Berufsgenossenschaften mit ihren vielen Unfallverhütungs- vorrichtungen in den einzelnen Gewerben, die uns in Modellen, Zeichnungen und Schriften vergegenwärtigt werden, und die Ausstellung der Berliner Feuerwehr mit Spritzen, Rettungsapparaten etc. sowie dem grossen, instruktiven Modell einer städtischen Feuerwache.

Haben wir in dieser Abtheilung die direkten Vorkehrungen gegen die das Leben bedrohenden Ge- fahren kennen. gelernt, so treten uns in einer benachbarten Gruppe die indirekten Massregeln gegen allerhand unser Dasein vernichtende Feinde entgegen, und zwar steht hier der Kampf gegen die Bakterien obenan. Erprobte bakteriologische Apparate verdanken wir Paul Altmann, F. & M. Lautenschläger, Dr. H. Rohrbeck sowie J. Klönne & G. Müller, und sie leiten uns zur Krankenpflege über, die ja gleichfalls neuerdings so wesentliche Vervollkommnungen erfahren hat. Nicht nur hinsichtlich der wissen- schaftlichen Vorkehrungen, die namentlich bei chirurgischen Unglücksfällen eine schnellere und sichere Heilung ermöglichen, sondern auch bei der bequemeren und praktischeren Ausstattung der Krankenstuben, sei es in den öffentlichen Heilanstalten oder in Privatwohnungen. Besucht man beispielsweise das links ausserhalb des Haupteinganges untergebrachte Zelt mit den vom Geh. Ober-Regierungsrath Professor Spinola (dem Leiter der Berliner Charite) und dem Privatdozenten Dr. M. Mendelssohn in vergleichender Uebersicht zusammengestellten Geräthschaften für die häusliche Krankenpflege, so darf man mit Recht von einem Luxus in der Krankenstube sprechen, aber wie wohlthätig ist dieser Luxus den Leidenden. Aus-

gezeichnet sind die von den Vereinigten Fabriken zur Anfertigung von Sanitütsgeräthschaften vorm.

Lipowsky, Fischer, C. Maquet ausgestellten Krankenhaus-Einrichtungen und Möbel zur Privat-Kranken- pflege, die Haus- und Reise-Apotheken von Hans Friedlaender und die orthopädischen bezügl. chirurgischen

Apparate von F.Beely und Max Boettcher jr.; als sehr verwendbar dürfte sich ein (gleichfalls vor dem

Haupteingang befindlicher) von Dr. D. Hönig ausgestellter Krankentransportwagen in Velocipedform erweisen.

Reich an praktischen Erfindungen ist ferner die Gruppe für Städtehygiene und Bauwesen; in ihr nehmen einen breiten Raum die in zahllosen Städten eingeführten Strassen-Sprengwagen, Kehrmaschinen und Abfuhrwagen zur geruchlosen Entleerung von Abortgruben etc. seitens der Firma Carl Beermann ein, wie überhaupt die schnelle Beseitigung von Müll und sonstigen Abfallstoffen die Veranlassung zu manch’ prak- tischen Erfindungen gegeben hat, so u. a. zu einem zur Verarbeitung. derartiger Stoffe eingerichteten Ofen

82

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ungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

Blick vom Kuppelsaal in die faupthalle.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältig

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des Ree.-Baumeisters Gustav A. F. Müller und zu dem Müllwagen von Hermann Scheller. Neuerungen finden wir ferner in der Gruppe für gesundheitsfördernde Ernährung und Bekleidung, zu der auch der hübsche Thee-Pavillon von J. L. Rex gehört, und in derjenigen des Dadewesens mit dem Brause-Volksbade des Berliner Vereins für Volksbäder und den Bade-Einrichtungen von Conrad & Grübler, M. Grund, E. Krafft und E. Schiegnitz; unter ihrer bekannten Schutzmarke »Bade zu Hause« hat die Firma Toosdorf & Hochhäusler einen eigenen Pavillon mit grossem Ausstellungssaal und in Betrieb befindlicher Tusterbadeanstalt nahe dem Haupteingange vom Ausstellungs-Bahnhofe errichtet.

Von hoher Wichtigkeit ist schliesslich die Gruppe der Wohlfahrts-Einrichtungen, die uns vor Augen

S führt, was einzelne Private und Gesellschaften zum Besten ihrer vom Glück wenig begünstigten Mitmenschen

gethan haben. Wie segensreich ist da in erster Linie der Berliner Asyl-Verein für Obdachlose, der

seit seinem 25jährigem Bestehen schon Millionen unentgeltliche nächtliche Unterkunft und Erquickung gewährt

hat, und der uns in Zeichnungen sein im Bau begriffenes neues Männer-Asyl vorführt, das vom Herbst an

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800 Männern Nacht für Nacht Aufenthalt gewähren wird. Wohlthätig in anderer Weise wirkt der Verein

für die Berliner Arbeiter-Kolonie, der den Zweck hat, gesunden, arbeitslosen, aber zur Arbeit fähigen

und willigen Männern in Zeiten der Bedrängniss Arbeit, Verpflegung und Obdach zu gewähren; eine Zahl von in der Kolonie gefertigten Gegenständen zeigt uns, was diese vorübergehend Arbeitslosen bei gutem Willen und tüchtiger Anleitung zu leisten vermögen. Nach anderen Richtungen hin wirken nicht minder erspriesslich der Berliner Verein für häusliche Gesundheitspflege, der sich die Gesundheits- und Krankenpflege Unbemittelter zur Aufgabe gestellt hat; der Berliner Verein für Volkserziehung mit

Arbeiten aus dem Kindergärtnerinnen-Seminar, der Haushaltungsschule und den Handfertigkeitsklassen; und

der Berliner Verein gegen Verarmung, der nur die wirklich Bedürftigen unterstützt, die so oft hinter den Professionsbettlern zurückstehen müssen. Mit Freuden verfolgt man die grossen Erfolge des Comite’s für Ferien-Kolonien, die von Jahr zu Jahr mehr erholungsbedürftige Kinder in den Wald, an die See, in die Berge schicken können, und des Vereins für Kinder-Heilstätten an den deutschen Secküsten, welcher bereits über 430 Betten auf Norderney, Sylt etc. verfügt. Eine willkommene Ergänzung zu den Berliner Volksküchen von 1866, die uns in dem Modell einer Volksküche und in täglich wechselnden Speisen vorgeführt werden, bilden die Kinder-Volksküchen, deren Vorführung nahe dem Alpen-Panorama ein besonderer Platz angewiesen wurde; gleichfalls der Jugend und zwar deren hauswirthschaftlichem Unter- richt widmet der Verein für das Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend und der Verein Kinderhort seine Aufmerksamkeit. Hier erwähnen wir auch des Pavillons mit der Samztätswache der Vereinigung der Berliner Sanitätswachen, in welchem bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen sofort Hülfe zu finden ist; der Verein hat in Berlin 18 Sanitätswachen ins Leben gerufen, in denen von Abends 10 bis Morgens 7 Uhr die erste ärztliche Hülfe geleistet wird.

Den wohlthätigen Bestrebungen der vorgenannten Vereine, deren Liste wir noch vergrössern könnten, eifern einzelne Fabriken und Inhaber bedeutender Firmen nach. In einem grossen Modell wird uns der

Kindergarten der W. Spindler’schen Fabrik zu Spindlersfeld v

geführt, in welchem 80 Kinder von Arbeitern oder Angestellten der Fabrik während Sommer und Winter Aufnahme und Unterricht in Beschäf- tigungen nach dem Fröbel'schen Lehrplan finden. In Wort und Bild erhalten wir sodann einen Einblick in die Rudolf Mosse’sche Erziehungsanstalt in Deutsch-Wilmersdorf, und auch die Wohlfahrtseinrichtungen der Chemischen Fabrik auf Actien vorm. E. Schering lernen wir genau kennen und schätzen. Gerade diese Abtheilung dürfte zu den wichtigsten und interessantesten der Ausstellung gehören; schildert uns letztere an vielen Stellen den Luxus und Reichthum Berlins, wohl auch in mancher Hinsicht seinen Prunk und Ueberfluss, so werden wir hier vertraut gemacht mit dem wohlthätigen, unterstützungs-

bereiten Sinn vieler seiner Einwohner, die mit Hingebung und Innigkeit das biblische Wort erfüllen:

«Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!«

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DAS HAUPT-INDUSTRIE-GEBÄUDE.

Nachdem die ursprünglich geplante Weltausstellung in den Gedanken der führenden Kreise zunächst die Abschwächung zu einer nationalen und dann weiterhin zu einer Ausstellung mehr lokaler Natur er- fahren, erschien es von selbst ausgeschlossen, die letzten Ausstellungen von Paris und Chicago architektonisch zu übertrumpfen, wie es etwa durch irgend eine Kolossalanlage hätte geschehen können. Das deutsche Bauwesen steht in jeder Hinsicht auf der Höhe der Gegenwart, und in technischer Beziehung lag keinerlei Schwierigkeit vor, durch eine gemeinsame Schöpfung der Architektur und des Ingenieurfachs irgend ein verblüffendes Monstrum in die Welt zu setzen. Man hat glücklicherweise davon abgesehen und ist mehr darauf bedacht gewesen, dem landschaftlichen Rahmen der Berliner Ausstellung durch das Industriegebäude ein Werk einzufügen, das in seiner ganzen Konception von einfacher Grösse und glücklichstem Charakter ist, und das zusammen mit dem Hauptrestaurant und dem vorliegenden See ein ausserordentlich gelungenes Ganzes bildet.

Der Erbauer des Industriepalastes, der durch hervorragende Begabung weithin bekannte Architekt Bruno Schmitz, ist der Schöpfer der grossen Kaiserdenkmäler auf dem Kyffhäuser, an der Porta West-

falica und auf dem deutschen Eck im Rheine bei Koblenz. Mit derselben Grösse des Gedankens, welchem

diese herrlichen Werke entsprungen sind, hat er sich der hier gestellten, völlig anders gearteten Aufgabe gewidmet und mit sicherem Wurf die schwerfällige Masse langer Fronten bewältigt. Es war keine leichte Arbeit für eine Fläche von der Grösse des Gensdarmenmarktes in Berlin ein zusammenhängendes Gebäude zu schaffen, das nach Aussen den Charakter einer Ausstellung nicht verläugnen und dabei trotz seiner enormen Ausdehnung, seiner vorübergehenden Bestimmung wegen dennoch den Schein einer falschen Monu- mentalität vermeiden sollte.

Die Frage, ob man das Hauptgebäude, mit Rücksicht auf eine direkte architektonische Wirkung, nicht besser auf der Treptower Chaussee, also in der Lage des Haupteingangs von Westen her hätte errichten sollen, kann hier füglich übergangen werden, weil die jetzige Lösung ganz allgemein befriedigt; doch sei nur hervorgehoben, dass das Gebäude an jeder anderen Stelle die Beseitigung einer grossen

Strecke alter Alleebäume erfordert haben würde, die sich von selber verbieten musste.

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Ausstellung des Hofmarschall- Amts.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für

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die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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@Ausstelluns der Kl. Porzellan-Manufactur.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Die jetzige Anlage an dem Neuen See ist zweifellos eine ebenso originelle, wie schöne Gruppe und hat den ungemeinen Vorzug, trotz all des Grossen schon dagewesenen, doch wieder etwas Bedeutendes und Schönes geschaffen zu haben. Wer sich auf den kleineren Landes- und Provinzial-Aus

stellungen des letzten Jahrzehntes an dem sogenannten Ausstellungsstil übersättigt hat, wird sich freuen, hier

eine höchst eigenartige Schöpfung zu finden, die alles langweilige und schulmässige glücklich vermeidet,

ohne dabei irgendwie trivial zu werden.

Der Schöpfung des Hauptgebäudes liegen bestimmte Ideen zu Grunde, die uns den Architekten

desselben von Neuem als einen sehr geschickten Baumeister und Künstler erkennen lassen. Sollte der See die Hauptlinie des Centralparkes markiren, so konnte das grosse Industriegebäude, um nicht allzuweit der Stadt entrückt zu sein, nur an der Westseite desselben angelegt werden, auf einem ungleichmässigen Gelände, dessen Grundform auf allen Seiten durch den alten Baumbestand eingeengt wurde. Wer einmal um das ganze Gebäude herumgeht, wird schen, dass die Seitenhalle anscheinend ganz nach Willkür weiter oder weniger weit in den Park hinausreicht, in Wirklichkeit hat man vor jedem einzelnen Baume Halt

gemacht daher die unregelmässige Grundform.

Bei der Architektur ergaben sich ebenfalls Schwierigkeiten, die dadurch glücklich überwunden wurden, dass man der grossen Westhalle einen schmucken Arkadengang vorlegte und dass die künstlerische Betonung: der ganzen Anlage ihren Schwerpunkt in der Höhenentwickelung des Mittelbaus gefunden. So entstand dies merkwürdige Bild, das heute vor uns liegt, wie aus einer fernen Zone von wärmerem Klima hierher ge- zaubert. Nun hebt sich in dem Herzen der Gruppe leuchtend die flache Kuppel hervor, in ihrer breiten vollen Wirkung gesteigert durch die schlanken kühnansteigenden Thürme, deren dolmenartige strahlende Bekrönung etwas Fascinirendes an sich hat.

ünden, wo solcherlei

Unwillkürlich jagt man im Geiste die historischen Stile durch, um zu erg Form zu Hause sei! Und schliesslich bringt uns der Flug der Ideen fernhin nach Spanien, wo die letzten Epigonen der maurischen Kunst unter dem Einflusse des klassischen Italien derartige Gebilde zu schaffen

wussten. Toledo, Saragossa, Burgos, Granada wem drängen sich beim Klange dieser Städte nicht allerlei

romantische Bilder auf, die wie Marmor leuchtend in der südlichen Gluth der iberischen Insel scharfumrissen zum blauen Himmel ansteigen?

Die Silhouette der Industriehalle ist von berückender Eigenart, die Linien der Kuppel verschwimmen in den duftigen Tönen des fernen Horizontes, und nach dem Vordergrunde hin setzt sich die Skala der Effekte fort bis zu dem reichvergoldeten Portale. Von der Seite nimmt man den gigantischen Bogen wahr, durch den eine Fülle des Lichtes in die stolze Kuppel getragen wird, und vor ihm in milderem Glanze hebt sich die Wölbung des Vestibüls, das den Menschenstrom der Wandelha le aufnimmt. Von den blendend weissen Flächen der Hauptfront hebt sich gar kräfig das schirmende Dach der Portale ab, deren flache Linie mit einem Kranze vergoldeter Genien besetzt ist. Sie athmen Lust und Lebensfreude und führen hier den festlichen Reigen auf, der nach des Künstlers Absicht die Frische und die Jugend der Berliner Industrie symbolisch zum Ausdruck bringen will.

Die weitgeöffneten Bogen des Mittelbaus finden ihre Fortsetzung in den luftigen Arkaden der Wandel-

halle, die den sommerlichen Charakter der Anlage noch erhöht, während sie zugleich dem prächtigen Vor-

platz mit seinen Kaskaden und Fontainen eine anmuthige Umrahmung gewährt.

Die Rundhalle hat aber noch einen besonders bezeichnenden Schmuck erhalten, indem auf der First

blühende Lorbeerbäume, durch frische Guirlanden mit einander verbunden, eine lebende Hecke bilden. Diese Art des Pflanzenschmucks ist ein im Süden beliebtes dekoratives Motiv, das übrigens zur Zeit des ersten

Königs bei mehreren Schlössern ‚in: der Nähe Berlins zur Anwendung gekommen ist. Die Ballustraden

der Wandelhalle sind. mit phantastischen Vasen geschmückt, aus Löwenmasken springen erquickende Strahlen,

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reichbewegte Figuren beleben das von Sonnenschein durchleuchtete Bild wie ein Paradiesgarten breitet sich Alles vor uns aus, wie es nur der Geist eines begnadeten und erfindungsreichen Künstlers gebären kann.

Zu den Seiten erheben sich als Abschluss der Halle zwei stattliche Pavillons, von denen aus breite Freitreppen in den Park hinunterführen. Diese Pavillons setzen die typischen Züge des Kuppelbaues in entsprechender Weise fort, indem neben dem flott erfundenen Giebelschmuck zierliche Aufsätze von durch- brochener Arbeit eine wirksame Bekrönung abgeben, während oberhalb offene Gallerien von dem schirmenden Dache behaglich beschattet werden. Das Ziegeldach legt sich mit seinem warmen, tiefrothen Ton fest um

die kleine Rotunde, in deren lichtüberfluthete Wölbung ein Kuppelfenster keck hineinschneidet. Auch hier

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&lusstellun$ der Kgl. Porzellan-Manufactur.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

gipfelt der malerische Aufbau in einer offenen Laterne, deren höchster Punkt wie ein Silberstern hell von dem Wolkenhimmel sich abhebt.

Beschreitet man nun von dem Kaskadenplatz, dessen leuchtende Fontaine an sich eine Sehens- würdigkeit bildet, das Vestibül mit dem hübschen Fernblick in die gewölbte Wandelhalle, so treffen wir auf ein Kunstwerk von hervorragender Schönheit, den für das romanische Haus an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniss- kirche bestimmten, nach dem Entwurfe des Bauraths Schwechten durch Gebrüder Zeidler in Sandstein ausgeführten Drunnen, dessen mächtige Schale von vier gewaltigen Löwen getragen wird. Auf der Spitze steht als Abschluss der obern Schalen eine Rolandfigur, wie sie den Marktplatz der brandenburgischen

Oo Städte im r4. Jahrhundert zierte. Durch die Wucht und Einfachheit dieser Vorhalle, die in der ganzen

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Auffassung den alten Mameluckengräbern sich naht, tritt man in feierlicher Stimmung durch einen mächtigen Triumpfbogen in die stolze Kuppelhalle, von wo aus der Blick über die Prunktreppe hinaus

eine endlos sich entrollende Perspektive geniesst. Frappirend ist der gewaltige Eindruck, den man beim

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Die Wandelhalle mit dem böwen-Brunnen.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896 ı2*

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Eintritt in diese Lichtfülle empfängt; das Gewölbe über uns scheint ins Weite hineingerückt, eine Empfin- dung, die noch dadurch erhöht wird, dass die Wolken im Scheitel den Blick ins Freie sehr täuschend wiedergeben. Die Kuppel selbst ruht auf starken Pfeilern, die als einen schr vornehmen und wirksamen Schmuck vier Kolossalfiguren von Aug. Vogel tragen: Ceres, Vulkan, Merkur und Minerva. Zu ihren Füssen ruhen allegorische Gestalten, die die Industrie und den Handel, die Kunst und die Wissenschaft darstellen in Begleitung anderer charakteristischer Vertreter des Buchdrucks, der Chemie, des Maschinenbaues und der Schifffahrt. Daneben befinden sich am Sockel vier prächtige Köpfe als Sinnbilder der vier Elemente: Erde, Wa

Die Göttergestalten, die von dem Bildhauer im Einzelnen sehr geistvoll und unter leichter Tönung

;ser, Luft und Feuer mit phantastischen Thierleibern von Drachen und Fischen.

der Gewandpartien durchgeführt wurden, treten machtvoll in die Erscheinung, mit ihrer packenden

Das Hauptschiff des Industrie- @ebäudes.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

Kraft das Menschengewimmel zu ihren Füssen hoch überragend. Ueber den reich umrahmten Nischen legen sich Eichen- und Lorbeergezweige mit goldenen Blättern über die Flächen der Zwickel, von den alten Wappen der Gewerke mit wildgearteten Haltern durchsetzt und überragt bis hinauf zu dem offenen Kranze der Wölbung, die von einer goldenen Pergola umrahmt wird. Auf dem Rande liest man in mächtigen Lettern die Umschrift: » Arbezt ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis«. Durch das freie, offene, glänzend schimmernde Schmuckwerk der Gallerie fällt das Auge auf grandiose Malereien, die wiederum eine Verherrlichung der Arbeit in idealer Darstellung uns bieten.

Dort schildert der Historienmaler Klein-Chevalier wiederum die modernen Arbeitsformen unseres

industriereichen Zeitalters, wie es sich mit den vier Elementen der Natur abfindet. Braune kraftvolle Ge-

stalten mühen sich hier mit Spaten und Hacke ab, zu einem Tunnel oder Kanal den Raum der Zrde

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Geweıbe (Ceres). Handel (Mercur). Die EeRöruppen im Kuppelsaal.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896,

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Haupthalle des Industrie- @ebäudes. Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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abzuringen; daneben steht mit realistischer Wahrheit ein breiter Gesell am Ambos, das Zexer mächtig schürend, der Fischer müht sich, die reichen Schätze, die das Wasser bietet, in das schwanke Fahrzeug zu ziehen,

und über Alles breitet sich die azurblaue /zff, aus welcher wiegend ein Adler mit gebreiteten Schwingen

herabblickt der Maler, seiner Kraft bewusst, hat Alles gross und sicher angelegt, mit seinen Ideen die dämmerige Region der hochragenden Wölbung geistig -tränkend hier in idealster Konkurrenz mit

den berauschenden Klängen der prachtvollen Orgel, die vor dem effektvollen Glasgemälde Klein-Chevaliers

in der Östarkade der Kuppel ihren Platz hat.

In Verbindung mit dem eigentlichen Kuppelraum sind die anstossenden Theile der grossen West- halle zu einer Art von Ehrensaal ausgestaltet, der links zur Aufnahme einer Auswahl der kostbarsten Möbel aus dem Besitze des Kaisers, rechts für die Ausstellung hervorragender Arbeiten der Königlichen Porzellan- Manufaktur gewählt worden ist. Die im Hintergrund eingebauten Schranken mit ihren feinen Kapitälchen und Pilastern sind in reichster Weise architektonisch ausgebildet und werden in den Mittelfeldern von reichbewegten, in Weiss und Gold gehaltenen Baldachinen überragt. Sie bekrönen auf der einen Seite das lebensgrosse Bild des Kaisers, auf der anderen aber einen werthvollen Gobelinweberei von seltener Schönheit, die gleich den vier Gobelins an den beiden nächstliegenden Breitseiten ebenfalls aus dem Besitze des Kaisers stammt und von V. Ziesch & Co. ganz vorzüglich renovirt wurden. Die übrigen seitens des Königlichen Oberhofmarschall-Amtes unter Leitung des kunstsinnigen und umsichtigen Direktors der Königlichen Kunst- sammlungen, Dr. Paul Seidel, ausgestellten Gegenstände sind modernen Ursprungs; sie zeigen deutlich, welche hohen, anregenden Aufgaben der preussische Königshof dem deutschen Kunstgewerbe stellt und dass das letztere diesen fördersamen Aufgaben in jeder Hinsicht gewachsen ist, zumal wenn es sich um die verständnissvolle Berücksichtigung früherer Stilarten handelte. Dies beweisen uns die beiden Prunk- sessel ä la Louis XIV., deren auf rothem Sammet ausgeführte Goldstickereien aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stammen, ebenso wie die Seidenstickereien der beiden Ofenschirme, während die Umrahmungen, sorgsame Arbeiten der Holzbildhauer, neuesten Ursprungs sind. Gleich vornehm wirken ein Theetischchen mit eingelegter Arbeit, ein Blumentischehen mit Emaille-Platte in Limoges-Manier, zwei Rococo-Tischehen für Blumenkübel und zwei eigenartige Standuhren, die eine mit reichem Schildpatt Belag und schöngravirten Messing-Intarsien, das von Karyatiden getragene Uhrgestell von einem Apollo gekrönt,

im Genre Ludwigs XIV., die andere, aus gelbem Purpurholz und mit einem wolkenumgebenen Amor auf

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dem Uhrgehäuse, in jenem Ludwig’s XV. gehalten. Die Platte eines im Vordergrunde stehenden grossen S

aus Nephrit mit den Abzeichen des Schwarzen Adler-Ordens in Bronze, ein stattliches Schreibzeug, schöne

hreibtisches mit sehr apart in Bronze ausgeführten Ornamenten enthält u. a. ein kunstreiches Tintenfass

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Lampen mit prächtigen Verzierungen, eine von einem Satyr getragene, silbergefasste Nautilusmuschel (eine

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getreue Kopie des in Dresden im Grünen Gewölbe befindlichen Originals) etc.; erwähnenswerth sind ferner

zwei Kommoden im Stile Ludwig’s XIV. mit grünen Marmorplatten, eine Rococo-Stutzuhr mit zarten

Malereien und ein grosser Ofenschirm, dessen (von Otto Rohloff) kupfergetriebene Platte die auf der

Fahrt nach Rügen begriffene Flotte des Grossen Kurfürsten darstellt. Von den Firmen, die an der Her-

stellung der vorgenannten Gegenstände besonders betheiligt waren, nennen wir ausser den schon oben Genannten Franz Borchmann, F. H. Preetz, Zwiener, Holzbildhauer Hoffmann und Ad. Oppermann. Aus dem Besitz des Kaisers stammt ferner der im rechten Flügel der Halle ausgelegte dunkel- blaue, von breiter Kante mit persischem Muster eingefasste Teppich, der in der Teppichfabrik von Vobach & Hozak in Neuendorf-Potsdam hergestellt wurde. In demselben Flügel finden wir die herr-

liche Ausstellung der Berliner Porzellan-Manufaktur, die mit vollem Recht zu den Glanzpunkten unserer

Ausstellung gezählt wird und die Bewunderung aller Besucher erregt, auch sie ist mit künstlerischem Ver-

ständniss arrangirt, dass jeder der grösseren Gegenstände zu seinem Rechte gelangt. Die eigentliche Mitte

bildet das unter einem von gewundenen Säulen getragenen Baldachin befindliche Gemälde des Kaisers in 13 97

Gardes-du-Corps-Uniform, dessen Portrait-Aehnlichkeit jedoch sehr anzweifelbar ist; der Baldachin dagegen, seine goldene Kuppel von der Krone überragt und seine Draperien von Amoretten gehalten, ist ein voll- endetes Meisterwerk, ebenso der vorn gelegene Springbrunnen in Form einer von Nixen getragenen Muschel, oberhalb welcher ein Amor Wasser aus einer zierlichen Muschel bläst; die flotte bildnerische Erfindung geht hier mit der Malerei Hand in Hand. Das Gleiche beobachten wir auch an der Mehrzahl der theils zur Dekoration, theils zum Gebrauch bestimmten kleineren Gegenstände, die auf den Balustraden um den pavillonartigen Baldachin herum Aufstellung gefunden haben und in ihrer hundertfachen Mannig- faltigkeit immer wieder die Blicke bewundernd auf sich ziehen; bald in Anlehnung an ältere, namentlich

französische Muster, bald in freier Erfindung zeigen diese Teller und Vasen, Schüsseln und Platten, Figuren

Möbel-&Abtheiluns Yaupt-Industrie-@ebäude.

h einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und d&en Vervielfältigungsar!

ten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

und sonstigen Nippessachen, Uhren und Leuchter, Bowlen und Tafelaufsätze etc. unsere Porzellan-Manufaktur auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit. Von imposantem Eindruck sind die beiden drei bis vier Meter grossen, unten mit Ruhesitzen umgebenen, freistehenden (von Professor Schley modellirten) grossen Vasen, um deren Landschaften und Stillleben darstellende Gemälde feingegliederte Amoretten schweben, und zwei hohe Standuhren mit bis ins einzelste kunstreichem figürlichen Beiwerk, das auch einen Kamin mit Spiegel- aufsatz und einen Consolespiegel auszeichnet. An der rechten und linken Seitenwand sind zwei mächtige Fliesengemälde angebracht voll farbenfrohen Inhalts, die wir Meister Kips verdanken, der auf dem einen

Bilde die Gaben des Wassers, auf dem anderen die der Erde in flotter und anziehender Weise ver-

körpert; die Höhe der Gemälde beträgt vier, die Länge neun Meter, die grössten Formate, welche bisher

die Porzellan-Fliesen-Malerei aufzuweisen hatte, und die nach einem neuen Verfahren hergestellt wurden,

das vielleicht berufen ist, eine neue Epoche in der Verwendung der Porzellan-Fiiesen-Malerei herbeizuführen.

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Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfälti

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Die Landschaftsmalereien von Jäkel und die Plumenstücke von Heinicke und Miethe verdienen nicht mindere Anerkennung. Dass die Manufaktur auch dem gewöhnlichen Gebrauchs - Porzellan ihre Auf- merksamkeit zuwendet, beweist eine grössere Zahl derartiger Sachen, die zum Theil für industrielle, bau- liche und wissenschaftliche Zwecke bestimmt sind. Die Porzellan-Manufaktur, die ihre erste Blüthe Friedrich dem Grossen verdankt, der 1762 die bis dahin im Besitze Gotzkowky’s gewesene Porzellanfabrik für eine Viertelmillion Thaler erworben, ist seit ihrer vor einer kleinen Reihe von Jahren erfolgten Reorganisation jetzt den höchsten Aufgaben gewachsen und ihre Erzeugnisse haben in vieler Beziehung die bisher als

‚ehenen der französischen Staatsfabrik geschlagen. Mit der Manufaktur, deren Leiter

mustergültig an; Dr. Heinecke ist, dem als Maler Professor Kips und als Modellmeister Bildhauer Schlag: zur Seite stehen, ist eine chemisch-technische Versuchsanstalt verbunden, die für unsere gesammte Porzellanfabrikation von

wesentlichem Werth ist, umsomehr, als die in dieser Anstalt gemachten Entdeckungen und Erfindungen

nicht als Geheimniss betrach:et, sondern zur allgemeinen Kenntniss gebracht werden.

In den beiden Hallen ist seitens des Reichsmarine-Amtes eine äusserst interessante Ausstellung ver- anstaltet worden, welche uns in zahllosen Modellen znsere junge deutsche Marine vor Augen führt. Alle Typen unserer Kriegsfahrzeuge sind hier vereinigt worden und zwar in demselben Grössenverhältniss, sodass man eine wahre Vorstellung erhält, wie sich die Schiffe in ihrer Grösse zu einander verhalten. Da sehen wir die schweren Eisenkolosse mit ihrer im Ernstfalle verderbenspeienden starken Armirung, die

leichteren, mehr zum Küstenschutz dienenden Panzerschiffe, die Kreuzer, darunter S. M. Yacht »Hohenzollern«,

und Panzerkanonenboote, die Avisos und Kreuzerkorvetten, endlich Torpedodivisionsboote und Torpedoboote. Die Modelle, denen die nöthigsten Erklärungen beigegeben sind, sind auf das sorgsamste ausgeführt und auf

getreueste den Originalen nachgebildet; verschiedenen von ihnen sind die Modelle ihrer Maschinen

das beigefügt, die einen Einblick in die sonst schwer zugängliche, geheimnissvolle Triebkraft der Schiffe er- möglichen. Ist sie auch noch nicht allzu umfangreich, unsere deutsche Flotte, so flösst sie doch durch ihre kraftvollen Einzeltheile Vertrauen auf ihre Hülfe in Gefahr ein, und dass sie von Jahr zu Jahr eine ziel- bewusste Vermehrung erfährt, zeigen die Modelle der schon im Bau begriffenen oder erst jüngst in Auftrag

gegeben neuen Panzerschiffe und Kreuzerkorvetten, die sich durch viele neue, als praktisch bewährte

Einrichtungen auszeichnen.

Zu beiden Seiten des Kuppelraumes und seiner Ehrensäle ist die Yols- Industrie, welche Gruppe IV ausfüllt, untergebracht worden; sie zählt über zweihundert Aussteller und zerfällt in sieben Untergruppen: I. Möbel, Spiegel und Billards, II. Bautischlerei, Leisten, Rahmen ete., III. Bildhauer-Arbeiten und Möbel- beschläge, IV. Tapezier-- und Dekorateur - Arbeiten, V. Drechsler - Arbeiten, VI. Korbmacher - Arbeiten, VII. Böttcher-Arbeiten. Den breitesten Raum hiervon nimmt die Möbel-Industrie ein, die nächst der Kon- fektion und Metall-Industrie zu den grössten Industriezweigen Berlins gehört, giebt sie doch gegenwärtig an 40000 Personen Beschäftigung. Die Kunsttischlerei, welche der Möbel-Fabrikation ihren Stempel auf- drückt, ist in Berlin alten Ursprungs; in unseren Museen, auch in manchen privaten Sammlungen finden wir eine Reihe von Schränken und Truhen, Tischen und Sesseln, welche in der zweiten Hälfte des fünf-

zehnten Jahrhunderts in Berlin gefertigt wurden und sich durch ihre reiche und zierliche Schnitzarbeit wie

durch ihre mannigfaltigen, im Stil der deutschen Renaissance gehaltenen Formen auszeichnen. Der dreissigjährige Krieg liess, wie so vieles Andere, auch dieses Kunsthandwerk fast völlig untergehen, bis es unter dem prunkliebenden König Friedrich I. und dem Einfluss, der sich bald heimisch in Berlin fühlenden Refugies einen neuen und erspriesslichen Aufschwung nahm, von dem uns deutlich die preussischen Königsschlösser

zählen. Auch unter der Herrschaft Friedrichs des Grossen erhielt es vielfache Anregungen, besonders

von Frankreich her, in den Stilarten Ludwig’s XIV. und XV. mit theilweise sehr kostbaren Boule-Möbeln, daneben auch mit leichtgefügten Rococo-Einfassungen zu bemalten und gestickten Sammet- wie Seiden- stoffen. Der Anfaı

ıg unseres Jahrhunderts brachte diesem Industriezweige eine trostlose Oede und lang-

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Graphische Künste und Buchsewerbe. Bronzewaaren.

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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dauernde Gleichgültigkeit gegen jedes künstlerische Erfassen etwelcher Aufgaben, und als dann die Massen- Fabrikation durch Maschinen begann, dauerte die Nüchternheit in der Erfindung und Armuth in der Aus- führung an, bis von aussen, durch die Weltausstellungen in London und Paris, gelegentlich derer man die eigene Unzulänglichkeit erkannte, der Ansporn zu einer kunst- und zielbewussteren Thätigkeit erfolgte. Der Staat unterstützte dies Bestreben durch Gründung kunstgewerblicher Sammlungen und Schulen, und mit Eifer und Umsicht wurde in verhältnissmässig kurzer Frist nachgeholt, was viele Jahrzehnte hindurch ver- säumt worden war; die guten Folgen zeigten sich bald, nicht nur in der Heimath erwachte in weiteren Kreisen die Freude an einer stilvolleren Ausschmückung der eigenen Räume, auch der Export nahm erheblich zu, und selbst nach dem Orient gingen Berliner Möbel. Auf der letzten Berliner Ausstellung vom Jahre 1878 erschien unsere Möbel-Industrie, die infolge jener erwähnten monotonen Massen-Fabrikation auf der Philadelphiaer Weltausstellung eine arge Schlappe erlitten, wohlgerüstet auf dem Plan, und die Zeit bis heute hat sie nicht nutzlos verstreichen lassen, sondern, unterstützt von dem zunehmenden Wohlstande, sich immer anhaltender ernsten kunstgewerblichen Aufgaben zugewandt. Daneben machte auch die Fabrikation billiger Sachen grosse Fortschritte, mit dem erfreulichen Unterschiede gegen früher, dass auch hier auf ein möglichst anmuthiges Aeussere und eine Befolgung bestimmter moderner Stilarten gesehen wurde. Wieviel der letzteren heute in Mode sind, zeigt uns diese Berliner Ausstellung, von der Gothik

und der ihr folgenden deutschen Renaissance des auslaufenden Mittelalters an zum französischen Rococo

der beiden meistgenannten Ludwige, dann zum Empirestil, der sich trotz mancher Versuche bei uns nicht dauernd einzubürgern vermochte, und den wenig anmuthigen englischen Vorbildern bis schliesslich zu den equemen amerikanischen Möbeln, die rasch Verbreitung gefunden und nun auch in Berlin gefertigt werden.

Die vollständigen Möbel-Einrichtungen sind in über hundert Kojen untergebracht, die uns eindringlich den ernstlichen Fleiss und das unermüdliche Streben unserer grossen Industriellen sowohl, wie auch der kleineren Meister veranschaulichen. Wenden wir uns zuerst nach links und zwar nach jenem grösseren Raum, in dessen Mitte sich eine hohe Glas-Pyramide mit einem Krystallglas von 7'/, Quadratmeter, dem grössten bisher geschliffenen Glas in dieser breiten Fagettenform, der Aachener Glas- und Spiegel-

lanufaktur erhebt, welche hier die trefflichen Billards von J. Neuhusen, dort die Kanzel nebst Altar

von H. D. Bünz widerspiegelt. Unsere Blicke werden zunächst durch die umfangreiche Ausstellung von J. C. Pfaff gefesselt, der nicht weniger wie sechs Zimmer, jedes verschieden und fast jedes eine andere Stlart repräsentirend, hier vereinigt hat; an der Spitze steht der Rococo-Salon mit seinem werthvollen holz- geschnitzten Plafond, benachbart liegt ein Herrenzimmer in gothischem Stil, der mit seinen dunklen Farben

gegen den frohsinnigen, lichten Nebenraum etwas herb absticht; der Entwurf rührt von dem bekannten

Architekten Walther Schmidt her, die kunstvolle Wanddekoration entstammt der Berliner Gobelin- Manufaktur, welche die lange Zeit nicht geübte Gobelin-Weberei zu neuer Blüthe entfacht hat. Einfacher gehalten sind ein Wohn- und Schlafzimmer, in freundlichen Tönen ein Salon, in gediegener Kraft ein eichenes Speisezimmer mit hohem Buffet und praktischem Kredenztisch.

Drei Zimmer rühren von C. Pohl her, in dem Damenzimmer, dessen Polstermöbel in grüner Seide gehalten sind, wie überhaupt Grün in seinen verschiedenartigsten Nuancirungen uns sehr häufig in den

Polsterungen etc. begegnet, fallen uns bei den in Korallenholz ausgeführten Empire-Möbeln die schönen

Intarsien auf, die neuerdings in Berlin mit grossem Verständniss und günstigem Erfolg gepflegt werden. Das schen wir an der Ausstellung von J. Groschkus, dessen Salon im Stile Ludwig’s XV. prächtige, zum Theil kunstvoll bemalte Stücke mit Intarsien aus Elfenbein, Goldbronze und Schildpatt enthält, ebenso wie der sehr aparte Damen-Salon im Barock-Stil und ein in deutscher Renaissance gehaltenes Schlafzimmer mit Möbeln aus Eichenholz. Welcher grossen Beachtung sich diese Intarsien-Arbeiten erfreuen, beweisen die Spezial-Ausstellungen von E. Nass, aus einer ganzen Kollektion echter Intarsien in Holz, Perlmutter, Elfen-

bein, Metall, Schildpatt etc. zusammengesetzt, und von Völm & Huth mit reicheingelegten Platten für Möbel

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und Pianos sowie für ganze Wandtäfelungen. Von Max Lubecius stammen imitirte Holz-Intarsien, von Matz & Comp. schöne gepresste und handgeschnitzte Leder, die gleichfalls zu Möbelzwecken gebraucht werden, während Emil Grahl ebenfalls hierzu bestimmte gepresste Möbel- und Seidenplüsche und Adolf Burchardt Söhne äusserst geschmackvolle Artikel für Innendekoration ausstellten. /

In der Nähe der Pfaff’schen Zimmer sind noch in verschiedenen Kojen die Zimmer -Einrichtungen von Flatow & Priemer, welche Firma sich auch angelegentlich m’t sorgsamer Innen - Architektur und completen Dekorationen ganzer Wohnungen beschäftigt, und Friedrich Thierichens, letztere mit Herren-

und Schlafzimmer, untergebracht. R. Friedrich stellte einen in den Polstermöbeln grün gehaltenen

Kunst-Öchmiede- Arbeiten.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 18986.

Salon in Altmahagoni aus und W. Raschky & Comp. einen vornehmen Damen-Salon mit zarten Seiden- möbeln, ein allerliebstes Boudoir gleich angeschlossen und nur getrennt von dem Wohnraum durch rothe Seidenvorhänge an schmiedeeisernen Verzierungen. Grosse Ehre legt die junge Firma von Julius Zwiener,

deren wir schon bei der Ausstellung des Ober-Hofmarschall-Amtes gedacht, mit ihren schönen eingelegten

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Möbeln ein, die freilich nur für die, »welche es haben«, erreichbar sind, während H. Schlesinger mehr aufs Praktische geht und mit seinen in Betten zu verwandelnden Möbeln viele Anerkennung findet, eleich R. Jaekel, der durch zahlreiche Gegenstände sein Waarenzeichen »Schlafe patent« ausgezeichnet illustrirt Nach den Entwürfen des Königlichen Bauraths O. March stellten Krieg & Goerke einen Salon und ein

Herren-Zimmer aus, und auch »unser Chinese«, Taen Arr-Hee, fehlt nicht, von ihm stammt eine Salon-

Einrichtung mit sehr gefälligen Bambus- und Rohrmöbeln, sowie einer Fülle origineller chinesischer Nippes- sachen. Sehr vornehm wirkt ein pfirsichgrün gehaltenes Boudoir von Ferdinand Voigt mit Gobelins

und einer eine Ideallandschaft bergenden nischenartigen Vertiefung, äusserst behaglich ein Herrenzimmer

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von Richard Toepke im gothischen Stil, sehr luxuriös ein goldie gehaltenes Schlafzimmer von C. F. A. Stiefler & Comp., einfach und ansprechend die von der Societät Berliner Möbeltischler herrührenden Speise- und Schlafzimmer. Sehr gediegene holzgeschnitzte Möbel entstammen der Genossen- schaft des deutschen Tischler-Innungs-Verbandes, anmuthige Rococo-Möbel der Firma F. Ulbricht, auch A. S. Ball huldigen dem französischen Geschmack mit schönbemalten Rococo-Möbeln in einem Schlaf-

zimmer; die Fabrikate von Th. Fork, Kretzschmar & Comp. zeichnen sich im Einzelnen wie in ganzen

Zimmer- und Wohnungs-Ausstattungen durch ihre mäss'gen Preise aus, auch die Berliner Möbel-Halle hat

dies zu ihrem Prineip gemacht, erfreulich den deutschen Geschmack in ihren Gesammt-Einrichtungen pflegend

Porzellan- und Glaswaaren. Yraupt-Industrie-@ebäude.

Nach einer Originalaufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Dem englischen Geschmack huldigt C. Prächtel in einem unter einem luftig gebauten Frühstückszimmer, das u. a. auch kostbar eingelegte Mahagoni-Möbel enthält; deutsch dagegen und zwar in Danziger Manier ist das Herrenzimmer. Max Schulz & Co. stellten die kräftig empfundenen Möbel zu einem Speise- und Wohnzimmer aus, dieselbe Firma giebt eine Probe ihrer kunstvollen Holz- schnitzarbeiten mit dem in Buchsbaum geschnitzten »Reichstintenfass«, für das Bundesrathszimmer im Reichs- tage bestimmt. Eine ganze Reihe Gemächer stellte Herrmann Gerson aus, sie könnten ein kleines Palais füllen und sind denn auch in ihrer aparten und vornehmen Zusammenstellung nur für die »Oberen Zehn- ‘tausend« bestimmt; auf farbige Wirkung im Kleinen wie Grossen ist überall gesehen und der Geschmack ein ganz erlesener. Ein Mahagoni-Schlafzimmer im Empire-Stil brachte Th. Heese, ein sorgfältig ein- gerichtetes Schlafzimmer N. Ehrenhaus, ein Speise- und Wohnzimmer mit schr behaglichen Polstermöbeln Spinn & Mencke zur Ausstellung. Von jenen Firmen, die nur einzelne Möbel ausstellten, erwähnen wir

Emil Benedix mit seinen bequemen Lutherstühlen, Jean Büschelberger mit praktischen Spiel- und

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Mu) Arbeitstischen mit Mechanik, Gebauer & Albrecht mit ihren verschiedenartigen Ausstattungs - Gegen- ständen, H. Gesch und Gebr. Funck mit ihren Luxusmöbeln, Boehm & Haroske mit Schreibtischen mit versenkbarer Platte, R. Hetzel mit Nussbaum-Buffets und Kredenzen, Carl Krug jr. mit Möbeln für Salons und Herrenzimmer, J. Mailaender mit Einrichtungen für Aontors, G. Peters und H. A. Schog mit hi Fantasie-Möbeln, Joh. Scheel mit den vielverbreiteten Auszichtischen ohne Einlageplatten, Rob. Schreier mit kleineren Gebrauchsmöbeln und Holzwaaren und Ferd. Vogts & Co., welche die Lesehalle im Thurm ı u des Hauptrestaurants eingerichtet, mit Bücherschränken, Lesetischen und den praktischen Drehbibliotheken. hre Spezialität in Küchen-Einrichtungen bewährten E. Dosda, A. Golz und Carl Lutze; Paul Hyan g

! N hat sich besonders auf den gesundheitlichen Anforderungen möglichst entsprechende Schulbänke und Theater- |

sitze gelegt und mit seinen Mobilien für Lehranstalten verdiente Anerkennung gefunden.

Welche Wichtigkeit im industriellen Leben der Hauptstadt die Fabrikation von Leisten und Rahmen

yesitzt, zeigen die Ausstellungen einzelner grosser Fabriken, so von A. Werkmeister, dessen Gold-,

| >olitur- und Alhambra-Leisten nach allen Weltgegenden exportirt werden, die kunstfertigen Einrahmungen

“ll von Gebr. Zickendraht und die geschmackvollen goldenen Dekorations-Artikel von Adolph Königs- berger, die gleichfalls vielfach ins Ausland wandern. Aufmerksame Beachtung verdienen die mannig-

j achsten Ansprüchen gerecht werdenden Drechsler-Arbeiten der Berliner Drechsler-Innung und die In,

Kollektiv-Ausstellung der Aorömacher mit ihren leichten und dabei haltbaren Garten- und Balkon-Möbe

Kinder- und Puppenwagen wie Körben in reicher Wahl.

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| jei unseren Wanderungen durch die rechtsseitig vom Haupteingange gelegenen Abtheilungen der

Holz-Industrie sind nicht nur unsere Augen durch all’ das Schöne und Gediegene, das hier in überreicher i Sa 8 5 .

"ülle aufgebaut ist, gefesselt worden, auch unsere Ohren bekommen zu thun durch die Aufnahme von

Tönen aller Art, die, bald gedämpft, bald laut, bald einzeln, bald in schwerer Fülle zu uns herüberdringen, uns anzeigend, dass wir in unmittelbarer Nähe der die Gruppe XII. bildenden Musik - Instrumente weilten.

latte man besonderes Glück, so verschwanden plötzlich all’ die mannigfachen und oft so wenig harmonischen y il Xlangwirkungen unter den von Künstlerhand hervorgerufenen hoheitsvollen Orgelklängen, der von Gebrüder Dinse erbauten grossen Kirchenorgel entstammend, die ihren architektonisch reichgegliederten | I Prospect dem Architekten des Hauptpalastes, Bruno Schmitz, verdankt.

| 125 Aussteller repräsentiren die Berliner Musikinstrumenten-Industrie, die alten Datums ist und schon

ij im vergangenen Jahrhundert durch ihre sauberen und sorgfältigen Arbeiten die Aufmerksamkeit des Aus-

| IN] andes erregte. Wurden beispielsweise Blasinstrumente bereits seit langem in hoher Vollendung geliefert, \ in . nn . . . Ei .. . . . .

a so liess dafür die Herstellung von Pianos viel zu wünschen übrig und sie wurden meist nach Berlin von auswärts, von Dresden und Wien, eingeführt. Auch bis zur Mitte unseres Jahrhunderts behauptete der

\ Wiener Instrumentenbau seine Oberherrschaft über den Berliner, bis sich fast unversehens ein völliger

Umschwung vollzog und die Berliner Klaviere sich den Weltmarkt eroberten. Das war in erster Linie

einem Manne zu verdanken, Carl Bechstein, der mit kleinen Anfängen 1856 seine Firma gegründet, sie

aber durch eigene Thatkraft und durch kluge Erfindung ausgezeichneter Verbesserungen und geschickte

Anwendung derselben schnell zu grosser Blüthe brachte und 1862 bereits, wo ihm auf der Londoner In- dustrie-Ausstellung der erste Preis zuertheilt wurde und er hierdurch die Augen der gefeiertsten Musiker

In auf sich lenkte, an 150 Arbeiter beschäftigte, die jährlich 400 Instrumente fertigten, von denen fast die

Hälfte bereits ins Ausland ging. Seitdem hat sich der Weltruf der Firma stets befestigt, heute gehen

iE | jährlich aus der Fabrik, die über 500 Arbeitern sicheren und reichlichen Unterhalt gewährt, 3000 Instru-

| mente hervor, die den Ruhm der jetzt 4000 Arbeiter beschäftigenden Berliner Instrumenten-Industrie, der a durch viele andere klangvolle Firmen unterstützt wird, über die ganze Welt verbreiten.

1 Der Firma Bechstein war denn auch naturgemäss in der Musik-Abtheilung der Ehrenplatz ein-

geräumt worden und zwar in der den hauptsächlichsten Musiksaal abschliessenden Rotunde, wo auf einem

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Gebäude. graphie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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{ Hüte. Wäsche-Konfektion. Haupt-Industrie-Gebäude.

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Podium etwa zwanzig verschiedene -Instrumente, welche ein Bild der gesammten Fabrikation der Firma geben, die sich auch nach dem Geschmack einzelner ausserdeutscher Länder richtet, Aufstellung fanden.

Drei davon bilden die Prunk- und Paradestücke, unter ihnen wieder nimmt ein Gold in Weiss gehaltener

prachtvoller Flügel die erste Stelle ein. er ist nach dem Entwurf Professor Max Koch’s, der auch die

Malereien übernommen, gearbeitet und von E. Taubert mit meisterhaften Holzschnitzereien, die uns aus Wagner's »Rheingold« die von Alberich verfolgten Rheintöchter vorführen, geschmückt worden, reiche Bronzeverzierungen verstärken noch mehr den prunkenden Eindruck. Die beiden anderen Flügel sind in Nussbaum gefertigt, der eine in Grün und Gold, der andere in Rococo-Formen von Professor Max Koch,

von dem die Zeichnungen zu ihm herrühren, bemalt. Unter den übrigen Bechstein'schen Instrumenten

Historische [rachten. Haupt-Industrie-@ebäude.

Mit Erlaubniss des Herrn Moritz Bacher.

erregen die für die englischen Kolonien bestimmten specielles Interesse; sie sind aus starkem Holz ge- arbeitet, um dem Tropen-Klima stand zu halten, und in allen Theilen verschraubt, um sich nicht bei der grossen Feuchtigkeit aufzulösen; selbst an einem japanischen Pianino mangelt es nicht, es ist mit in Elfen- bein geschnitzten Chrysantemums geschmückt.

Nach Bechstein erscheint mit der grössten Zahl von Instrumenten, und zwar acht, J. L. Duysen; seine geschmackvoll dekorirte Koje ist sofort durch eine Copie der Ruben’schen Heiligen Cäcilie erkennbar. Auch hier fesseln mehrere Instrumente, in Renaissance- und Rococostil, durch ihre schöne Schnitzarbeit (von E. Hettwig) die Aufmerksamkeit. Diese Firma exportirt gleichfalls viel nach dem Auslande und ihr Geschäfts- umsatz nimmt verdientermaassen von Jahr zu Jahr zu. Grosser Beliebtheit erfreuen sich die Instrumente

G. Schwechten’s, von denen ein kostbarer Flügel schöne Boule-Einlagen aus Schildpatt mit Goldbronze-

=) Aus „Ein Jahrhundert der Mode“. 21 Bilder des Trachten-Pavillons der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Verlag Moritz Bacher, Berlin.

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Einrahmungen aufweist. Die Transponirpianinos W. Schönlein’s werden den in den Noten weniger Festen

sehr willkommen sein, grosse Beachtung findet Dr. R. Eisenmann’s elektrophonisches Klavier, welches mehrfach in letzter Zeit öffentlich mit Erfolg vorgeführt wurde, ebenso wie E. H. Heyse’s Pianino mit klingendem Pedale, während A. Grand's Pianino mit einem Harmonium vereinigt ist. R. Barthol stellte neben einem volltönenden Konzert-Pianino ein in englischem Stil gehaltenes Pianino aus, welches durch eine sinnreiche Vorrichtung dem Anfänger ein stummes Ueben ermöglicht, während Menzel & Berndt

ein Komponisten empfehlenswerthes Piano mit Schreib-Vorrichtung sandten. Auf künstlerische, ausnahms-

los gefällige Ausstattung ihrer Instrumente sahen Görs & Kallmann, J. Pfaffe, C. Ecke, F. Neumeyer,

F. Rösener etc. und ihnen schliessen sich die altbekannten Firmen W. Biese, W. Börger & Sohn,

Historische Trachten. Haupt-Industrie-Gebäude.

Mit Erlaubniss des Herrn Moritz Bacher.*)

A. Endres (mit für jedes Pianino passenden elektrischen Apparaten), Conrad Krause, H. Kriebel, E. Laemmerhirt, G. M. Moebes & Co., L. Neufeld, C. J. Quandt, E. Westermayer etc. an.

Zeigen sich uns hier die fertigen Instumente, so weihen uns andere Aussteller in deren Inneres ein, ein- zelne Theile desselben zur Schau stellend, wie es auch Bechstein gethan. Hier mögen die Firmen H. Buchholtz mit Rlaviaturen, Ad. Lexow, A. Fischer, C. Schwohls & Co., G. Wiesener, C. Leuschner und R. Nespeda genannt werden.

Gross ist die Zahl der Aussteller in der Gruppe der Streich- und Blasinstrumente wie der mecha- nischen Musikwerke; letztere haben ja infolge des automatenhaften Betriebes eine grosse Volksthümlichkeit

erreicht und viele Besitzer öffentlicher Lokale scheinen garnicht mehr ohne ein Orchestrion oder mindestens

eine Spieluhr auskommen zu können, wennschon ihnen da ihre russischen Kollegen mit den viele tausend

Aus „Ein Jahrhundert der Mode“. 21 Bilder des Trachten-Pavillons der Berliner Gewerbe-Ausstellung. Verlag Moritz Bacher, Berlin.

Rubel kostenden, oft elektrisch betriebenen Musikwerken „über“ sind. Frati & Co. und die Berliner

Musikinstrumenten-Fabrik, vormals Ch. F. Pietschmann & Söhne, haben eine ganze Zahl,

derartiger mechanischer Musikinstrumente ausgestellt, denen die klangvollsten Namen, wie »Herophon

‚Manopan“, „Celesta‘“ beigelegt sind und die viel angestaunt werden. Bei den Blasinstrumenten seien die

Firmen E. Rittershausen (Flöten), F. A. Schmidt jr, (Trompeten), F. W. Moritz (Signal - Instrumente),

Emil Heise (Okarinaflöten) und C. & P. Hemesaa

t, bei den Streich - Instrumenten ]J. Hornsteiner,

E. Kessler, Fr. Günther, CE. Schulze, L. Neuner, Osw. Möckel genannt. Otto Heinrichs

stellt neue „Schoossviolinen“ aus, die nach Art der Zi

und Zithern auch Xylophone und Artisten-Instrume

Ein vielfach verbes

und Orchestrions von Cocchi, Bacigalupo & Gra a ei

Frati & Co. die umherziehenden „lItalianos‘‘ mit Dre

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sertes Konzert-Harmonium

hern gespielt werden, R. Effner neben Violinen

ırt von Emil Laemmerhirt her, kleinere Orgeln

figna, die, irren wir nicht, gleich ihren Landsleuten

horgeln ausrüsten. Kommen wir zu den Schlag-

Instrumenten, so verdient die von Heinrich Meissner veranstaltete interessante Gruppe historischer

Tambours der preussischen Armee vom Grossen Kurfürsten bis zur Jetztzeit besondere Hervorhebung;

auch K. Heilbrunn Söhne liefern Trommeln,

Pauken etc. für die Armee.

Von dem zweiten Musiksaal gelangen wir in einen parallel laufenden Raum, der von der Metall.

Industrie eingenommen wird; aber erreichen unc Mittelgang, wo wir die grossen »Aushängeschilc vierhundert Ausstellern in vier Untergruppen zer

leuchtungs-Gegenstände, IV. Waaren aus verschiec

Welcher von diesen vier Gruppen wir uns zuerst zuwenden, ist nicht schw

fällt:

durchschreiten wir mit wenigen Schritten den breiten

er« dieser Gruppe, der siebenten, finden, die mit fast

I. Gold-, Silber-, Juwelier- und Neusilber-Arbeiten,

II. Waaren aus Eisen und Stahl, Werkzeuge, Haus- und Küchengeräthe, Hand- und Feuerwaffen, II. Be-

enen Metallen, Galvanoplastik.

r zu entscheiden

wie glänzt und gleisst, blitzt und blinkt, funkelt und schimmert es doch von dort links herüber, wo in

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schmucken Glasvitrinen die ersten Berliner Juweliere ihre lockenden Schätze ausgestellt haben. Lockend

fürwahr, von einer fast magnetischen Anziehungskraft, denn dieser Raum hier gehört zu den vielbesuchtesten

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der ganzen Ausstellung und zu den kritiklos am meisten bewundertsten, denn überall vernimmt man nur

Ausrufe des Staunens und Entzückens und ach,

gehrendes Wort!

so manchen Wunsch, so manche Bitte, so manch’ be-

Aber es ist auch eine Gruppe, die sich in des Wortes wahrster Bedeutung »sehen lassen kann«

und die unserer Edelschmiedekunst ein hohes Zeugniss ihres musterhaften Könnens ausstellt. Alt-Berlin

bereits lieferte in dieser Beziehung vollendete Arbeiten; hochgeschätzt von dem kurfürstlichen Hofe und der

reichen Bürgerschaft sehen wir einige Meister der edlen Gold- und Silberschmiedekunst ihr Handwerk aus-

üben, und unter den Schätzen unseres Königshauses, die mehrere Buffets in den Prunkräumen des Berliner

Schlosses füllen, finden wir einige ihrer künstlerisch durchdachten und vollendet ausgeführten Werke

aufbewahrt. Der »grosse«, der dreissigjährige Krieg, liess auch hier eine lange, lange Stockung eintreten,

die bis in unser Jahrhundert hinein währte. In vielen Kreisen schien der Sinn für schönes Tafelgeräth und

vornehmen Schmuck fast ganz erstorben, wohl hielt man die von den Altvordern ererbten Stücke hoch und

werth, aber man trachtete sie nicht durch Neuanschaffungen ähn icher Art zu vermehren, auch wurde die

Kauflust kaum durch die zum Theil recht altmodischen und nach der Schablone gefertigten Arbeiten

erweckt Erst Friedrich Wilhelm IV. gab Anregungen zu verschiedenen grösseren Arbeiten, die diesem

Zweig des Kunstgewerbes lohnende Aufgaben stellten, die eigentliche Wiederbe ebung aber fiel in die Zeit

nach dem deutsch-französischen Kriege, wo plötzlich mit dem zunehmenden Wohlstande und mit dem neu

erwachten und erstarkten Nationalgefühl auch das Interesse für eine bessere Ausschmückung des Heims und

für edle Gold- und Silbersachen wuchs und man sich mit frischer Begeisterung den von den grossen deutschen

Meistern des Mittelalters stammenden Werken zuwandte, die auch dem jungen deutschen Kunstgewerbe als

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erstrebenswerthe Vorbilder dienten. Fördersam griff der Staat durch die schon erwähnte Gründung kunst gewerblicher Sammlungen und Lehrstätten ein, kunstgewerbliche Ausstellungen, namentlich in München, regten den Wetteifer an, aus den Kreisen der Bevölkerung kamen Aufträge zu Ehrengaben aller Art, und eine wichtige Stärkung der einschlägigen heimischen Industrieen erfuhren letztere durch den vom Reiche ausgeüibten Schutzzoll, der ausländische Luxuswaaren, die bei der deutschen Vorliebe für das Fremde noch immer starken Absatz gefunden, mit hohem Zoll belegte.

Unsere Ausstellung zeigt uns, wie ebenbürtig unsere Juweliere, unsere Gold- und Silberschmiede ihren Kollegen an der Seine und Themse gegenüberstehen. Durchgehends fast legen die ausgestellten Gegenstände von hochentwickeltem Formensinn und von ernster Arbeit Zeugniss ab, in vielfacher, oft abwechselnder Verwendung sehen wir den im 16. Jahrhundert uns aus dem Orient zugeführten Brillanten, den »ungeselligen Burschen, der keinen anderen neben sich duldet«, wie ihn Professor Luthmer in einem Vortrage bezeichnet, ohne den ein reicheres Schmuckstück heute kaum noch zu denken ist.

Rechts fesseln uns die Schränke von J. H. Werner, dem die Ausführung einer grossen, etwas dem Empirestil sich zuneigenden silbernen, hier ausgestellten Bowle, zu welcher der Kaiser die Zeichnung geliefert, übertragen wurde. Eine funkelnde Brillant-Corsage zieht die Augen auf sich, daneben in einem einfach gehaltenen goldenen Armreif ein viel kostbarerer grosser Brillant und ein aus herrlichen, matt glänzenden Perlen gebildetes Halsband im Werthe von 100000 Mark. Interessant ist die durch eine Reihe

sich aneinander schliessender und stets ergänzender Muster erfolgte Darstellung bestimmter Schmucksachen

vom ersten Anfange an bis zum vielbegehrten Kunstwerk. Schwere Silbergeräthe finden wir bei D. Voll- gold & Sohn, als Hauptstück ein dem lürsten Bismarck gewidmeter Tafelaufsatz in kraftvoll-schönen Formen; der hoch im Siegeswagen thronende Genius hält ein Schild mit dem wohlgelungenen Reliefbildniss des Fürsten: auf einer hinten am Wagen geschickt angebrachten Cartouche erblicken wir das von einem Blitzstrahl durchzuckte Napoleonische N. Hervorragend sind die Vollgold’schen Nachbildungen einzelner Stücke des Lüneburger Silberfundes und mehrere Tafelgeräthe nach eigenen an altrömische Formen sich anlehnenden Entwürfen. Prächtige goldene und silberne Tafelgeräthe in künstlerisch vornehmster Auffassung sowie prunkhafte fürstliche Geschenke stammen von ]J. Godet & Sohn, der seit 1761 in Berlin bestehenden Firma, welche ihre grosse Leistungsfähigkeit bei der Herstellung resp. Erneuerung der Reichs-Insignien bewiesen; eine Spezialität der Firma bilden Orden und Ehrenzeichen in Originalgrösse und zierlicher Ver- kleinerung, in reichster Auswahl hier vertreten. Auf Schmucksachen ebenso eigenartiger wie anziehender Art und in fesselndster Auswahl treffen wir bei Hugo Schaper, der bei den Ketten und Spangen, die in dem kleinsten Stück die durchgebildetste Arbeit aufweisen, Opal und Email besonders bevorzugt hat; mit sichtlicher Liebe sind reich in deutschem und italienischem Renaissance-Stil verschiedene Ehrenpokale gearbeitet, unter ihnen ein Hildesheimer »Maigrafenbecher«, der jeden Vergleich mit früheren Meister- stücken aushält.

Spezielle Anziehungskraft übt der Pavillon der Hofjuweliere Gebrüder Friedländer aus, da hier die werthvollsten, zum Theil ungefassten Diamanten zur Schau liegen, unter ihnen Steine für 50000, 58 000 und 100000 Mark, letzterer der 80'/, Karat wiegende Diamant »Ideal« von reinstem Feuer; die Schmuck- sachen, wie Kunst- und Gebrauchsgegenstände rechtfertigen den altbewährtem Ruf der Firma. Blendende Diamant-Schmucksachen sandten Joh. Wagner & Sohn, unter ihnen einen Brustschmuck in Zweig- und Blüthenform von erlesener Schönheit; auch an goldenen Tafelgeräthen und Ehrenpokalen ist kein Mangel, ebensowenig bei der Ausstellung von Sy & Wagner, von der hauptsächlich das dem Prinzen Heinrich zu

seiner Vermählung von der Schleswig-Holsteinischen Ritterschaft gewidmete Tafelgeräth und die silberne

Statuette Kaiser Wilhelms I. hervorzuheben sind. Paul Telge zeigt seine Kunst ebenso in der Nachahmung antiker Schmucksachen, überwiegend mit zarter Filigranarbeit, wie in der Herstellung moderner Schmuck-

stücke von aparter und gefälliger Erfindung. Ausgezeichnete Schmucksachen, grösstentheils in Verbindung

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al-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Ansichten aus der flaupthälle. Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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mit Diamanten, sandten Louis Werner, E. Marcus, A. Rlinzing, Janus & Friedrich, F. Schade,

G. Schoder und C. Siegele. Werthvolle silberne Tafelgeräthe fertigten Behnisch & Comp., Friedrich & Rust, Ph. Funck, H. Meyen & Comp., die auch im Auslande ein grosses Absatzgebiet haben, C. A. Münchmeyer & Comp., Gebrüder Petersfeldt, R. Weichhardt, Gebrüder Sauerland und I. F. Winkelmann.

Wem das »Nöthige« nicht zur Anschaffung echter Sachen reicht, der findet genügende Auswahl in Alfenide- und Neusilberwaaren, die sich überwiegenden “Theils auf Gebrauchsgegenstände beschränken. Hier verdienen die Firmen Henniger & Comp., die sich eines grossen Rufes erfreuen, Gebrüder Bergas, Julius Guiremand, dieser mit schönen Tafelgeräthen, Carl Krall, S. Weinbaum und Paul Winkelsesser namentliche Erwähnung. Alex Schulz stellte blinkende Victoria - Brillanten, die zumal Abends täuschend wirken, in echter Fassung aus.

Von grosser Anziehungskraft ist die Juwelier-Werkstatt der kaiserlichen Hofjuweliere Leonhardt &

Fiegel, die auch für den japanischen Kaiserhof Kronjuwelen lieferten, man kann hier die Anfertigung der zierlichen Schmucksachen auf das getreueste verfolgen, wie die einzelnen Theilchen sorgsam herausgearbeitet und nach den Vorlagen zusammengefügt werden. Aber auch an fertigen und zwar meist sehr kostbaren Schmucksachen ist kein Mangel, von seltenem Werth sind die zur Verwendung gelangten farbigen Diamanten.

Dem »Juwelen-Saale«, wie ihn das Publikum kurz getauft hat, benachbart liegt die Abtheilung für Waaren aus Bronze- und Zinkguss, sowie für Deleuchtungsgegenstände. Die Berliner Bronze-Industrie erfreut sich weitgehender Achtung und wird im In- wie Auslande gleich geschätzt; hervorragende Künstler haben sich in den Dienst dieser Industrie gestellt, und klagte man vielfach mit Recht noch vor zwei Jahrzehnten über manch’ schwerfälliges und ungraziöses Erzeugniss dieser Industrie, die es mehr auf billige Massen- produktion, als auf kunstfertige Leistungen abgesehen, so ist heute die Befriedigung über die in Plastik wie Ausführung vollendeten Schöpfungen unserer angesehenen Bronze-Werkstätten eine allgemeine. Wie

mit welcher sie sich fast über Nacht den

in sich gekräftigt diese Industrie ist, bewies die Schnelligkei

neuen Beleuchtungsmethoden anpasste, und ferner die gewissenhafte Herstellung der grossen Kaiser- und

Fürsten-Denkmäler der letzten Zeit. Lang eingebürgert in Berlin ist die Lampen-Industrie; auch sie ver-

stand rasch mehrere gründliche Wandlungen durchzumachen und modernen Ansprüchen mit Geschick zu

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folgen; während Glas- und Porzellan-Lampen viel an Beliebtheit verloren haben, werden jetzt mehr bronzene Lampen, sowie solche auf Säulen (aus Metall oder besserem Gestein) bevorzugt, auch hier führte das elektrische Licht viele Neuheiten ein. Erneute Beachtung verdankt der kunstgewerblichen Bewegung die Galvanoplastik, welche eine getreue, haltbare und das Auge erfreuende, dabei preiswürdige Abformung der

Originale ermöglicht und sich neuerdings mehr und mehr bei für Wohnräume etc. bestimmten Bildhauer-

werken eingebürgert hat.

Jen Höhepunkt unserer Bronze-Industrie und der mit ihr Hand in Hand gehenden Galvanoplastik verkörpern die umfangreichen Ausstellungen der Aktiengesellschaft vorm. H. Gladenbeck & Sohn und der Aktien-Gesellschaft Schäffer & Walcker; aus den Werkstätten der ersten Firma sind allein über vierhundert grössere Denkmäler hervorgegangen, von grösster Kunstfertigkeit sind sodann die kleineren Nachbildungen hervorragender Monumente. Beide Firmen leisten Vollendetes im Guss lebensgrosser Büsten

und in Kopieen antiker wie moderner Kunstwerke, sowie in der Fabrikation zweckmässiger, oft äusserst

origineller Beleuchtungskörper. Vornehme Bronzen stellten R. Bellair & Co. aus, deren Spezialität Büsten

und Statuetten patriotischen und militärischen Charakters, gern zu Ehrengeschenken gekauft, bilden; bei

kunstgewerblichen Bronzen sind ferner Max Behrendt & Co., G. Grohe, dieser mit prächtigen galvano-

plastischen Sachen, W. OQuehl, Ewald Schultze, J. Weidner und Merk & Glinicke zu nennen. Bronzen in allen Stilarten für Möbel und sonstige Wohnungsgegenstände lieferten C. H. Preetz und J. Rosenfeld.

Weitbekannte Firmen treten uns in der Beleuchtungs-Industrie entgegen; der Wetteifer um die

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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

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Gunst des Publikums hat da Werke höchster Kunstfertigkeit zu Stande gebracht, welche den Preisrichtern hier ihr Amt besonders schwer machen dürften. Voran marschiren J. C. Spinn & Sohn, C. H. Stob- wasser & Comp. und Wild & Wessel; bei diesen drei Ausstellungen kommt jeder, auch der selt- samste Geschmack, auf seine Rechnung, wie ebenso auf jeden Geldbeutel Rücksicht genommen wurde, kollossale Bronzekronen, für die Königlichen Schlösser bestimmt, hängen neben zierlichen Boudoir-Ampeln, schwere Wandleuchter neben winzigen Heiligen-Lämpchen von schöner durchbrochener Arbeit, neben hübschen Petroleumlampen für ein paar Mark kann man zwei Meter hohe Ständerlampen in japanischem

Geschmack für tausend und mehr Mark erstehen. Brendel & Loewig’s „Baldurbrenner“ werden schr

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Ötein-Industrie. Yaupt-Industrie-@ebäude.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

beachtet, ebenso die neuesten Verbesserungen des Continental-Gas-Glühlicht-Gesellschaft » Meteor und die mannigfachen Beleuchtungsproben von Gebr. A. & O. Huff; Windleuchter und Windlampen, auch für Gasglühlicht, stellte Ludwig F. C. Meyer, sowie Hand-, Taschen-, Sturm-, Segelboot- etc. Lampen von praktischer Konstruktion Georg Müller aus, während Louis Runge Gas selbst erzeugende Lampen vorführt. Die englischen Balance-Lampen von W. Stiebert, die ein durch Umwerfen u. s. w. herbeigeführtes

Unglück verhüten, dürften sich bald einbür;

gern, ebenso die selbstzündenden Petroleumlampen von Emil Wenig und die Luftzuglampen von E. Ziehlke. Wie das Petroleum- und das Gaslicht sich mit allen Mitteln gegen das elektrische Licht zu wehren

versucht, so auch die Spiritus- und Petroleum-Kochapparate gegen ihre abtrünnigen, durch Gas genährten

Kollegen. Sehr zweckmässig sind die Petroleum-Kochapparate von H. Kleinschewsky, der Fabrikation äusserlich sehr gefälliger Patent- Kamin-Oefen widmete sich die Eisengiesserei Aktien-Gesellschaft

vorm. Keyling & Thomas, einen ganzen Pavillon mit Petroleum Lampen wie -Brennern, mit Petroleum-

Koch- und Heiz-Apparaten denkbar verschiedenster Art stattete die über 400 Arbeiter beschäftigende Firma J. Hirschhorn aus.

Wenden wir uns nun der letzten Unter-Abtheilung der siebenten Gruppe zu, so finden wir die hauptsächlichsten Vertreter derselben in dem breiten Mittelgange, und zwar zeigt uns unterhalb der aus dem Kuppelraum führenden Treppe die Firma Schulz & Holdefleiss ihre grossartigen Kunstschmiede- arbeiten in einem imposanten Aufbau; vor einem von Marmorpfeilern gestützten, den Namen der Firma tragenden Bogen steht ein wirkungsvoller Wand-Springbrunnen, dessen Becken Delphine tragen, während

ein anderer Delphin das Wasser in eine von Blättergerank umsponnene Schale speit. Oberhalb der

Baumaterialien-@ruppe. Yaupt-Industrie-@ebäude.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und derın Vervielfäliigungsarten für d’e Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

kupfernen Brunnenwand kniet ein gewappneter Ritter, die Standarte in der mannhaften Rechten, unter der die Bismarck’schen Gesichtszüge tragenden Figur schlingt sich des eisernen Ranzlers Wort: »Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf der Welt!« Mehrere mächtige schmiedeeiserne Thore, darunter das im Renaissance-Stil ausgeführte und für das neue Heim des Abgeordnetenhauses bestimmte, stammen aus der Fabrik von Eduard Puls, die für unsere neuere Schmiedekunst von führender Bedeutung war und noch ist. Berlin hat überhaupt auf diesem industriellen Gebiet eine weitgehende Geltung erlangt, indem einzelne

bedeutende Firmen grosse materielle Opfer nicht scheuten und durch Aufsehen erregende Musterarbeiten

auch ihre heimischen Konkurrenten zum höchsten Eifer anspornten. Das zeigen u. A. die ausgestellten Arbeiten von F. Stahl & Sohn, deren zweiflügeliger, schmiedeeiserner Hausthorweg die cehrendste Empfehlung dieser bereits 1835 gegründeten, heute in hoher Blüthe stehenden Firma ist, die sich zur pavillonartigen Krönung emporwindenden Blumenornamente sind technisch vollendet durchgeführt. Dasselbe

ger'schen Schmiedestücken und ÖOrnamenten

darf von den A. M. Krause’schen und Ferd. Paul Krü

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behauptet werden, welchen sich an Güte und Reichhaltigkeit die Fabrıkate von Paul Marcus anschliessen,

unter denen wir auch Leuchter und Laternen, Tische und Kronen finden, während Emil Klemm Hervor- ragendes in mit Kupfer montirten schmiedeeisernen Gegenständen, darunter Hänge-, Tisch- und Ständer- lampen, Rauch- und Schreibtisch-Garnituren, die unverwüstliche Dauerhaftigkeit mit gefälliger Eleganz ver-

einen, zeigt, und B. Wiksits sich mit künstlerisch vollendeten Blumenkörben hervorthut. Formvollendete

schmiedeeiserne Treppengeländer stellten E. Franke, der auch durch einen schönen schmiedeeisernen

Pavillon vertreten ist, Alb. Gossen und G. Kleinschmidt aus. R. Blume sowie Dregerhoff & Schmidt

führen uns ihre trefflichen Leistungen in schmiedeeisernen Grabgittern vor. Xaver Kirchhoff sucht mit Eriolg seine Spezialität in eisernen Flaggenmasten.

Das Reich des Stahls verkörpert der grosse Pavillon von J. A. Henckels, dessen Waaren mit der bekannten Zwillingsmarke in der ganzen Welt zu finden sind und in ihrer Güte wie Mannigfaltigkeit kaum übertroffen werden. Unmittelbar hinter diesem Pavillon ragen die Riesen - Röhren der Deutsch- Oesterreichischen Mannesmannröhren-WVerke empor, die, wie die Fertigprodukte zeigen, in den verschieden- artigsten Industriezweigen mit Vorliebe verwendet werden. Die Bauklempnerei, der in den letzten Jahren durch die grossen Staatsbauten erfreuliche Aufgaben gestellt wurden, die sie zur grossen Befriedigung löste, vertreten Fr. Peters mit Thurmspitzen und einem Kapitäl von Kupferblech, Badow & Riese mit äusserst gefälligen Ornamenten in Zink und Kupfer, und Heinrich Kunitz.

Gross ist der Wetteifer unter den Fabrikanten von Geldspinden, die allen Eventualitäten und Ver-

nichtungs-Versuchen durch Elemente wie durch Menschenhand gewachsen sein sollen. Carl Ade führt uns u. A.

SOL-

einen „eingemauerten‘‘ Geldschrank vor, von S. J. Arnheim stammen neben Panzerschränken noch Tre

einrichtungen und Stahlkammern, unter letzteren eine mit Zeitschlössern versehene. Mit Eifer und hoffent- lich dem verdienten Erfolge betheiligten sich an dem Wettkampfe H. Fahnkow, Andersson & Reck, €. Brandes, ]J. Biehl, G. Lindener, A. Loewe, E. Palm und ©. Schleift.

Zahlreich sind die den verschiedenen Hauswirthschaftszweigen gewidmeten Gegenstände aus Metall, die zunächst in den rechts vom Mittelwege liegenden Räumen untergebracht sind. Auch auf diesem Gebiet bringt fast jeder Tag eine neue Erfindung, die unseren Hausfrauen, Küchenfeen, Köchen etc. ihre Thätig- keit immer bequemer machen soll. Praktische Wring- und Waschmaschinen stellten P. Marzillier und Theodor Weigele aus, C. Fiedler und C. E. Nagel Marmoreisschränke, Otto Gerwig schmucke kupferne Küchen - Einrichtungen, die das Herz jeder braven Hausfrau höher schlagen

lassen müssen, Robert Schultze Wärm- und Kühlapparate, Hermann Jordan Reib- und Quetsch-Apparate,

L. Otto Frank Kaffeebrenner und Waagen, H. Eicke seine vielverbreiteten praktischen Kaffee- unc

Theemaschinen, Gustav Enderweit und Baer & Stein allerhand Küchengerä he, ]. W. Dehn & Co.

eiserne Flaschenschränke, und Arlt & Fricke ihre Spiritus-Schnellkocher. Hötels und Restaurants dien

der schon oben genannte Otto Gerwig mit seinen bis auf's Kleinste bedachten Kücheneinrichtungen, Hermann Peter mit seinen Buffets und Bierdruckapparaten und die Quisisana-Gesellschaft mit ihren erstaunlich sicher funetionirenden Automaten für Speise und Getränke, ferner Robert Schultze unc Emil Wiesert.

gen vereint ein von OÖ. F. Schaefer Nachf. errichteter Pavillon, ein Pavillon

aus Eisen mit Wellblechbedachung der Firma Wolf Netter & Jacobi enthält verzinkte, verbleite unc

Eine Anzahl Blechemballa

verzinkte Gegenstände aller Art. Von den vielen Badeeinrichtungen heben wir die von Kosch & Teich- mann und von den Eisenmöbeln die von Carl Schulz hervor. Schliesslich sei noch rühmend der M. Schlesinger’schen Münzprüfer für deutsche und ausländische Gold- und Silbermünzen, die bei den deutschen Reichsbehörden eingeführt sind, und der in gothischem Stil prächtig gearbeiteten schmiedeeisernen Standuhr von A. Kahlberg gedacht.

Man sieht, wie reichhaltig diese siebente Gruppe, die an 350 Aussteller umfasst, ist; sie legt der

124

&us der Maschinen-Italle.

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896,

125

deutschen Industrie volle Ehre ein und fügt sich ebenso machtvoll wie erfolggekrönt dem Gesammtbilde der Ausstellung ein, zu deren bedeutsamsten und erfreulichsten Theilen sie gehört!

Der siebenten Gruppe schliesst sich, auch räumlich, die achte: Graphische und dekorative Künste und Duchgewerbe, eng an. In erster Linie führt sie uns Berlins Buchhandel und Buchdruckkunst vor, die beide gleichfalls im letzten Vierteljahrhundert einen hohen Aufschwung genommen. Hundert Jahre nach Erfindung der Buchdruckerkunst war Berlin noch ohne Druckerei; die Gründung der ersten veranlasste 1539 Kur- fürst Joachim II.; am Ausgange desselben Jahrhunderts führte der bekannte Leonhard Thurneysser mit Umsicht die Drucklegung einer ganzen Anzahl bedeutender Werke aus. Lange Zeit genügte eine Druckerei für ganz Berlin, die Mehrzahl der Bücher wurde von auswärts bezogen und nach auswärts wurden

auch oft Druckaufträge vergeben. Selbst das Zeitalter der Aufklärung brachte nur langsam Wandel; f>} fo} fe} te)

Maschinen-Halle.

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

ı800 gab es in Berlin 21 Buchdruckereien mit 123 Gehülfen, und erst von der Mitte unseres Jahrhunderts an ging der Aufschwung rascher von statten, dann fast von Jahr zu Jahr zunehmend. Heute zählt man

etwa 420 Buchdruckereien mit weit über 4200 Gehülfen, und lassen diese Zahlen die entsprechenden

Leipzigs, der privilegirten Buchdrucker- und Buchhandelstadt, weit hinter sich zurück.

Bei diesem enormen Emporblühen des Buchdruckerei-Gewerbes spricht erheblich die grosse Zahl

der in Berlin erscheinenden Tages-, Wochen- und Monatsschriften mit, aber auch der stets wachsende

geschäftliche Verkehr giebt ihnen reiche Beschäftigung und daneben der Buchverlag selbst, der mit immer

grösserem Eifer den Wettkampf mit Leipzig aufgenommen hat. An den 23 600 während des letzten Jahres

in Deutschland neu veröffentlichten wissenschaftlichen und literarischen Werken dürfte Berlin mindestens den

gleichen Antheil wie Leipzig haben, und dass es kaum ein Gebiet des menschlichen Wissens giebt, welches

126

der Berliner Verlag nicht pflegt, zeigt uns deutlich diese Gruppe, in welcher sich unsere ersten Berliner Verleger bemüht haben, in engem Rahmen ein Bild ihres Wirkens und Schaffens zu geben.

Wie in Parade stehen sie da, die langen Bücherreihen, die so viel von deutschem Wissen und Können bergen und den Ruhm deutschen Geistes und deutscher Bildung nach den fernsten Erdpunkten hin tragen. Nach hundert und mehr Bänden zählt allein die vom Allgemeinen Verein für deutsche Literatur (Hermann Paetel) herausgegebene Büchersammlung, welche auf dem Gebiete der Unterhaltung und Be- lehrung die besten Autoren vereint; dass grosse Leistungsfähigkeit, verbunden mit Billigkeit, noch immer Erfolg hat, beweisen die journalistischen Unternehmungen von Richard Bong, der namentlich den Farben- holzschnitt in seiner »Modernen Kunst« mit Umsicht anwendet; Ferd. Dümmler’s Verlag, im ersten Jahr-

zehnt dieses Jahrhunderts begründet, erscheint mit seinen textlich wie illustrativ gleich trefflichen populär-

Maschinen-Halle. *

Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896

wissenschaftlichen Lieferungswerken, die selbst im Auslande die verdiente Beachtung gefunden; der Unter- haltung sind die Verlagsartikel von Rich. Eckstein Nachf. (H. Krüger) und F. Fontane & Co. gewidmet, zu ihren Autoren. Vielver-

letztere Firma zählt die erfolgreichsten Vertreter des »jüngsten Deutschland« breitete Unterrichtsbücher, darunter die Ploetz’schen Grammatiken, gab Fr Aug. Herbig’s Verlag heraus, periodische von Reichs- und Staatsbehörden veranlasste Publikationen Carl Heymanns Verlag; welch’ eine Rolle nicht nur im literarischen Leben, sondern in kultureller Beziehung überhaupt eine Zeitschrift spielen kann, beweist uns der Verlag von A. Hofmann & Comp. (Inh. Rudolf Hofmann) mit der statt-

lichen Reihe von Jahrgängen des »Kladderadatsch«, der von 1848 an mit Witz und Spott die Zeitereignisse

begleitet, aber auch zu rechter Zeit das ernste, schwerwiegende Wort zu finden wusste. Berliner Reise-

Literatur verdanken wir Alexius Kiessling, geschichtliche Werke, darunter das neue Buch vom Alten

127

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ungsarten für die Berliner Gewerbe-Au

deren Ve

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Nach einer Original-Aufnahme des Verbandes für P

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Trowitzsch & Sohn, erlesene

Saling.

geographische Werke verd

Den grössten lanc

ehenden Haude & Spener’schen Buchhand

breiteten »Geflügelte Worte« von Büchmann und

wirthschaftlichen Ve

anken wir Dietric

Vahlen, grossangelegte Erscheinungen auf dem Gel

druckereien verbunden, wie Fe

Mehrere der ebengenann

en Verlagsbuchhand

rd. Dümmler’s Ve

z, Paul Kittel, Jugendschriften und Geschenk-Literatur Herm. J. Meidinger. Der vornehmen Belletristik, Geschichte, Geographie und Literatur widmen sich Gebrüder Paetel, die auch Julius Rodenberg's fesselnde

gehaltvolle »Deutsche Rundschau« herausgeben. Von den Verlagsproduktionen der bereits seit 1614

ung, deren Besitzer Dr. jur. Conrad Weidling als

riftführer der Gruppe VIII sich besondere Verdienste erwarb, erwähnen wir die in vielen Auflagen

die jedem Kapitalisten unentbehrlichen »Börsenpapiere« rlag vertritt Paul Parey, musterhafte kartographische

h Reimer, eine umfassende Kollektion von Kalendern

juristische Werke, von unseren gefeiertsten Juristen herausgegeben, Franz

biet der Architektur, Ernst Wasmuth.

ungen sind mit renommirten und leistungsfähigen Buch-

rlag mit der G. Bernstein’schen Buchdruckerei und

Trowitzsch & Sohn mit seiner auch im Kunstdruck hervorragend tüchtigen Buchdruckerei. Letzteren

pflegt besonders Otto von Ho licher Schönheit sind. vollste Anerkennung, auch we vielbewunderten Leistungen au

teressanten

Georg

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Büxenstein & Co

sen der aus ihrer

Dreifarbendrucke.

ten, dessen altdeutsche Drucke in getreuer Nachbildun

g von ausserordent-

mp. verdienen nicht nur wegen ihrer Druckarbeiten

photochemigraphischen Kunstanstalt hervorgegangenen

totypischer Photographie- und Zeichnungs-Vervielfältigungen und ihrer in-

Verdienten Rufes wegen ihrer Werk- und Accidenzdrucke erfreuen sich

Ernst Siegfried Mittler & Sohn und Julius Sittenfeld, welch’ letzterer sehr schöne und beachtens-

werthe Buch- und Kunstdrucke hergestellt hat.

Der Buchdruckereien von Rudolf Mosse und August

Scherl gedenken wir noch an anderer Stelle. Mit kartographischen Drucken excelliren das Berliner

Lithographische Institut (Julius Moser) und das Geographische Institut Jul. Straube; vielseitige

Materialien für Buchdruckereien rühren von Hans Wunder her.

Gegen andere Vervielfältigungsarten auf photochemischem Wege hat neuerdings der Holzschnitt

einige Vernachlässigung erfahren; es dürfte dies wahrscheinlich vorübergehend sein, denn wenn erst der

jetzt zu bemerkende Heisshunger unseres Publikums nach möglichst vielem Illustrations-Material gestillt ist,

wird man erneute Beachtung dem sorgfältigen Holzschnitt zuwenden. Liebevoller Pflege erfreut er sich

seitens G. Heuer & Kirmse,

die eine Zahl eminent tüchtiger Kunstholzschnitte ausgestellt haben.

Auch mehrere meisterhafte Photogravuren sind aus ihrem Verlage hervorgegangen, ein kerniger Lenbach'scher

Bismarckkopf und G. Biermann’s anmuthreiche Königin Luise mit ihrem zweiten Söhnchen, dem Prinzen

Wilhelm.

Der auffällige, farbige Plakatdruck, der noch vor Kurzem ganz bei uns darniederlag, wird erst in

jüngster Zeit mehr gepflegt;

H. Meysel, Alex Hoenig und Th. Wendisch.

Zwecke ist Wi

hervorzuheben.

der Königl. National-Ga

ausländischer Meister sind v unterstü

mehr

und mehr die Schund

erie ein; diese Farbe

wir nennen die Firmen R. Barnick, Otto Lutze, dieser mit Metallplakaten,

Beim Buntdruck für wissenschaftliche archäologische

h. Greve zu nennen; auch W. Schultz-Engelhard’s buntfarbige Kunstblätter sind rühmend

Zwei grosse Kojen nimmt die Vereinigung der Kunstfreunde für Amtl. Publikationen

ndrucke nach Gemälden neuerer erster deutscher wie

on bewundernswerther Schönheit, sie geben getreu das Original wieder und zen bei ihren billigen Preisen wirksamst die Verbreitung guter Kunstwerke, welche gottseidank

produkte verdrängen, die noch vor Kurzem selbst in besseren Bürgerhäusern

die Wände verunzierten. Wunderschöne, gleichfalls zum edelsten Zimmerschmuck dienende Heliogravuren

stellten

leisenbach, Riffar

keit auf dem Felde des mod

nicht al

Die graphische Grup

zu umfangreich, zeig

h & Co. aus, die ferner eine erspriessliche, zur Nachahmung aneifernde Thätig- ernen Illustrationsverfahrens, hauptsächlich mittelst Autotypie, entwickeln. be, welche die Arbeiten der Ciseleure, Medailleure und Graveure umfasst, ist

aber dafür ausserordentlich gelungene Leistungen; den besten Beweis liefern

13C

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Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896.

&An der Wandelhalle nach Kairo. . N \

die Ausstellungen von Otto Oertel und L. Ostermann. Schöne gravirte Platten und Muster rühren von Oscar Brause und Carl Paal, Münzen und Medaillen von L. Chr. Lauer (in Nürnberg), Silber- gravirungen von G. Stawemann her, Waffengravirungen von W. Pfeuffer, schöne getriebene Arbeiten von Georg Rasmussen, Cameen-Porträts von Reinhold Tips, Kautschuckstempel etc. von Herm. Weber. Mit einer beträchtlichen Kollektion seiner vornehmen Elfenbein-Skulptur-Nachbildungen ist G. Micheli

würdig vertreten.

Eine besondere Gruppe, und zwar die XV]., bildet die Paprer-Industrie, mit ihr ist gleichzeitig manch’ anderer Industriezweig verbunden, der mit dem Papier und seiner vielseitigen Benutzung in naher Berührung steht. Die Herstellung des Papiers in der Mark Brandenburg reicht weit zurück, schon Anfang des 16. Jahrhunderts sind mehrere Papierfabriken im Betriebe, ‚von denen noch heute die in Pulverkrug bei Frankfurt a. ©. liegende besteht. Hat Berlin selbst auch keine grösseren Papierfabriken aufzuweisen, so dafür solche zur Fabrikation von Bunt-, Karton- und Glanzpapier und Pappen; erspriesslich entwickelt hat sich die Papierwaaren- und Luxuspapier-Industrie, grosse Bestellungen laufen da von auswärts ein und ihre gute Erledigung fördert von Jahr zu Jahr die Nachfrage.

Umfangreich ist die alle Arten Papiere enthaltende Kollektiv-Ausstellung des Deutschen Papier-

Vereins, der sich um die Hebung der Industrie grosse Verdienste erworben; Glace- und Cartonpapier

stellte die Berliner Glac&- und Cartonpapier-Fabrik Hess & Zadek aus, schönes Büttenpapier mit

komplizirten Wasserzeichen, zur Herstellung von Werthpapieren verwendet, Gebr. Ebart, deren Fabrik in Spechthausen 1781 von Friedrich dem Grossen gegründet wurde, Papiere zu hundertfachen Zwecken dienend Ferd. Flinsch, der für zahllose Zeitschriften und Zeitungen sein sorgsam fabrizirtes Papier liefert; Karton- papiere für Photographie stammen von Hochstein & Weinberg und Sachs & Russ. Im Betrieb sehen wir die Kartonfabrik von Eduard Jacobsohn, deren Fabrikate ein tempelartiger Aufbau vereint; interessant ist es ferner, der unendlich raschen Thätigkeit der Briefumschlagmaschinen von Gebr. Tellschow zuzuschauen, während uns Lüderitz & Bauer und A. Zumpe die Herstellung von Contobüchern etc.

praktisch veranschaulichen. Schwanhäusser vorm. Grossberger & Kurz haben in einem stattlichen

Aufbau ihre Blei- und Farbstifte zusammengestellt. Von Mey & Edlich rühren grosse Kollektionen prak- tischer und dauerhafter Papierwäsche her; die Reichhaltigkeit ihrer Erzeugnisse der Schreibwaaren-Industrie mit vielen Neuheiten zeigt F. Soennecken’s Verlag, komplete Bureau-Einrichtungen, gleichfalls mit sehr empfehlenswerthen Neuheiten, sehen wir von der bekannten Shannon-Registrator Co., Aug. Zeiss 2 Co,

ausgestellt. In sehr geschmackvollen, dunkelbraunen Schränken mit hübschen Holzverzierungen sind die

iches in der gleichen

Geschäftsbücher von J. C. König & Ebhardt in Hannover untergebracht, ebenso Vorzü

Branche leistet das Berliner Haus Julius Rosenthal, welches in der Umrahmung eines Musterkomtoirs seine

Fabrikate zur Geltung kommen lässt. Fesselnde Lehr: und Beschäftigungsmittel aus Papier und Pappe stellten Werner & Schumann aus, allerliebste Lampenschirme Hohenstein & Lange, Diaphanie-Fenster-

bilder Vogler & Kachholz, Christbaum-Dekorationen und allerhand Gesellschafts-Artikel E. Maniac.

Die Mehrzahl der vorgenannten Firmen hat in den linken Nebensälen ausgestellt, wenden wir uns von ihnen dem breiten Mittelgange zu, so stossen wir zunächst auf die Osnabrücker Papierwaaren- Fabrik mit einer grossen Auswahl vornehmsten Briefpapiers in eleganten Umhüllungen; viel betrachtet werden die für die Kaiserin von Russland, die Königin von Spanien und den Khedive von Aegypten be. stimmten Schreib-Kassetten; elegant und chic sind die Menus, Tanz-, Gratulations- etc. Karten derselben Firma. Einen hübschen Pavillon füllen die Fabrikate von Heintze & Blanckertz aus, in ihm lernen wir auch die Herstellung der Erzeugnisse vom Rohprodukt bis zum fertigen Fabrikat kennen. Die gleichfalls hier liegenden beiden Pavillons von Georg Hulbe und F. W. Hoppenworth, ersterer mit den gediegensten und das Auge erfreuendsten gepunzten Lederwaaren, letzterer in Gestalt einer mächtigen Kaiserkrone, mit

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Delephon-Pavillon. Yoeltins. Sarofti.

Nach Original-Aufnahmen des Verbandes für Photographie und deren Vervielfältigungsarten für die Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896,

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Kotillon- und sonstigen Ballartikeln, gehören bereits zur VI. Gruppe, den Kurz- und Galanterie Waaren, die Unterkunft in mehreren rechts vom Mittelgange liegenden Räumen gefunden haben.

Eine umfangreiche Gruppe fürwahr, viele Industrieen umfassend, die zahllose Tausende fleissiger Hände tagaus tagein in Berlin beschäftigen. Die Mannigfaltigkeit dieser Gruppe beweisen schon ihre drei Unter-Abtheilungen: I. Waaren aus Elfenbein, Meerschaum, Perlmutter, Bernstein, Schildpatt, Hartgummi,

Celluloid, Fischbein, Horn, Knochen, Haaren, Borsten, Wurzeln, Fasern, Pflanzen. I. Waaren aus Holz,

Bronze, Aluminium und anderen Metallen, aus Papier, Pappe, Leder, dann Buchbinderarbeiten, Schaufenster-

Dekorationen etc. III. Peitschen, Stöcke, Pfeifen, Sonnen- und Regenschirme, Fächer, Spielwaaren und Puppen. Auch diese einzelnen, theils dem Luxus, theils dem täglichen